Kommentar von
Jörg Schiffeler

Fleischerhandwerk Interessen müssen gezielt Gehör finden

Dienstag, 16. Oktober 2018
Der Ausgang der Bayernwahl zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger der politischen Elite immer mehr Misstrauen entgegenbringen.
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DFV Herbert Dohrmann


Eine von vielen Erklärungen ist die Entfernung der Politik von den Menschen. Der Verdruss gegenüber Regierenden und Parlamentariern liegt weniger daran, dass immer öfter Gesetzesinitiativen von mangelnder Praxistauglichkeit sind und ihr Sinn in Frage steht. Viel verheerender wirkt sich der Umgang der Volksvertreter untereinander auf die Wähler aus. Die seit Sonntagabend angestellten Selbstanalysen von Parteien und Mandatsträgern sind kaum von Einsicht geprägt. Selbstkritik üben die wenigsten. Stattdessen werden vertraute Statements aufgefrischt und in Mikrofone gepetzt. Das muss sich dringend ändern, bevor die Politikverdrossenheit zur völligen Willkür an der Wahlurne führt und Alternativen am rechten Rand weiter gesellschaftsfähig werden.

Deutschlands oberster Fleischermeister, der bremische Hanseat Herbert Dohrmann, fragte zur Eröffnung des 128. Deutschen Fleischer-Verbandstags: „Nach welchen Kriterien werden politische Entscheidungen getroffen?“ Und ergänzte: „Steht die eigene Profilierung im Vordergrund?“ Messerscharf analysierte der Präsident des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) die Situation hierzulande. Mit Schneidgeräten sind Metzger berufsbedingt bestens vertraut. Sie wissen, dass nur der Gebrauch scharfer Klingen zum Ziel führt und nicht allein das Wetzen der selben. Gemeint sind hier starke Argumente, die auf höchste Sachkenntnis bauen und weniger das Herauspoltern von Stammtischparolen.

Der DFV ist als politische Vertretung des Fleischerhandwerks in den vergangenen beiden Jahren mehr als nur einen großen Schritt vorangekommen. Unter der Führung von Präsident Dohrmann sind Allianzen mit der Landwirtschaft zunächst eingefordert, dann vertieft und in persönlichen Kontakten auf Augenhöhe intensiviert worden. Das zahlt sich beispielsweise beim Dauerbrenner betäubungslose Ferkelkastration, bei der Tierschutz-Schlachtverordnung oder dem neu formulierten Leitsatz für Fleisch-Ersatzprodukte aus. Im ganzen Land sind ebenfalls zahlreiche Obermeister aktiv, um vor Ort Politiker und Mandatsträger im Gemeinderat, im Kreistag sowie Abgeordnete von Landtagen und Bundestag darauf anzusprechen, wo der Schuh drückt.

„In Brüssel und Berlin stellt der DFV sicher, dass seine Interessen gewahrt werden. Am Ende langer Prozesse profitieren schließlich alle handwerklichen Fleischer von Richtlinien, die mit Expertenwissen und endloser Fleißarbeit abgemildert oder ganz vom Tisch gefegt werden konnten.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
In Brüssel sichert die Stabsstelle des DFV, dass auf Vorschläge von EU-Staaten oder der Kommission unmittelbar reagiert wird. Am Ende vieler, teilweise äußerst langer Prozesse profitieren schließlich alle fleischerhandwerklichen Betriebe in Deutschland von Richtlinien, die mit Expertenwissen und endloser Fleißarbeit entweder abgemildert oder – im Idealfall – ganz vom Tisch gefegt werden konnten. Der DFV mischt sich ein und hält den Kopf für ein ganzes Handwerk hin. Die Aussage des Präsidenten, dass jedes Unternehmen, das nicht zur Organisation gehört, die Position der Metzger schwächt, ist richtig. In den demokratischen Spielregeln ist fest verankert, dass Verbände zur Meinungsbildung angehört sowie in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden müssen.

Dieses Privileg haben sogenannte „Freie Metzger“ nicht. Hierzulande gibt es in der Tat neben Innungen und Verbänden einige weitere Zusammenschlüsse von Interessengruppen. Das ist auch gut so. Sie stehen jedoch nicht in Ministerien, Parlamenten oder in Brüssel auf der Matte.
DFV-Tag 2018 - Dohrmann Fuchtel Fuchs
(Bild: si)

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