Rohstoffsicherung: Um Schweine muss gekämpft ...
Jörg Schiffeler
Rohstoffsicherung

Um Schweine muss gekämpft werden

Dienstag, 24. Januar 2023

FRANKFURT Als das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden vor den Festtagen meldete, dass die Schweineherde im November 2022 im Vergleich zum Mai 2022 um 1,01 Millionen Tiere geschrumpft ist, ging das im Weihnachtstrubel unter. Und das, obwohl der Bestand auf das tiefste Niveau seit der Wiedervereinigung 1990 gefallen war.

Das Abstocken der Tierbestände hat viele Ursachen, wie beispielsweise die seit Jahren nicht enden wollenden Diskussionen zum Umbau der Tierhaltung und das Aufschnüren eines lange erarbeiteten Pakets mit Namen „Borchert-Konzept“. Während Lebensmitteleinzelhandel, Schlachtunternehmen und Landwirtschaft mit Haltungswechsel und Tierwohlversprechen vorankommen, setzt die Berliner Agrarpolitik auf die Förderung weniger Höfe. Der riesengroßen Mehrheit der Tierhalter fehlt die Perspektive, und so werden uns kleinere Herden die nächste Versorgungslücke bescheren.
„Der Viehankauf wird zum Roulette-Spiel, weil in allen Regionen Tiere fehlen.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Allein die Schweineherde brach in gerade einmal zwei Jahren um 4,74 Mio. Tiere ein auf einen Gesamtbestand von 21,33 Mio. Stück. Im Rinderbereich ist die Entwicklung weniger dramatisch, dennoch fehlen auch hier im Zweijahresvergleich knapp 305.000 Tiere. Die Forderung von Bündnis 90/Die Grünen, die Bestände zu halbieren, wird von mehreren NGOs unterstützt - wie beispielsweise vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) oder dem Paritätischem Wohlfahrtsverband. Die vielseitigen Angriffe auf den Konsum von Fleisch blenden aus, dass Fleisch ein wichtiger Teil einer ausgewogenen Ernährung ist und dass die große Mehrheit der Menschen Fleisch essen möchte. Präsident Herbert Dohrmann vom Deutschen Fleischer-Verband (DFV) weist zu Recht in seinem Offenen Brief an Cem Özdemir darauf hin.
Daraus folgt, dass der Lebensmitteleinzelhandel und die Metzgereien die Verbraucher dieses Landes mit dem wertvollen Rohstoff versorgen möchten – ja, sogar nachhaltig, tiergerecht und regional. Für die Schlachtbetriebe wird der Ankauf von Schweinen zum Roulette-Spiel, weil bereits in allen Regionen Tiere fehlen. Die enge Kooperation mit Viehhandelsunternehmen ist deshalb klug.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 4/2023
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