Kommentar von
Gerd Abeln

Nach Listerienfunden Verantwortung übernehmen

Donnerstag, 14. November 2019
An Halloween hat Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz mit Blick auf Listerienfunde beim Wursthersteller Wilke Schwachstellen im System der Lebensmittelüberwachung eingeräumt.

„Aufgabe der Landkreise in Hessen ist es, zu überprüfen, ob Lebensmittelunternehmen alle Vorgaben einhalten und die eigenen Kontrollen im Betrieb ordentlich durchführen“, sagte die grüne Ministerin in Wiesbaden. Ihr Zwischenbericht pünktlich zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe zementierte die bekannten Schreckensnachrichten im Unternehmen Wilke und wartete mit neun Punkten zu hessischen Konsequenzen für die Lebensmittelüberwachung auf.

Ob nun ein uneingeschränktes Weisungsrecht des Ministeriums, häufigere Kontrollen oder Berichtspflichten die Lösung solcher Skandale sind, sei an dieser Stelle dahingestellt. Wichtiger sind die personelle Aufstockung der Lebensmittelüberwachung und ein strukturiertes Vorgehen der Behörden samt Konzentration und Bündelung von Verantwortlichkeiten – am besten vergleichbar in allen Bundesländern und getragen von allen politischen Parteien. Bayern oder Niedersachsen mit ihren Kontrollorganisationen könnten dabei Vorbilder sein. Nur leider wurde von Umstrukturierungen oder Kompetenzbündelungen in den letzten Jahren schon zu oft gesprochen, wenn ein echter oder auch ein „nur“ medial aufgebauschter Skandal für Schreckensmeldungen sorgte.

Verbraucherschutz muss für alle Beteiligten höchste Priorität haben, die Hauptverantwortung für sichere Lebensmittel tragen aber die Unternehmen. Verantwortung tragen natürlich auch die Überwacher, die Behörden, die Politik und die Medien. Wer mit seiner Lebensmittelproduktion verantwortungslos umgeht und offenbar kriminelle Energien an den Tag legt, muss bestraft werden und verdient keine Nachsicht. Aus Einzelfällen heraus aber die vom Grundsatz her bewährte Überwachung der betrieblichen Eigenkontrollsysteme in Frage zu stellen, schießt über das Ziel hinaus. Es gibt zwar immer etwas zu verbessern, aber trotzdem sollten auch selbst ernannte Essensretter nicht vergessen, dass deutsche Lebensmittel zu den sichersten der Welt gehören.

Gespart wird leider nur zu oft am falschen Ende. Es braucht zum einen Geld, um die Aus- und Weiterbildung des Lebensmittelkontrollpersonals zu stärken. Personelle und monetäre Unterstützung brauchen zum anderen auch die Landkreise für ihr eigenes Qualitätsmanagement oder bei ihren Task Forces. Eine faire Entlohnung für ihre Produkte brauchen aber auch die Hersteller. Und sie müssen sich darauf verlassen können, dass die Kontrollsysteme funktionieren.

Die neue Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF), Sarah Dhem, weist im Interview mit der Fachzeitschrift „Fleischwirtschaft“ zu Recht darauf hin: „Ein solches Versagen in der ganzen Kette, von der Reinigungsfirma über die Mitarbeiter bis zum Abnehmer und des gesamten Kontrollsystems darf es nie wieder geben.“ Denn der Fall Wilke hat Angst und Schrecken verbreitet, ist aber sicher kein Spiegel der Gegebenheiten in der Fleischverarbeitung.

Dhem - Sarah (BVDF-Interview)
(Bild: Torge Dhem)

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