Tierschutzverstöße: Mit eigenen Waffen schlag...
Monika Mathes
Tierschutzverstöße

Mit eigenen Waffen schlagen

Dienstag, 23. August 2022

FRANKFURT Flintbek, Bad Iburg und jetzt Backnang: Die Soko Tierschutz war im ersten Halbjahr 2022 schon wieder überaus aktiv und filmte – meist heimlich – in regionalen und immer häufiger in privaten Schlachthöfen.

 Warum gerade die Kleinen in deren Visier stehen, ist klar: Dort lässt sich ein Dreh diskreter und unbehelligter realisieren als in großen Betrieben, die sich über Videoüberwachung und strikte Zugangsbeschränkungen gegen unbefugte Eindringlinge absichern. Der überwiegende Teil der filmenden Tierrechtler zählt zur Veganer-Szene. Ihnen geht es primär nicht nur darum, Tierschutzverstöße aufzudecken und anzuprangern. Die „Noch-Fleisch-Esser“ sollen durch ihre Aktionen immer wieder darauf gestoßen werden, was in den Schlachtbetrieben schief läuft, ihren Konsum dann kritisch überdenken und am besten rigoros einstellen.

Tierquälereien kann man nicht durchgehen lassen. Sowohl in Groß- als auch kleineren Betrieben werden Fehler gemacht – oft ist der Mensch die Quelle. Insofern hat der Backnanger Betrieb das einzig Richtige getan und äußerst besonnen und professionell reagiert: Statt die Vorwürfe abzustreiten, engagierte er einen unabhängigen Gutachter und Krisenmanager, setzt die Schlachtung vorerst freiwillig aus, um die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen.
Die noch schlachtenden Betriebe sollten darüber nachdenken, ob sie Tierrechtler mit deren eigenen Waffen schlagen: Die Videoüberwachung von Zutrieb und Schlachtung könnte eine davon sein.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 34/2022
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