Tierhaltung: Vollkosten in der Schweinemast n...
Wolfgang Ehrecke / LWK Niedersachsen
Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erwartet höhere Produktionskosten. Sie könnten im laufenden Wirtschaftsjahr aufgrund der höheren Energiepreise zwischen acht Euro und zehn Euro je Ferkel steigen.
Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erwartet höhere Produktionskosten. Sie könnten im laufenden Wirtschaftsjahr aufgrund der höheren Energiepreise zwischen acht Euro und zehn Euro je Ferkel steigen.

OLDENBURG Obwohl der Schlachtschweinepreis auf ein im langfristigen Vergleich sehr hohes Niveau gestiegen ist, reicht er für eine rentable Schweineproduktion nicht aus.

„Gegenüber dem Jahrespreistief haben sich sowohl der Schweine- als auch der Ferkelpreis deutlich erhöht, doch die Schweinehalter und Ferkelerzeuger erleben aktuell eine Kostenentwicklung bei den Futtermitteln und vor allem beim Flüssiggas und Energie, die ihresgleichen suchen“, berichtete jüngst der Fachbereichsleiter Markt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Dr. Albert Hortmann-Scholten, beim Veredlungsausschuss im Landvolk Niedersachsen. Die exorbitante Gaspreiserhöhung, setze vor allem den Sauenhaltern zu, so der Experte.


Die Produktionskosten könnten im laufenden Wirtschaftsjahr aufgrund der höheren Energiepreise zwischen acht Euro und zehn Euro je Ferkel steigen. Schweine- und Geflügelmäster sowie Legehennenhalter wären ebenfalls massiv betroffen, denn ohne Heizung und Lüftung sei die Tiergesundheit gefährdet. Auch die Futtermittelpreisentwicklung macht laut Hortmann-Scholten auf den Höfen das Gros der Kosten aus. „Wer Futtermittel zukauft spürt, wie eng die wirtschaftliche Situation selbst bei einem besseren Schweinepreis von 2,05 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht ist“, betonte der Experte. Die schwierige Situation der Schweinehalter mache sich bereits mit einem spürbaren Angebotsrückgang bemerkbar. Die Zahl der geschlachteten Schweine dürfte 2022 gegenüber dem Vorjahr um mindestens sieben Prozent auf weniger als 48 Millionen Stück sinken, prognostizierte der Kammerexperte. Vor zehn Jahren kamen noch fast 60 Millionen Schweine an die Haken.

Der Rückgang liegt laut Hortmann-Scholten aber auch am rückläufigen Fleischverzehr in der Europäischen Union. Der durchschnittliche Konsum in der Gemeinschaft ist allein von 2019 bis 2021 um zwei kg auf 67 Kilogramm pro Kopf gesunken. Die Deutschen verzehren dabei nur noch 55 kg pro Kopf und damit zwölf kg weniger als der EU-Durchschnittsbürger; sie liegen im Verbrauchsranking weit hinten. „Interessant dabei ist vor allem der Aspekt, dass elf kg Schweinefleisch pro Kopf nach Deutschland importiert werden“, berichtete Hortmann-Scholten. Damit würden zum einen die hiesigen Qualitätsstandards unterlaufen, zum anderen zeige dies, dass Deutschland bei den Edelteilen nur einen Selbstversorgungsgrad von 60 Prozent besitze. Deshalb sei für die deutschen Schweinehalter die Herkunfts- und Haltungskennzeichnung so wichtig.

Erleben Sie Dr. Albert Hortmann-Scholten live auf dem „Forum der Fleischwirtschaft“ am 14. September zum Thema: „Nachhaltige Tierhaltung: Bestände für 5 x D und den Export aufbauen.“ Mehr Informationen zur Veranstaltung von afz - allgemeine fleischer zeitung und „Fleischwirtschaft“ am DIL in Quakenbrück finden Sie hier.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE

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