Kommentar von
Jörg Schiffeler

Grillaktion der Landwirte Starker Schulterschluss für mehr Gehör

Dienstag, 02. Mai 2017
Die Bauern machen Schlagzeilen. Die Landwirtschaft startet unter riesiger medialer Begleitung in die Grillsaison. Ja, sie haben richtig gelesen: Nicht die Metzger eröffnen die Bratwurstsaison mit glühenden Rosten.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) führte Aktionen in 60 Städten durch. Dabei treten die Bauern in den Dialog mit den Bürgern. Was für ein Aktionstag! Die Landwirte verstehen ihr Handwerk, wenn es darum geht, mobil zu machen und Tageszeitungen, Hörfunksender und Fernsehstationen für sich zu gewinnen.

Bei dem bundesweiten Event stehen die Landesverbände, die sich ihrerseits vor Ort beteiligen, hinter dem DBV. Das versetzt die Organisation in die starke Ausgangsposition, auch an diesem Tag Gehör zu finden. Im Vorfeld trommelten die Veranstaltungsmacher bereits kräftig, so dass sich der Ressortminister in der Pflicht sieht, höchstselbst bei den Bauern auf die Bühne zu treten.

Das nutzt der Bauernpräsident und stellt sogleich öffentlichkeitswirksame Forderungen an die Politik. Beispielsweise verlangte er eine nachhaltige Nutztierstrategie und ein politisches Bekenntnis zu Gunsten verlässlicher Rahmenbedingungen für seine Zunft. Parallel beklagt der DBV, dass Verbesserungen im Bereich der Tierhaltung von viel zu wenigen Verbrauchern wahrgenommen werden. Den Bürgern versichern die Landwirte, dass sie es sind, die die Grundlagen für Genuss und Lebensfreude schaffen.

DBV-Grillaktion
(Bild: DBV)

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Dialog Bauern suchen das Gespräch

Eine clevere Argumentation, der sich das Fleischerhandwerk unbedingt anschließen muss. Schließlich veredeln die Metzger im Land diese wertvollen Rohstoffe – die „Grundlagen“. Der Landesbauernverband (LBV) Baden-Württemberg trat deshalb auch gemeinsam mit den Spitzen des baden-württembergischen Fleischerhandwerks in Stuttgart auf. LBV-Vizepräsident Hans-Benno Wichert und Landesinnungsmeister Joachim Lederer riefen die Verbraucher in der Landeshauptstadt dazu auf, regional ansässige Landwirte und das Handwerk mit dem Kauf von Fleisch beim Metzger zu unterstützen.

Bauern und Metzger pflegen seit dem Deutschen Fleischer-Verbandstag 2016 in Bremen einen engeren Dialog als zuvor. Beide Partner gehören zusammen wie zwei Seiten einer Medaille. Es ist klug, gemeinsam Strategien zu entwickeln und in einen konzertierten Dialog mit Bürgern, Politikern und Verbraucherschützern zu treten. Einigkeit stärkt. 
„Wie soll der Kunde ein ehrlich gutes Gefühl beim Einkauf von Fleisch und auch Wurst verspüren, wenn es zum einen verschiedene Stufen für Tierwohl gibt und zum anderen die Aufschläge nicht nachvollziehbar sind?“
Jörg Schiffeler, afz-Chefredakteur
Sie ist gerade jetzt gefordert, weil in Deutschland sehr viel über Tierwohlstandards, aber viel zu wenig über die dadurch anfallenden Kosten gesprochen wird. Der Minister am Kabinettstisch von Angela Merkel kalkuliert anders als die zahlreichen Landwirte, und die vielen Fleischvermarkter rechnen wiederum anders. Hier muss dringend mehr Aufklärung geleistet, müssen beispielhafte Kalkulationen offen gelegt werden.

Wie soll der Kunde ein ehrlich gutes Gefühl beim Einkauf von Fleisch und auch Wurst verspüren, wenn es zum einen verschiedene Stufen für Tierwohl gibt und zum anderen die Aufschläge nicht nachvollziehbar sind? Dann – so ist zu befürchten – entpuppt sich aus Verbrauchersicht so manche Anstrengung in der fleischwirtschaftlichen Kette von der Erzeugung über die Gewinnung, Verarbeitung und Vermarktung womöglich als reines Marketinginstrument und damit als Gag. 

Was folgt nun aus der bundesweiten Aktion? Nicht nur Bauern und Metzger brauchen einander. Die Genussexperten sollten weitere Events nutzen, um die Bürger aufzuklären und zu informieren. Das kann auch ein Tag der offenen Tür sein. Die Bevölkerung weiß zu wenig über die Bedeutung regionaler Wertschöpfungsketten, die auch für unsere Kulturlandschaft unverzichtbar sind. Gleichzeitig muss sich die Land- und Ernährungswirtschaft weiterentwickeln, um die gesellschaftlichen Anforderungen wie sichere Lebensmittel, erschwingliche Produkte, Vielfalt, Natürlichkeit und Nachhaltigkeit sowie Tier- und Menschenwohl zu erfüllen.

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