Klimaschutz: Die Zukunft nachhaltig planen
Klimaschutz

Die Zukunft nachhaltig planen

imago / Cord
Kundenservice: E-Ladestation an einem Lidl-Markt.
Kundenservice: E-Ladestation an einem Lidl-Markt.

KÖLN Studie untersucht Anstrengungen zu mehr Klimaneutralität im Handel.

Nachhaltiges Handeln führt zu Wirtschaftlichkeit und sichert die Existenz. Dementsprechend wollen immer mehr Handelsunternehmen „klimaneutral“ werden, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Doch die Ansätze dazu sind so vielfältig, dass sie bisweilen zu Verunsicherung führen und die Umsetzung konkreter Maßnahmen verzögern können.

Die aktuelle Studie „Klimaneutralität im Handel und für weitere Unternehmen“, die das EHI Retail Institute und der Technologiekonzern Microsoft gemeinsam durchgeführt haben, will das ändern. Das kostenlose Whitepaper zeigt den Status quo der Klimainitiativen und gibt Handlungsempfehlungen zu Digitalisierung, Energie, Lieferketten, Produktion, Gebäude und Kreislaufwirtschaft.

Demzufolge ist die Nutzung fossil erzeugter Heizwärme bereits stark rückläufig, vor allem, weil im Handel der Ausbau der Wärmepumpentechnik voranschreitet. So nutzen bereits 75 Prozent der befragten Händler standardmäßig die klimaschonende Wärmepumpentechnik in Neubauten.

Photovoltaik und Grünstrom

Auch bei Strombezug und -erzeugung stellen Händler zunehmend auf regenerative Quellen um. Neben der geplanten Vervielfachung der Photovoltaik-Leistung im Handel stellt die Branche auch im Strombezug immer konsequenter auf Grünstrom um.

Gleichwohl kommen nicht alle Handelsformate gleichermaßen für die Photovoltaiknutzung in Frage, sind doch für die Nutzung von Solarenergie vor allem freistehende Märkte prädestiniert. Doch das trifft laut EHI-Studie auf etwa 55 Prozent der Märkte von Food-Filialisten zu. Und so nimmt die installierte Photovoltaik-Leistung auf den Dächern deutscher Handelsketten derzeit stark zu. In den kommenden fünf Jahren ist demzufolge teilweise eine Vervielfachung der bisherigen Leistungswerte geplant. Neun Prozent planen in den kommenden fünf Jahren zwar keinen weiteren Ausbau. Aber ein Drittel (32 Prozent) möchte ihre Leistung um bis zu 100 Prozent erhöhen. 41 Prozent möchten diese im Lauf der kommenden fünf Jahre verdoppeln bis vervierfachen. 18 Prozent planen sogar, in diesem Zeitraum das Drei- bis Zehnfache des bisherigen Bestandes zuzubauen.

Stromfresser im Handel

Beim Stromverbrauch, dem mit Abstand größten Anteil am Energieverbrauch in Handelsunternehmen, herrsche zunehmende Transparenz. So könnten Handelsunternehmen nicht nur den Stromverbrauch der unterschiedlichen Verbrauchsträger benennen, sondern über Energiemonitoringsysteme mit Ampelfunktion auffällige Verbrauchsmuster identifizieren und im Fall eines Falles unmittelbar entsprechende Maßnahmen einleiten. Im Lebensmitteleinzelhandel ist demnach noch immer die Kältetechnik mit 48 Prozent „Stromfresser“ Nummer eins, gefolgt von Beleuchtung (21 Prozent), „Sonstigem“ (19 Prozent) und Klimatisierung mit zwölf Prozent.

Hoffnungsträger Ladesäule

Der Strom, den der Handel an den Ladesäulen für Elektro-Fahrzeuge zur Verfügung stellt, ist bereits zu 71 Prozent grün. Der Ausbau von Ladesäuleninfrastruktur durch den Handel ist im Übrigen vom Gesetzgeber im GEIG (Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz) festgeschrieben. Dennoch liegt die Motivation, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, nicht nur in der Verpflichtung begründet. Vielmehr nennen 78 Prozent der Befragten als Hauptmotivation für die Errichtung von Ladeinfrastruktur die Kundenbindung. Sie möchten den Konsumenten entsprechende zusätzliche Serviceleistungen anbieten.

An zweiter Stelle folgt mit 49 Prozent die Gesetzgebung, und an dritter Stelle werden von 42 Prozent der Befragten die Klimaziele als Treiber für den Ladeinfrastrukturaufbau genannt. Weitere 28 Prozent der Befragten sehen im Ausbau von Ladeinfrastruktur und damit dem Angebot von Ladestrom durchaus auch schon ein Geschäftsmodell.

Dass die Themen Einkauf und Mobilität eng miteinander verbunden sind, zeigt eine frühere Verbraucherbefragung der EHI-Initiative Mobilität im Handel. Demzufolge steuern drei Viertel (76 Prozent) der Konsumenten mindestens wöchentlich Supermärkte oder Discounter mit dem Kraftfahrzeug an. „Eine Lademöglichkeit an der Einkaufsstätten ist für die Kundschaft von heute und morgen Anker für elektrisches Laden“, heißt es.

Digital vernetzte Lösungen

Handelsgebäude erforderten jedoch auch einen immer höheren Steuerungs- und Regelungsaufwand für einen klimaschonenden Energiehaushalt. So erfordere auch das Management von Heiz- und Kühlsystemen eine digitale Steuerung. Immerhin entfalle 29 Prozent des Einsparpotenzials beim Management der Wärmeenergie auf intelligente Steuerung und Regelung, die Amortisationszeit dieser relativ kostengünstigen Maßnahmen liegt demnach bei einem bis drei Jahren.

Auch die Wertschöpfungs- und Lieferkette („Supply Chain“) kann ein Händler durch die Einführung von künstlicher Intelligenz (KI) wirtschaftlich effizienter gestalten. 80 Prozent der für die Studie Befragten denken, dass KI großen Einfluss auf die erhöhte Warenverfügbarkeit hat, 52 Prozent schätzen die höhere Lieferzuverlässigkeit.

Nachhaltige Produktion

Was die Nachhaltigkeit in der Produktion angeht, gebe es zwar branchenübergreifende einheitliche Systematiken wie etwa die Kennzeichnung der Haltungsformen in der Nutztierhaltung. Doch der Großteil der Aktivitäten sei noch sehr unterschiedlich und nicht standardisiert, bemängelt die Studie: „Entwicklungsbedarf besteht also vor allem hinsichtlich der Transparenz oder hinsichtlich vergleichbarer und nachvollziehbarer Nachhaltigkeitsstandards.“

Weitere Beiträge zum Klimaschutz finden Sie hier.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 25/2022

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