Ernährungssicherung: Kleinere Herden beschere...
Jörg Schiffeler
Ernährungssicherung

Kleinere Herden bescheren die nächste Versorgungslücke

Dienstag, 20. September 2022

FRANKFURT Die Ernährung muss zu jeder Zeit gesichert sein, und das wird immer heikler.

Da sind zum einen die durch den Klimawandel ausgelösten Wetterkapriolen und zum anderen die teils enorme Abhängigkeit von wichtigen Gütern, die weder hierzulande noch bei den übrigen europäischen Nachbarn gefördert oder produziert werden.

Hinzu kommt noch eine dritte Herausforderung: die Transformation der Agrar- und Fleischwirtschaft. Ohne spürbar mehr Klimaschutz, eine deutliche Ressourcenschonung und dringend erforderliches Tierwohl sowie die Entwicklung von Proteinalternativen ist die Zukunftsfähigkeit des größten Wirtschaftszweigs in der Lebensmittelindustrie – der Sektor Schlachten und Fleischverarbeitung – in großer Gefahr.
„Es wird viel Fleisch importiert, weil Verbraucher zu den Edelteilen greifen.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Fleischindustrie und Fleischerhandwerk sowie der Lebensmitteleinzelhandel müssen um ihren Rohstoff kämpfen. Das ist vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht bewusst. Denn der Wandel in der Landschaft hin zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung gelingt nicht nur durch ein Abstocken der Tierbestände. Der hohe Selbstversorgungsgrad von 118 Prozent (2020) verleitet außerhalb der Branche dazu zu glauben, dass zu viel Ware auf dem Markt ist. So sehen sich Branchenkritiker durch die Exportsperre von Schweinefleisch – bedingt durch die ASP – bestätigt, die Herden weiter zu verkleinern. Wahr ist dagegen, dass viel Fleisch importiert werden muss, weil die Verbraucherinnen und Verbraucher zu den Edelteilen greifen. Rüssel, Pfötchen, Herz, Leber und Lunge lassen sie liegen.

Die turbulente Zeit mit unendlichen Lieferengpässen, einer anhaltend hohen Teuerungsrate und explodierenden Energiepreisen verlangt danach, die Rohstoffsituation in der Region nicht nur im Auge zu behalten. Man muss sie fördern! Dazu müssen sich alle Mitglieder der Kette, also von der Erzeugung über die Gewinnung, Verarbeitung und Vermarktung bewegen. Idealerweise verfolgen alle das gleiche Ziel: einen Haltungswechsel. Denn Weiter so wie bisher funktioniert nicht mehr.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 38/2022
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