Branchencho Fleischwirtschaft: Verbraucher gr...
imago / Frank Müller
Gelbwurst.
Gelbwurst.

FRANKFURT Der Mittelstand gewinnt Marktanteile und hat positive Umsatzerwartungen, die Großunternehmen hingegen sind unzufrieden. Rindfleisch steht unter Druck, während das Geflügelsegment wächst und die Tierwohlnachfrage sinkt. Zu diesen Ergebnissen kommt das zweite Branchenecho der Fleischwirtschaft.

Das halbjährliche Branchenecho der Fleisch- und Wurstindustrie in Deutschland zeigt große Verbraucherveränderungen und damit starke Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette. Die Befragung der in der dfv Mediengruppe erscheinenden Fleischwirtschaftlichen Fachmedien (afz - allgemeine fleischer zeitung und „Fleischwirtschaft“) und der Managementberatung Ebner Stolz (beide Frankfurt am Main) richtete sich an die Top-100-Unternehmen der Branche, von denen ein gutes Drittel Rede und Antwort stand. Unter den Befragten sind 30 Prozent Unternehmen mit mehr als 1.500 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 500 Mio. Euro, 70 Prozent der Befragten zählen zum klassischen Mittelstand.

„Das Branchenecho zeigt: Die deutsche Fleischindustrie packt die Transformation am Schopfe“, so Christian Schnücke, Gesamtverlagsleiter Agrar-, Back- und Fleisch-Medien der dfv Mediengruppe. „Diese Branche ist geprägt durch eine Vielzahl von Unternehmern, Handwerkern und Kreativen. Vielfalt zahlt sich jetzt in der Krise aus, sodass viele Unternehmen trotz Herausforderungen positiv in die Zukunft blicken.“ Für Klaus Martin Fischer, Partner der Managementberatung Ebner Stolz, zeigt sich ein weiterer Trend: „Die Unternehmen streben nach regionalen Wertschöpfungsketten. Was seit vielen Jahren ein Vorteil der Geflügelwirtschaft ist, wird nun zunehmend auch im Bereich Schwein und Rind erarbeitet. Schließlich ist es für kein Unternehmen der Branche erstrebenswert, 400-Gramm-Packungen Fleischwurst zu produzieren, bei denen die Marge gerade so die Produktionskosten deckt.“ Stattdessen sieht Fischer den Trend zu stärkerer Kooperation zwischen landwirtschaftlichen Erzeugern, Schlachtern, Veredlern und Handel. Die Zusammenfassung der Ergebnisse zeigt folgende Erkenntnisse:
  • Verbrauchertrend Preis: 89 Prozent der Befragten sehen sich Forderungen nach preiswerten Produkten ausgesetzt, 78 Prozent nach regionalen Produkten. Nur noch 33 Prozent sehen sich dem Verbraucherwunsch nach Waren aus höherer Haltungsform ausgesetzt.
  • Teuerung der Produktion belastet die Industrie: 90 Prozent stehen durch hohe Energiekosten vor einer sehr großen Herausforderung. Hohe Rohstoffpreise, Logistik und Verpackungskosten sind ebenfalls für mehr als jeden zweiten Betrieb herausfordernd.
  • Handel hat Preise angepasst: 75 Prozent der Betriebe haben eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 13 Prozent. 62 Prozent erwarten jetzt keine Preisanpassungen des Handels mehr.
  • Multi-Topic-Krise: Inflation (85 Prozent), Konsumrückgang (74 Prozent), Personalmangel (66 Prozent) gelten als größte Herausforderung der Branche. Nur 37 Prozent sehen in der politischen Agrarwende die größte Herausforderung.
  • Gewinner und Verlierer: 32 Prozent der Betriebe – vor allem aus dem Mittelstand – sind mit der Auslastung zufrieden, speziell aus dem Segment Geflügel. 40 Prozent sind teils teils zufrieden, 29 Prozent unzufrieden. 18 Prozent planen Produktionsreduzierungen, 21 Prozent Steigerungen.
  • Hohe Zuversichtlichkeit: 44 Prozent erwarten Umsatzsteigerung in den nächsten sechs Monaten, 51 Prozent keine Rückgänge.

