Recherchen von Spiegel und NDR: Separatorenfl...
Recherchen von Spiegel und NDR

Separatorenfleisch in der Wurst?

IMAGO / Westend61
Mit bloßem Auge nicht zu erkennen: Steckt hier Separatorenfleisch in der Geflügelwurst?
Mit bloßem Auge nicht zu erkennen: Steckt hier Separatorenfleisch in der Geflügelwurst?

FRANKFURT Wieder einmal sieht sich die Fleischwirtschaft mit medialen Anschuldigungen konfrontiert. Der Vorwurf: Fleischwarenproduzenten mischten in ihrer Geflügelwurst minderwertiges Separatorenfleisch unter ohne es zu kennzeichnen und täuschten damit die Verbraucher.

Die Anwürfe – die die Publikumsmedien in breiter Front bereitwillig aufgegriffen haben – fußen auf einer gemeinsamen Recherche von „Spiegel“ und Norddeutschem Rundfunk (NDR).

Neue Nachweismethode

Die Journalisten legen dar, wie es mittels einer neuen Untersuchungsmethode nun möglich sei, Knorpel aus Bandscheiben im Produkt nachzuweisen. Das Auffinden des Kollagens Typ II alpha 1 weist den Wissenschaftlern aus Bremerhaven zufolge auf den Einsatz von Hühner-Separatorenfleisch hin. Von den 30 untersuchten Aufschnittproben erweisen sich laut Spiegel und NDR neun als positiv, darunter bekannte Markennamen wie Gutfried, Edeka Bio oder Rewe Beste Wahl. In den Zutatenlisten sei kein Hinweis auf Separatorenfleisch gegeben worden.

Dr. Dieter Stanislawski vom Labor SL Stanlab in Hannover bewertet die neue Untersuchungsmethode etwas vorsichtiger: Sicherlich handle es sich um „eine hilfreiche Arbeit“, stellt der Sachverständige fest. Dass im Rahmen der normalen Zerlegung wenig Knorpel- bzw. Knochengewebe in das Produkt eingetragen wird, will der Tierarzt nicht unterschreiben. Schließlich würden Hühner sehr jung geschlachtet, so dass das Skelett noch nicht vollständig verknöchert sei, sondern weite Teile noch aus Knorpel bestünden. Damit sei es vielmehr wahrscheinlich, dass bei der heute stark mechanisierten Zerlegetechnik Knorpelbestandteile in ein Geflügelverarbeitungsfleisch mit eingebracht werden. Bei einem optimalen Gewinnungsprozess von Verarbeitungsfleisch ist es Dr. Stanislawski zufolge „zwingend erforderlich durch weitergehende Maßnahmen innerhalb des Betriebs die Knorpel- bzw. Knochenbestandteile wieder aus diesem Verarbeitungsprozess herauszubekommen (Fremdkörpergefahr).“ Das sei gängige Praxis und habe mit Separatorenfleisch nichts zu tun, stellt der Sachverständige für Bakteriologie und Lebensmittelhygiene klar.

Nicht sachgerecht

Vor diesem Hintergrund liefere die neue Untersuchungsmethode eher „einen eingeschränkten Hinweis“, dass Separatorenfleisch eingesetzt wurde. Damit sei es wahrscheinlich, dass die Proben nicht sachgerecht bewertet und die Hersteller zu Unrecht beschuldigt würden.

Genau so sehen es jedenfalls Wiltmann und die Zur-Mühlen-Gruppe (ZMG). Produkte beider Hersteller waren von den Bremerhavener Wissenschaftlern untersucht worden. In einer gemeinsamen Stellungnahme widersprechen sie den Vorwürfen, in ihren Geflügelwurst-Produkten Separatorenfleisch eingesetzt zu haben. Zudem ziehen sie die genutzte Nachweismethode in Zweifel. "Wir verwahren uns gegen solche haltlosen Vorwürfe und behalten uns weitere Schritte vor", heißt es in dem gemeinsamen Papier.

Quelle: fleischwirtschaft.de; SL Stanlab; Wiltmann; Zur Mühlen

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