Kommentar von
Gerd Abeln

Fleischhandel Embargos schützen nicht

Freitag, 16. November 2018
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist global weiter auf dem Vormarsch.

Nach den jüngsten ASP-Fällen in China und der stetigen Ausbreitung vom Ursprung in Afrika über den Nahen Osten nach Osteuropa machte der Erreger zuletzt einen weiten Sprung ins westeuropäische Belgien. Ende September begann es dort mit 15 bestätigten ASP-Fällen bei stark verwesten Wildschweinen, Nutztierbestände sind bis zum Redaktionsschluss Anfang November nicht betroffen. Dank entsprechender Sofortmaßnahmen wie zum Beispiel der Räumung einer „Pufferzone“ ist Belgien offiziell frei von ASP. Dennoch hatten sechs Drittländer umgehend und anschließend weitere die Einfuhr von belgischem Schweinefleisch gestoppt.

Auch die großen deutschen Schlachtkonzerne stellten den Import bzw. die Verarbeitung von Schweinen aus Belgien vorübergehend ein. Hier fürchtet man nicht nur das Risiko einer ASP-Einschleppung. Aktuell ist noch unklar, ob selbst eingefrorene Ware, die zum Teil aus belgischen Fleischstücken besteht im Nachgang ein Veterinärzertifikat für den Export in Drittländer erhält.

Insgesamt wird deutlich, wie schnell sich Exportströme verschieben können, auch wenn die betroffenen Länder alles unternehmen, um der Seuche Herr zu werden. Innerhalb der EU gelten Exportsperren lediglich für von der ASP betroffene Regionen, und zwar für einen Zeitraum von drei Jahren nach dem jüngsten ASP-Fall. Wie groß die gesperrte Region inklusive Pufferzone rund um den Ausbruchsort ist, wird auf EU-Ebene festgelegt. Damit gilt in der EU das sogenannte Regionalisierungsprinzip, nach dem Fleischlieferungen nur aus den betroffenen Regionen gestoppt werden. Drittstaaten dagegen stellen den Handel meist komplett ein, selbst wenn die betroffenen Länder zusätzlich zu den Wildschweinen auch alle Hausschweine aus der Pufferzone „entfernen“, also keulen.

Weltweit ist die Gewinnung von Erkenntnissen über Wildschweinpopulationen von zentraler Bedeutung für die Bewertung von Risiken im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest und die Planung entsprechender Kontrollmaßnahmen. Denn nach wie vor besteht Unklarheit in Bezug auf die Verbreitung dieser Wildtierart. Um diese Wissenslücke zu schließen, finanziert die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit das Projekt ENETWILD, im Rahmen dessen Daten zur geografischen Verteilung und Häufigkeit von Wildschweinen in ganz Europa erhoben und harmonisiert werden sollen.

Entsprechend sollten sich auch andere Länder der Erde um solche Projekte kümmern, statt in aktuellen Handelsstreitigkeiten zusätzliche Strafzölle auf Schweinefleisch zu erheben. Angesichts der unkontrollierten Verbreitung der ASP über den Faktor Mensch sind Grenzzäune in Polen, Dänemark und anderen Ländern zwar kurzfristig eine Hoffnung, langfristigen Schutz bietet aber nur ein Sieg über den Erreger der Schweinepest. Und dieser Sieg ist mit internationaler Zusammenarbeit und intensiver Forschung sicher leichter und schneller zu erreichen als mit dem Blick auf kurzfristige Exporterfolge (vielleicht noch) nicht betroffener Nationen.

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