Konsumgewohnheiten: Viel Fleisch, viel Folklo...
Konsumgewohnheiten

Viel Fleisch, viel Folklore

Montafon Tourismus / Andreas Haller
Immer im September: Alpabtrieb im Montafon.
Immer im September: Alpabtrieb im Montafon.

WIEN Drei von vier Österreichern essen mehrmals in der Woche Fleisch und Wurst. Am liebsten aus der Heimat.

Die Heimkehr der Kühe unterscheidet sich in Vorarlberg in zweierlei Hinsicht von anderen Regionen Österreichs: Zum einen sagt man in Vorarlberg „Alpabtrieb“ und nicht „Almabtrieb“, was dem alemannischen Dialekt zuzuschreiben ist.


Zum anderen ist in dem westlichen Bundesland traditionellerweise deutlich mehr Braunvieh zu sehen als anderswo, weiß das offizielle Tourismus-Portal Austria.info. „Ob im Montafon, Kleinwalsertal, Großen Walsertal oder im Bregenzerwald: Überall kehren die Älpler mit ihren bunt geschmückten Kühen zwischen Anfang und Mitte September ins Tal zurück.“ Und dann wird traditionell kräftig gefeiert.

Zur Tradition gehören in Österreich auch unbedingt deftige Gerichte, denn unsere Nachbarn essen ebenfalls gerne und viel Fleisch und Wurst – drei Viertel der Konsumenten mehrmals die Woche, 16 Prozent sogar täglich, wie eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmen Marktagent herausgefunden hat.

Wichtig sind Frische, Qualität und österreichische Herkunft

Beim Fleischkauf sind den Konsumenten demzufolge Frische (94 Prozent), Qualität (92 Prozent) und österreichische Herkunft (86 Prozent) wichtig. Dann folgt schon die tierwohlgerechte Haltung sowie Aussehen und Farbe der Produkte mit jeweils 85 Prozent, dass das Fleisch aus der jeweiligen Region stammt (76 Prozent) und dass die Tiere kurze Transportwege zum Schlachthof haben (75 Prozent).

Mit einem durchschnittlichen Fleischkonsum von rund 59 kg pro Person im Jahr 2021 liegt Österreich im europäischen und weltweiten Spitzenfeld. Doch auch in Österreich sinkt der Fleischverzehr, wie das Dossier „Konsum von Fleisch in Österreich“ des Portals Statista zeigt. Wurden 2007 laut Agrarmarkt Austria (AMA) noch fast 67 kg pro Kopf und Jahr verspeist, waren es 2020 nur noch knapp 61 kg. Besonders deutlich ist der Rückgang bei Schweinefleisch, das im Jahr 2021 mit durchschnittlich knapp 48,5 kg pro Kopf noch immer am häufigsten verzehrt wurde. Geflügel landet mit 21,5 kg auf Platz zwei, gefolgt von Rind mit 15,5 kg.

Zu den Wurst-Bestsellern im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel nach der verkauften Menge gehörten im Jahr 2021 Schinken mit rund 11.900 t, die österreichische Brühwurstsorte Extrawurst mit knapp 10.000 t und Frankfurter mit rund 8600 t. Es folgen Knackwurst mit 6237 t, Leberkäse mit 6042 t und Wurstaufschnitt mit 5.315 t. Aber auch Toastschinken (5.064 t), Speck (4.947 t), Salami (4.650 t), Bratwurst (3.591 t), Selchfleisch (3.522 t) und Krainer (3.031 t) finden in der Alpenrepublik ihre Liebhaber.

Beliebte Brätwurst

Die beliebtesten Wurstsorte der Österreicher ist „Brätwurst“, mit der das Österreichische Lebensmittelbuch die Sorten Frankfurter, Wiener Würstel, Sacher-, Tee-, Cocktailwürstel definiert. 2021 kommen Brätwürste auf einen mengenmäßigen Marktanteil von 23 Prozent beim Absatz von Wurstwaren im Lebensmitteleinzelhandel.

Auch wenn die Konsumenten Wert auf Tierwohl und regionale Herkunft legen, ist der Bio-Anteil bei Wurst erstaunlich gering. Während nach Angaben der AMA die Sortimente Milch (26 Prozent) und Joghurt (21 Prozent) im Handel den höchsten Bio-Anteil verbuchen und auch Kartoffeln und Frischgemüse (jeweils 16 Prozent) sowie Eier (15 Prozent) weit über dem Durchschnitt liegen, stammten 2021 lediglich 2,6 Prozent der verkauften Wurst- und Schinkenmenge aus biologischer Tierhaltung. Bei Fleisch und Geflügel lag der Anteil mit 3,5 Prozent auch nicht viel höher.

In Österreich schrumpft seit Jahren die Zahl der Betriebe, die in der Schlachtung und Fleischverarbeitung tätig sind. Während die Bundesanstalt Statistik Austria in diesem Segment im Jahr 2011 noch 986 Unternehmen zählt, sind es 2020 nur noch 846. Die Zahl der Beschäftigten ist demzufolge mit 18.235 vergleichsweise stabil geblieben (2019: 18.230). Der Umsatz der fleischverarbeitenden Branche lag mit sechs Mrd. Euro deutlich über dem Jahr 2019 (5,42 Mrd. Euro), auch wenn die Schlachtgewicht-Menge mit 971448 t niedriger war (2019: 972.936 t).

Selbstversorgung 112 Prozent

Der Fleisch-Selbstversorgungsgrad lag 2020 laut Statistik Austria in Österreich insgesamt bei 112 Prozent, Überschüsse produzieren die Unternehmen bei Innereien (643 Prozent), Rind und Kalb (145 Prozent) wie auch Schwein (106 Prozent). Bei „sonstigem Fleisch“ (84 Prozent), Schaf und Ziege (77 Prozent), Hühner (88 Prozent), Truthühner (44 Prozent), Pferd (43 Prozent), Gänse (28 Prozent) und Enten (19 Prozent) reicht die heimische Produktion hingegen nicht aus, um die inländische Nachfrage zu decken.

Während laut AMA 2021 in Oberösterreich mit knapp 183000 die meisten Rinder geschlachtet wurden, ist die Steiermark die „Schweinehochburg“ mit gut 1,886 Mio. geschlachteten Tieren. Schlusslicht der neun österreichischen Bundesländer ist bei beiden Tierarten Wien.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 36/2022

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