Smart Proteins Summit: Flexitarier sind treib...
Thomas Fedra
Zusätzliche Stühle wurden gebraucht: Volles Haus beim ersten „Smart Proteins Summit“.
Zusätzliche Stühle wurden gebraucht: Volles Haus beim ersten „Smart Proteins Summit“.

FRANKFURT Beim „Smart Proteins Summit“ konstituierte sich die junge Branche der Hersteller alternativer Proteinprodukte.

von Olaf Deininger, az

Der erste „Smart Proteins Summit“ der dfv Mediengruppe und des Verbands für alternative Proteinquellen Balpro Mitte November in Frankfurt am Main entwickelte sich zum Branchentreffen der alternativen Proteinszene in Deutschland.

Über 160 Teilnehmer sorgten für ein ausverkauftes Event im Scandic Frankfurt Museumsufer. 18 Referenten analysierten und diskutierten am 10. November die aktuellen Marktentwicklungen, Marktchancen und Marktaussichten. Die Branche stehe erst noch am Anfang, verfüge aber trotz leicht rückläufiger Wachstumsraten – welche gerade viele Bereiche der Lebensmittelindustrie betreffen – immer noch über enormes Potenzial und große Marktchancen. Darüber waren sich alle Experten weitgehend einig. Treiber dieser Entwicklung ist ein Dreieck aus den Faktoren Geschmack, Preis und Nachhaltigkeit. Wegen hoher Nachhaltigkeit sind die Verbraucher kaum bereit, Abstriche am Geschmack zu machen.

Das gelte natürlich auch umgekehrt. Ähnlich verhalte es sich mit dem Preis: So seien der Preiselastizität auch bei guten Geschmackseindrücken und hohen Werten bei der Nachhaltigkeit durchaus Grenzen gesetzt. Im Gegensatz zu den Märkten der Vergangenheit, die eher durch Trennschärfe der Essgewohnheiten geprägt waren, seien nun die Flexitarier die treibende Kraft im Markt.
„Deutschland darf bei wichtigen Food-Technologien den Anschluss nicht verlieren.“
Bei Burger King entfielen bereits zehn Prozent des Absatzes auf das Segment der alternativen Produkte, berichtete Klaus Schmäing, Director Marketing der US-Fastfoodkette in Deutschland. Ein limitierender Faktor beim Marktwachstum bildeten teilweise noch das Wording und die Produktbezeichnungen. Schließlich sind Begriffe wie „Fleischersatzprodukt“ alles andere als verkaufsfördernd. Hier stehe die junge Branche noch vor Herausforderungen im Marketing, erklärten Ivo Rzegotta vom The Good Food Institute Europe und Mathilde Alexandre von ProVeg Deutschland.

Beim Aspekt Nachhaltigkeit spiele die Transparenz in der Produktion und bei den Rohstoffen eine zentrale Rolle sowie der CO2-Fußabdruck. Viele Hersteller von pflanzlichem Protein seien aus diesem Grund von asiatischen auf europäische Erzeuger umgestiegen oder sähen sich gerade nach Erzeugern und Lieferanten in Europa um. Von Anfang an sollte man in der kompletten Wertschöpfungskette denken und die Landwirtschaft einbinden. Prof. Hannelore Daniel, Mit-Initiatorin des Innovationsraums NewFoodSystems, betonte, dass viele Anbieter von pflanzlichen Protein-Produkten die Nachhaltigkeit ihrer Lieferwege und vor allem ihrer Prozesse nicht aus den Augen verlieren sollten.
Große Hoffnung setzt die Branche in die Politik. Denn noch mache die Novel-Food-Verordnung vieles eher langwierig und komplizierter. Hier erhofft man sich durch nun anstehende Gespräche mit den Berliner Ministerien günstigere Rahmenbedingungen für neue Produkte, neue Verfahren und neue Möglichkeiten im Marketing. Hier müsse man auch den Standort im Blick halten: Zwar habe Deutschland alle Voraussetzungen und ebenfalls die Chancen, auch in diesem Bereich ein Hochtechnologie-Standort zu werden. Trotzdem müsse man hierzulande aufpassen, bei wichtigen Food-Technologien nicht den Anschluss an andere Länder zu verpassen.

Im nächsten Jahr findet der Smart Proteins Summit am 16. November 2023 statt.

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Quelle: agrarzeitung 46/2022, afz - allgemeine fleischer zeitung 47/2022 / dfv Mediengruppe

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