Kommentar von
Jörg Schiffeler

Grüne Woche 2017 Wissen fördert den Schlagabtausch

Dienstag, 17. Januar 2017
Während die Welt diese Woche auf Washington blickt und Europa nach London schaut, dreht sich in Berlin der Politikbetrieb um die Ernährung in der Zukunft.

Trump, Brexit, Grüne Woche sind die beherrschenden Themen in diesen Tagen. Alle drei Ereignisse vereint dabei das Denken in einfachen Mustern: Die Malerei der Realität in den vermeintlich einfachen Farben schwarz und weiß. Dabei wissen wir, dass die Einteilung der globalen Weltordnung in hell und dunkel niemandem einen Fortschritt bringen wird. Die Erde ist komplizierter und bunter.

In der Bundeshauptstadt tönt es bald aus vollen Kehlen „Wir haben es satt“. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Hier schallt es lauthals „Wir machen Euch satt“. Die einen demonstrieren und prangern an, die anderen fordern Dialog statt Protest.

Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) beschäftigt sich seit 2008 zur Grünen Woche mit zentralen Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungswirtschaft. Diesmal stehen die Elemente Wasser und Landwirtschaft als Schlüssel zur Welternährung im Fokus. Zum Höhepunkt treten schätzungsweise erneut 65 internationale Minister zur weltweit größten Agrarministerkonferenz zusammen. Es ist ein besonderer Verdienst, dass Deutschland so viele Verantwortliche zu dieser wichtigen Aufgabe zusammenbringt.

Grünewoche - Eingang Funkturm
(Bild: Messe Berlin)

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Wenn es um die Ernährung und den Konsum geht, prallen in unserem Land zuweilen Welten aufeinander, denn zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegen riesige Unterschiede. Das offenbart auch der jüngste Ernährungsreport, den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt vor Kurzem vorlegte. Aber: Kunden und Verbraucher haben immerhin eine Idee, die sie verfolgen. Mitunter dominieren dann Vorstellungen einer Bauernhofidylle, die es erstens nie gab (Landwirtschaft war immer harte Arbeit) und uns zweitens im 21. Jahrhundert auch nicht ernähren kann. Bei diesen Gedanken werden die Bürger stark durch Verbraucherschützer, Politiker und NGOs beeinflusst.

Die moderne Agrar- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland hat allerdings die verpflichtende Aufgabe, über die Grenzen hinweg verantwortlich zu handeln. Schweinemast und Getreideanbau können wir nicht einfach outsourcen nach Osteuropa oder andernorts. Die zeitgemäße Erzeugung von Lebensmitteln kommt auch mit weniger Rohstoffen aus und schont Ressourcen, wenn wir es richtig machen. Dazu gehört einerseits das für uns so wichtige Exportgeschäft, das es uns ermöglicht, in grüne Technologien und Tierwohl zu investieren. Zum anderen darf sich die Kornkammer Europa nicht aus ihrer Verantwortung für abhängige Regionen auf dem Globus stehlen und so wirtschaften, dass die Konsumbedürfnisse nur auf dem eigenen Kontinent befriedigt werden.
„Die zeitgemäße Erzeugung von Lebensmitteln kommt auch mit weniger Rohstoffen aus und schont Ressourcen, wenn wir es richtig machen. Die Menge und die Qualität sind die beeinflussbaren Parameter, die in der Kritik stehen. “
Jörg Schiffeler, afz-Chefredakteur
Genau deshalb ist es richtig, dass in Berlin die politischen Lager ihre Stimmen erheben. Auch wenn die Positionen extrem sind: Es lohnt sich, sich in die Debatte einzuschalten. Egal ob auf der Straße oder in der Messehalle auf dem Erlebnisbauernhof. Ohne den Meinungsaustausch, der Vertrauen zwischen verhärteten Fronten aufbauen kann, werden schwarze und weiße Positionen bleiben und die Zukunftsfähigkeit von Staat, Gesellschaft sowie Wirtschaft und Politik gefährden. Deswegen müssen auch Fleischermeister und Wurstfabrikanten ihre Positionen in die Meinungsbildung einbringen. Das lohnt sich, denn der Fleischkonsum wird per se nicht in Frage gestellt. Die Menge und die Qualität sind die beeinflussbaren Parameter, die in der Kritik stehen.

Hier hat das Fleischerhandwerk gute Karten, denn es steht in besonderer Weise für ein maßvolles, genussorientiertes Handeln mit den Wirtschaftsbeteiligten vor Ort. Damit punkten die Betriebe beim Kunden, wenn sie es verstehen, diese Werte glaubhaft zu kommunizieren. Um diese Strukturen zu sichern, lohnt es sich für jeden Meister, in die Debatte einzusteigen.

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