Kommentar von
Renate Kühlcke

Fleischhandel Symbolpolitik ist keine Antwort

Donnerstag, 13. Dezember 2018
Die Exportkritik und die Forderung nach Markteingriffen gehen ins Leere.
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Deutscher Fleisch Kongress


Politiker machen es sich oft einfach, wenn es darum geht, Lösungen für verfahrene Situationen anzubieten. So auch Grünen-Chef Dr. Robert Habeck, der auf dem Deutschen Fleisch Kongress in Wiesbaden den Schlüssel für eine bessere Akzeptanz der Nutztierhaltung in eine einfache Formel presste: „Weniger Tiere, weniger Export“. Ein enttäuschend symbolpolitisches Placebo für die mediale Öffentlichkeit, das einem Ex-Landwirtschaftsminister nicht gerecht wird, der in seiner sechsjährigen Amtszeit in Schleswig-Holstein bemerkenswerte Tierwohlsignale gesetzt, sich in Wirtschaftsfragen aber durchaus konstruktiv und pragmatisch gezeigt hat.

Landwirte leben von der Nutztierhaltung, und das seit Jahrhunderten. Auch ist die jeder Definition entbehrende Massentierhaltung sicher keine organisierte Tierquälerei, sondern eher ein Kampfbegriff gegen jede Form der Viehhaltung. Jedem Nutztierhalter stehen 80 Millionen emotionale Tierschutzexperten gegenüber, da haben es Fakten schwer.

Robert Habeck, DFK
(Bild: Thomas Fedra)

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Tierhaltung ist heute spezialisiert, hat sich stetig weiterentwickelt und ist ein Wirtschaftszweig, der unter Preisdruck stehend immer effizienter geworden ist. Gesättigte Märkte, kaum Spielraum zur Effizienzsteigerung, Gegenwind in der Tierhaltung – die Akteure der fleischwirtschaftlichen Kette sind stark gefordert. Während der Effizienz-Gedanke in anderen Wirtschaftskreisen Ausdruck einer agilen Unternehmensführung ist, ist er im Zusammenhang mit Nutztieren und Fleischverarbeitung nicht zugelassen. Und alle stimmen ein: Prominente, Tierrechtler, Umweltschützer, Pfarrer, TV-Köche und Politiker.

Unstrittig ist, dass es ohne die gesellschaftliche Akzeptanz in Deutschland keine Weiterentwicklung dieses Sektors geben wird. So wird dann auch um den Weg gerungen, der idealerweise Tierwohl, Umwelt und Ökonomie in Einklang bringt. Eine Landwirtschaft, losgelöst von Wirtschaftlichkeit, wäre die kostspieligste aller. Als Unternehmer orientieren sich die Bauern natürlich an Angebot und Nachfrage. Und wenn sie nur noch so viel produzieren sollen, wie es das heimische Umfeld verträgt, müsste das ebenso für alle anderen Wirtschaftsbereiche gelten, zum Beispiel auch für die Autoindustrie.

Die Generalkritik an den deutschen Fleischexporten – hier geht es meist um den Schweinesektor – ist unfair. Richtig ist, die Selbstversorgung liegt rein rechnerisch 20 Prozent über einem ausgewogenen Marktgeschehen. Doch allein in der Grillsaison reichen in Deutschland weder Nackensteaks noch die Filets vor Festtagen aus, und den Schinkenproduzenten fehlt der Rohstoff. Von einer gesellschaftlich angenommenen Ganztierverwertung ist man selbst im Wurstland eben doch noch meilenweit entfernt.

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