Eine Vielzahl von Krisen belastet die Stimmung in der deutschen Fleischwirtschaft. Durch die Folgen des russischen Angriffskrieges ist die Teuerung der Produktion zurzeit die größte Herausforderung für die Branche. 90 Prozent der Befragten werden durch hohe Energiekosten belastet. Hohe Rohstoffpreise, Logistikkosten und Verfügbarkeiten sowie Verpackungskosten sind ebenfalls für mehr als jeden zweiten Betrieb herausfordernd. Trotzdem konnten 75 Prozent der Betriebe im vergangenen Jahr eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 13 Prozent verzeichnen. Dies ist vor allem auf Preissteigerungen im Handel und steigende Rohstoffkosten zurückzuführen. Weitere Preisanpassungen des Handels in den nächsten Monaten werden von 62 Prozent nicht mehr erwartet.

Verbrauchertrend Preiswohl

In Folge der Preissteigerungen der Produkte im Handel und der weiter steigenden Inflation erwarten 83 Prozent einen Nachfragerückgang auf Fleisch, Fleischwaren und Wurst von mehr als fünf Prozent, auch aufgrund der erhöhten Lebenshaltungskosten. 89 Prozent der Industrie sieht sich mit der Forderung nach preiswerten Produkten konfrontiert.

Gelbwurst, Brühwurst, Leberwurst ersetzen in vielen Einkaufswägen Spezialitäten oder Waren aus höheren Haltungsformen. Nur noch 33 Prozent der produzierenden Industrie sieht den Verbraucherwunsch nach Waren aus höherer Haltungsform. Wichtiges Verkaufsmerkmal bleibt die Regionalität bei 78 Prozent der Befragten. Bemerkenswerte Schlussfolgerung: Nur vier Prozent der Befragten wollen zukünftig in Marketing investieren. Durch hohe Produktionskosten, weniger Nachfrage und Kostendruck igeln sich die Betriebe ein.

Größte Herausforderung für die Fleischindustrie ist nicht mehr die angekündigte politische Agrarwende. Lediglich 37 Prozent der Befragten sehen hierin das wichtigste Thema. Stattdessen sind Inflation (85 Prozent), Konsumrückgang (74 Prozent) und Personalmangel (66 Prozent) die größten Herausforderungen der Branche. Bei 75 Prozent der Betriebe fehlen aktuell Produktionsmitarbeiter.

Der Mittelstand gewinnt

Trotz der Krisensituation für die Wirtschaft sind 32 Prozent der Betriebe mit ihrer aktuellen Auslastung zufrieden. 40 Prozent antworten mit „teils teils“: Dies sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. 29 Prozent der Befragten sind aktuell unzufrieden. Dies zeigt sich auch beim Blick in die Zukunft. 21 Prozent planen aktuell sogar Produktionssteigerungen. Insgesamt zeigt sich daher eine hohe Zuversichtlichkeit: 44 Prozent der Branche erwartet Umsatzsteigerung in den nächsten sechs Monaten, 51 Prozent zumindest keine Rückgänge. Trotzdem sehen 81 Prozent der Befragten die Branche erst am Beginn der Transformation. Eine Folge könnte daher die zunehmende vertikale Integration sein. 38 Prozent der Befragten streben aktuell nach Allianzen in der Wertschöpfungskette. Elf Prozent suchen sogar nach Möglichkeiten Geschäftsmodelle zu bündeln.
Die Befragung
Das Branchenecho Fleischwirtschaft wird gemeinsam von Deutscher Fachverlag GmbH, Fleisch-Medien, und der Managementberatung Ebner Stolz durchgeführt. Befragt werden halbjährlich die 100 umsatzstärksten Unternehmen der Fleisch- und Wurstindustrie in Deutschland. Die Onlinebefragung wurde erneut durch die Business Target Group (BTG), einer hundertprozentigen Tochter der Deutscher Fachverlag GmbH, durchgeführt.

Quelle: Fleischwirtschaft 11/2022

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