Kommentar von
Jörg Schiffeler

Contra Mit Steuern lenken?

Dienstag, 13. August 2019
Die Forderung nach einer Steuer auf Fleisch ist nicht neu. Die Bewegung „Fridays for Future“, Politik und Weltklimarat blicken auf die Tierhaltung und mahnen eine Reduzierung des Fleischverzehrs an. Veränderung durch Überzeugung. Der Standpunkt von Jörg Schiffeler.

Höhere Steuern braucht in diesem Land niemand. Die Bürger leiden bereits unter enormen Abgabendruck. Und selbst Wirtschaftsforscher raten eher zu einer Entlastung, damit der Konjunkturmotor nicht ins Stottern gerät. Außerdem ist es wenig zielführend, einzelne Lebensmittel mit einer Art Strafzoll und Ächtung zu belegen. Das zeigt das Beispiel Tabaksteuer und Werbeverbote: Geraucht wird dennoch. Die Politik ist gut beraten, an einer gesellschaftlich akzeptierten Land- und Ernährungswirtschaft zu arbeiten und nicht über neue Verbrauchssteuern nachzudenken. Eine nachhaltige Herstellung der Mittel zum Leben steht im Einklang mit Klima- und Umweltschutz. Und das erreichen wir nicht mit einem „weiter so wie bisher“.
SB-Theke
(Bild: New Africa / Adobe Stock)

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Fleischkonsum Hitzige Debatte um Steuer

Wir brauchen einen Konsens zwischen den Mitgliedern der fleischwirtschaftlichen Kette einerseits – also von der Erzeugung über die Gewinnung, Vermarktung und Verarbeitung von Lebensmitteln – sowie andererseits einen Schulterschluss mit Gesellschaft und Politikern. Die Wirtschaft kümmert sich um Tierwohl-Themen, die Regierenden tun sich schwer mit einer Strategie zur Nutztierhaltung, und die Verbraucher kaufen am liebsten preisbewusst ein. Deshalb vergeht keine Woche ohne Aktionsangebote im Handel, die nicht nur die Inhaber von Fleischer-Fachgeschäften staunen lassen. Metzger dagegen wollen nicht mehr Fleisch, sondern eine höhere Qualität verkaufen. Und doch sollte das wertvolle Lebensmittel nicht zu einer Delikatesse werden, die sich nur gut betuchte Menschen leisten können.

Nicht neue oder höhere Steuern beeinflussen die Konsumgewohnheiten, sondern eine nachhaltige Überzeugungsarbeit. In den Köpfen muss sich etwas verändern. Die Bewegung „Fridays for Future“ hat einen Prozess in Gang gesetzt, der auch nach der Urlaubszeit bleibt. Das „Meatbashing“ wird das „Sommerloch“ überstehen, weil uns die Debatte über schädliche Treibhausgase weiter begleiten wird. Der Kritik am Fleischverzehr begegnen wir nicht nur durch die Einführung neuer Steuern, sondern mit dem Umbau der Nutztierhaltung. Darüber wird schon viel zu lange ergebnislos diskutiert. Es bedarf viel mehr Mut zur Veränderung, und die beginnt mit dem eigenen Handeln. Dabei ist es wenig hilfreich, den Appetit auf Fleisch zu verderben, denn es leistet einen wichtigen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung.

Lesen Sie auch die Gegenposition „Weniger Fleisch, aber Gutes“ von Fritz Gempel.
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