Ernährungssicherung: In robuste Lieferketten ...
Steffen Bach
Ernährungssicherung

In robuste Lieferketten investieren

Dienstag, 15. November 2022

FRANKFURT In der Fleischbranche wächst die Angst vor einem weiteren Einbruch der Schweinebestände.

Die Zahl der Schlachtungen ist innerhalb von fünf Jahren um 25 Prozent zurückgegangen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: die deutlich gesunkenen Lebendimporte, der Ausbau der Tierwohlprogramme und das Ausscheiden von Tierhaltern aus der Produktion. Im kommenden Jahr könnten die steigenden Energiepreise dazu führen, dass sich die Talfahrt in einem noch höheren Tempo fortsetzt. Angesicht hoher Energiekosten ist es für Schweinehalter womöglich besser, ihre Ställe im Winter leer stehen lassen.
„Es kann gefährlich werden, beim Rohstoffeinkauf von der Hand in den Mund zu leben. “
Steffen Bach, Redakteur
Aktuell gibt es Probleme, das geschrumpfte Angebot auf dem Fleischmarkt unterzubringen. Auch die zuletzt gestiegenen Schlachtgewichte deuten darauf hin, dass es eher Überhänge als Engpässe gibt. Doch die Situation kann schnell ins Gegenteil kippen. Die starken Preisschwankungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es gerade für die handwerklichen und mittelständischen Fleischverarbeiter gefährlich werden kann, beim Rohstoffeinkauf von der Hand in den Mund zu leben.

Feste Lieferverträge mögen auf den ersten Blick teuer sein. In Zeiten eines knappen Angebots bieten sie aber auch Sicherheit. Wenn die Vertragspartner auch noch aus der Region kommen, bietet das die Möglichkeit, sich gegenüber den Wettbewerbern im Lebensmitteleinzelhandel zu profilieren. Ob die Konsumenten im Sommer in den Supermärkten vor leeren Kühlregalen stehen werden, bleibt abzuwarten. Falls ja, könnten die Metzger die Profiteure sein. Mit robusten regionalen Lieferketten wären sie bei einem zu knappen Angebot auf dem Fleischmarkt deutlich besser aufgestellt als die Einkäufer der Handelsriesen.

Vor einer ganz anderen Herausforderung stehen die Schlachtunternehmen. Weniger Schweine bedeutet weniger Auslastung der Produktionskapazitäten. Bisher wird das vor allem dadurch aufgefangen, dass statt in zwei nur noch in einer Schicht gearbeitet wird. Langfristig ist das keine Lösung, denn damit verlieren die Unternehmen international ihre Wettbewerbsfähigkeit. An der Schließung auch von großen Schlachtstätten wird deshalb in Deutschland langfristig kein Weg vorbeiführen.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 46/2022
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