Kommentar von
Jörg Schiffeler

Grüne Woche 2018 Impulsgeber und Nabelschau

Dienstag, 16. Januar 2018
Haben Sie es schon bemerkt? Seit Beginn des Jahres haben Themen rund um Lebensmittelsicherheit, Tierwohl, Fleischkonsum und Schweinepest Hochkonjunktur. Kein Wunder: Die Internationale Grüne Woche (IGW) steht kurz vor der Eröffnung.

Vom 19.bis 28. Januar bietet die weltgrößte Ernährungsschau nicht nur kulinarischen Spezialitäten eine Bühne, sondern auch neuen Denkanstößen zu zentralen Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungswirtschaft. Damit beschäftigen sich über 80 internationale Ministerien und Nahrungsmittelproduzenten beim parallel stattfindenden Global Forum for Food and Agriculture (GFFA). So schafft es Berlin nicht nur hierzulande, sondern auch weltweit den Blick auf sich zu ziehen.

In Deutschland werden in den kommenden knapp 14 Tagen Politiker, Wirtschaftsbosse, Händler, Landwirte, Handwerksmeister, Verbraucherschützer und Lobbyisten das Messeparkett zur Profilierung nutzen und auf den Straßen der Hauptstadt wird rund um das Brandenburger Tor wieder kraftvoll und lautstark unter dem Motto „Wir haben es satt“ demonstriert. Nachrichtensendungen und Tageszeitungen werden uns zahlreiche Bilder und O-Töne liefern, Social-Media-Kanäle wie Facebook und Twitter werden vielfach ungefiltert Informationen verbreiten, deren Wahrheitsgehalt freilich überprüft werden müsste. Die afz-Redaktion will ihren Beitrag dazu leisten, aufklären und Hintergründe liefern.

Grünewoche - Fahnen
(Bild: Messe Berlin)

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Grüne Woche 2018 Gipfeltreffen der Agrarwelt

Unser Frische Forum Fleisch am Eröffnungstag der Messe greift die gesellschaftliche Diskussion auf und diskutiert Ansätze und Spielregeln, die den sukzessiven Umbau der Tierhaltung möglich machen können, ohne dass die Wettbewerbsfähigkeit im Inland und der Zugang zu internationalen Märkten verloren gehen. Denn der Ernährungssektor ist für die Bundesrepublik von immenser wirtschaftlicher Bedeutung und sichert Wachstum und Beschäftigung. Lebensmittel „Made in Germany“ sind außerhalb unserer Grenzen gefragt, weil sie nicht nur als sicher gelten, sondern es sind.

In den vorgelagerten Stufen gibt es zahlreiche Anstrengungen mit dem Ziel das Wohl der Tiere weiter zu verbessern. 2015 gründete sich aus der Wirtschaft heraus die Initiative Tierwohl. Bauern, Fleischwirtschaft und Lebensmittelhandel gingen ein Bündnis ein, das sich für dieses Jahr noch mehr vorgenommen hat: Je Kilogramm verkauften Fleischs werden Tierhaltern 6,25 Cent statt bisher vier Cent vergütet. Das sogenannte Tierwohl-Fleisch kommt unterdessen nicht beim Verbraucher an. Das soll sich ändern.
„Es jährt sich zur Grünen Woche, dass Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt seine Pläne für ein staatliches Tierwohl-Siegel enthüllte. Passiert ist seither nicht viel. “
Jörg Schiffeler, afz-Chefredakteur
Es jährt sich zur Grünen Woche, dass Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt seine Pläne für ein staatliches Tierwohl-Siegel enthüllte. Passiert ist seither nicht viel – zumindest nicht öffentlich wahrnehmbar. Zwar gab es immer wieder Bekundungen, doch die schwierige Bildung einer neuen Bundesregierung fordert ihren Tribut. Vielleicht ist das sogar eine gute Nachricht, weil es keine Hauruck-Aktion gibt. Stattdessen verbreitet der CSU-Politiker im Ernährungsreport seiner Behörde, dass Verbraucher 50 Prozent mehr für Fleisch mit Tierwohl-Label zahlen würden. Wie viele das wohl sein würden, blieb dabei auf der Strecke. 

Stattdessen prescht nun Aldi vor. In einer konzertierten Aktion verkündeten beide Discountriesen Nord und Süd, mit „Fair und gut“ eine eigene Marke für Tierwohl-Fleisch in die Regale zu bringen. Da mögen jetzt nicht wenige den Kopf schütteln. Gerade in Fachkreisen kann das niemanden überraschen, denn der Händler setzte immer schon Maßstäbe und vollbrachte den Spagat zwischen Preissensibilität einerseits und einem Qualitätsversprechen andererseits.

Was bedeutet das nun für Fleischverarbeiter und Fachgeschäfte? Überdenkt Eure Rohstoffquellen, überarbeitet die Sortimente und feilt an einer überzeugenden Marketingstrategie, die belastbar ist und für den Kunden nachvollziehbar.

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