Hochwasser-Katastrophe: Neues Leben nach der ...
Hochwasser-Katastrophe

Neues Leben nach der Flut

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Jungunternehmer: Christoph Ropertz.
Jungunternehmer: Christoph Ropertz.

BAD NEUENAHR-AHRWEILER Der afz-Besuch im Ahrtal. Metzgerei Ropertz hat sich fit gemacht für die nächste Generation. Eine Bildergalerie finden Sie am Ende des Beitrags.

Die unfassbare Zerstörung durch sturzflutartige Regenfälle im Juli 2021 an Ahr, Erft, Inde und weiteren Flüssen löste eine riesengroße Not aus. Von der Flutkatastrophe waren 17 fleischerhandwerkliche Unternehmen in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz betroffen. Ein Jahr später machen wir uns ein eigenes Bild und fahren in Begleitung von DFV-Vizepräsidentin Dagmar Groß-Mauer ins Ahrtal zu den Metzgermeistern Herbert Wieland und Christoph Ropertz. Diese Woche berichten wir aus Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Unfassbares Helftertum

Die Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft sowie die Unterstützung in der Familie der Fleischer war unglaublich groß. Das berichtet mir zunächst Fleischermeisterin Groß-Mauer, die sich in der Region als Obermeisterin ehrenamtlich engagiert. Ihr eigener Betrieb liegt nicht weit vom Katastrophengebiet entfernt. Nach Altenahr – bekannt durch seine pittoreske Flussschleife – sind es gerade einmal 25 Kilometer. In dem Ort tagten die Innungsmitglieder regelmäßig im Hotel Ruland, das inzwischen wieder geöffnet ist. Meister Wieland spricht von einem unfassbaren Helfertum – von Ostfriesland bis zum Bayerischen Wald. „Das war ein Segen“, so der 60-Jährige aus Mayschoß. Das Hochwasser knackte an seinen Gebäuden die Marke von vier Metern, zurück blieb ein Meter Schlamm nachdem sich das Wasser wieder zurückgezogen hatte.

Auf der Weiterfahrt nach Bad Neuenahr-Ahrweiler müssen wir auch zwölf Monate nach der Hochwasser-Katastrophe bei Dernau einen Umweg abseits der Uferstraße nehmen. In der Ortsgemeinde sind von 630 Häusern allein 580 nicht bewohnbar, erfahre ich. So erreichen wir über Grafschaft das einst beliebte staatlich anerkannte Heilbad. Meine Erinnerungen an den Kurpark von Bad Neuenahr aus Kindertagen passen nicht zu den Bildern von heute, die allein von nicht vorstellbarer Verwüstung zeugen.

Zurück auf Anfang

Im Stadtteil Ahrweiler zeigt sich dagegen wieder ein herausgeputzter Ortskern. In der Oberhutstraße 26 stoßen wir auf das kernsanierte Meisterhaus der Fleischerfamilie Ropertz. Auch hier kam das Wasser rasend schnell, erinnert sich Senior Heinz Ropertz. „Als die Füße nass wurden, holte ich in unserem Wohnhaus einige Meter weiter Sandsäcke.“ Da sei er kaum noch zurück zum Betrieb gekommen. Etwa 2,50 Meter hoch setzte die Flut die Altstadt an dieser Stelle unter Wasser. Sämtliche Räume im Erdgeschoss und im Keller waren stark beschädigt. Es folgte eine Woche „klar Schiff“ machen, ehe mit den Abrissarbeiten begonnen werden konnte, erklärt Junior Christoph Ropertz.

Bereits nach drei Tagen stand für den jungen Fleischermeister fest: „Ich baue wieder auf.“ Christoph übernahm die Bauleitung, versetzte die Gebäude mit Freunden, freiwilligen Helfern, Beschäftigten sowie Familie und Kollegen aus der Landwirtschaft zurück in den Rohbau und machte sich an die Planung für ein neues Fachgeschäft mit Produktion. Dabei nahm er sogleich das Veterinäramt mit ins Boot. Wenige Wochen nach der Jahrhundertflut besuchte Ropertz Junior die Süffa und bestellte alle Maschinen. Die Umsetzung realisierte er mit Britz Lebensmitteltechnik und Fleischereimaschinen (Trier) sowie mit Ladenbau Hanke (Barbing).

Der Junior absolvierte im Jahr 2004 seine Ausbildung im elterlichen Betrieb und kehrte später aus Frankfurt mit Meistertitel (2008) und als Betriebswirt des Handwerks (2009) von der Fachschule Heyne zurück. Zum 1. Januar 2021 realisierte Familie Ropertz den Wechsel in die dritte Generation. Was für ein Glück, wie sich sieben Monate später herausstellte. Mit der Unternehmensnachfolge schienen alle Versicherungen auf dem aktuellsten Stand, berichtet mir der 33-Jährige. Aber: „Man denkt, man ist gut versichert, und ist doch unterversichert.“ Zum 1. Juni 2022 eröffnete Christoph den kernsanierten Betrieb. Beim Umbau spielten auch erleichterte Arbeitsabläufe für die zehn Beschäftigten eine Rolle ebenso wie die optimierte Warenpräsentation für ein gesteigertes Einkaufserlebnis der Kundinnen und Kunden. In den Ort kehrt das Leben wieder ein. Nur die Touristen fehlen noch.
Tipps
  • In der Not Haus oder Wohnung schnell verlassen. Nichts mehr aus dem Keller holen.
  • Versicherungen aktualisieren. Die Policen sollten regelmäßig geprüft und gegebenenfalls angepasst werden:
  • Was deckt die Betriebsausfallversicherung tatsächlich ab?
  • Was beinhaltet die Elementarschaden-Versicherung (wenn diese überhaupt abschließbar ist)?
  • Versicherungen von Hausrat & Wohngebäude an Zeitwert anpassen.
  • Maschinen-Versicherungen prüfen, weil Wiederbeschaffungskosten höher ausfallen können, als angenommen.
  • Keine Scheu vor Gutachtern und Juristen. Beratung und Unterstützung einfordern.

Über den Besuch bei Metzgermeister Herbert Wieland in Mayschoß berichten wir hier: „Noch viel zu tun“.
 

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 33/2022

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