Kommentar von
Jörg Schiffeler

Deutscher Fleischer-Verbandstag Starkes Votum mit hohen Ansprüchen

Dienstag, 11. Oktober 2016
Die Würfel sind gefallen. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt. Die Fleischer brechen auf mit hohen Ansprüchen, bei denen es allein um die Sache und nicht um Profilierung geht.

Am Montag dieser Woche überzeugten Deutschlands Fleischer mit einer großen Entscheidungsfreude. Damit vollbrachten sie ein ganz besonderes Meisterwerk: Durch geheime Wahl ihrer obersten Interessenvertretung vereinen sie im neuen Präsidium zwei Kompetenzen: Erfahrung und Aufbruch.

Den Delegierten des Deutschen Fleischer-Verbands ist in Saarbrücken ein Kunststück gelungen. Denn gerade wenn Abläufe und Geschäfte eingespielt sind und funktionieren, ist es eine besondere Herausforderung, bewährte Teams zu verändern und den Generationswechsel einzuleiten.

Aber das ist die beste Voraussetzung, um weitere junge Mitgestalter für das Handwerk und seine Organisationen zu begeistern und für ein Ehrenamt zu gewinnen. Das Engagement kann bei allem, was gemeistert werden muss, nur von Vorteil sein, um die Anliegen der Fleischer gegenüber Gesellschaft und Politik deutlich zu formulieren und zu vertreten.

„Das Wahlergebnis steht eindrucksvoll für ein aktives Handwerk mit dem klaren Auftrag, die Gespräche über Herausforderungen zu vertiefen und Lösungen zu finden. “
Jörg Schiffeler, afz-Chefredakteur
Das Wahlergebnis steht eindrucksvoll für ein aktives Handwerk mit einem klaren Auftrag an seine Ehrenamtsträger, die Gespräche über Herausforderungen zu vertiefen und Lösungen zu erarbeiten. Das Votum darf auch dahingehend verstanden werden, dass die Mitglieder eine deutlichere Positionierung ihrer Interessen gegenüber Politikern und Verbraucherschützern wünschen. Hierfür öffnete Heinz-Werner Süss in den vergangenen fünf Jahren viele Türen, wovon nun sein Nachfolger profitiert.

Altpräsident Süss verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Erst dadurch ermöglichte er den Generationswechsel an der Spitze des Bundesverbands. In den nachfolgenden Wahlen zum Präsidium folgten die Delegierten dieser richtungsweisenden Entscheidung und machten den Coup durch weitere Neuzugänge perfekt. Sie stellten ihrem frisch ernannten Präsidenten Herbert Dohrmann ein gut gemischtes Gremium aus erfahrenen sowie jungen Experten an die Seite. Der Bremer Fleischermeister tritt an – bei aller Kontinuität, wie er versicherte –, mit mehr Entscheidungsfreude und auf Augenhöhe mit den Kollegen zu handeln.
DFV-Tag Saarbrücken - Altmaier-Süss
(Bild: jus)

Mehr zum Thema

Deutscher Fleischer-Verbandstag Weichen sind neu justiert

Was bedeutet das Wahlergebnis? Deutschlands Fleischermeister, die als Delegierte ihrer Landesinnungsverbände die Interessen ihres Berufsstands vertreten, sind progressiver als es viele in den eigenen Reihen vermuten würden. Der diesjährige Verbandstag, der inzwischen 126. seiner Geschichte, steht eindrucksvoll für den Willen zu Veränderungen.

Für das neue Präsidium wird es neben den auf der Hand liegenden Herausforderungen – Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Organisationsreform – eine große Aufgabe sein, mit den aktiven, zukunftsorientierten Betrieben Konzepte zu erarbeiten, ohne die anderen Meisterbetriebe zu verlieren. Denn das Saarbrücker Votum steht auch dafür, Tabu-Themen zu diskutieren, ehrlich zu beraten und gemeinsam Lösungen zu finden, ohne diese zu vertagen.

Mit Konrad Ammon ist ein zweiter Experte für Lebensmittelrecht und -hygiene sowie Qualitätssicherung neu ins Präsidium eingezogen. Eine kluge Wahl, weil diese Themen den Meistern extrem unter den Nägeln brennen. Denn den Behörden in Bonn, Berlin und Brüssel sowie in den Bundesländern fallen immer wieder neue Schikanen ein.

Der Deutsche Fleischer-Verband wird mit dem Einzug von Nora Seitz ins oberste Gremium nicht nur jünger, sondern auch weiblicher. Die Meisterin überzeugt durch ihre Fachkompetenz bei der Ausbildung junger Menschen.

Schlussendlich steht Saarbrücken 2016 dafür, mehr Mut zu wagen. Und den trauen die Delegierten den Gewählten zu.

Das könnte Sie auch interessieren
stats