Verbraucherverhalten: Kein Bio im Herzen
Sabrina Meyer
Verbraucherverhalten

Kein Bio im Herzen

Freitag, 19. August 2022

FRANKFURT Die Inflation verstärkt die Preissensibilität der Konsumentinnen und Konsumenten.

Eine Krise nach der anderen erschüttert nicht nur Produzenten, sondern auch Konsumenten. Neben der Corona-Krise, dem Ukraine-Krieg und Tierseuchen kämpfen beide Parteien mit der Inflation. Auf der Konsumseite bringt diese Krisensituationen schon nach kurzer Zeit eine Ehrlichkeit zu Tage, die sonst nur hinter der Hand kundgetan wurde: Deutsche Verbraucher achten auf den Preis.

Das ist auch eine Erkenntnis der Umfrage von Civey im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Seit Jahren stand in jedem Report der Faktor Geschmack auf Platz 1 der Produktauswahl, nicht der Preis – obwohl das Kaufverhalten diese Aussagen nicht erst seit den krisengeplagten Jahren konterkariert. Dennoch betont diese Umfrage wie viele andere, dass den Konsumenten Nachhaltigkeit und Bio-Qualität wichtig seien.

Aus diesem Grund sieht wohl auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir Bio als „die Antwort auf unsere planetaren Krisen.“ Özdemir hält nicht nur an der Transformation des Agrar- und Ernährungssystems fest, sondern sieht in der biologischen Bewirtschaftung das Leitbild einer nachhaltigen Landwirtschaft. Das 30-Prozent-Ziel ist gesetzt, zur Unterstützung sollen die Kennzeichnung und die Beratung ausgebaut werden, zum Beispiel in Bereichen der Außer-Haus-Verpflegung, in Kantinen und Restaurants – Bio soll auf möglichst viele Teller.

In den beiden Corona-Jahren wurde von einem regelrechten Bio-Boom gesprochen, kritische Stimmen sehen das weniger euphorisch. Im Jahr 2021 lag der Anteil von Bio-Lebensmitteln laut Destatis bei rund 6,8 Prozent. In diesem Marktsegment von knapp sieben Prozent sind allerdings die Importe inbegriffen – Bio-Produkte, die durch die ganze Welt transportiert werden. Diese können kein Gewinn für die Umwelt sein. In vielen Bereichen funktioniert Bio dabei gut, beim Fleisch spielt dieses Angebot aber nach wie vor eine absolut untergeordnete Rolle. Hier schaut der Verbraucher sogar noch eher auf die Haltungsform. Dass die marginal gestiegene Nachfrage nach Öko-Fleisch besonders betont wird, versteht sich von selbst: Wachstum in der Nische lässt sich leicht als Erfolg verkaufen.

Zum Abschluss noch ein paar persönliche Worte

Nach vier spannenden und lehrreichen Jahren bei der „Fleischwirtschaft“ verabschiede ich mich Ende August, um mich neuen Herausforderungen zu widmen. Ich bedanke mich herzlich für diese Zeit, in der ich Einblicke in eine innovative und resiliente Branche gewinnen konnte, von der ich viel gelernt habe.

Quelle: Fleischwirtschaft 8/2022
stats