Kommentar von
Sandra Sieler

Obermeistertagung Sonntagsreden reichen nicht

Dienstag, 23. Februar 2016
Jetzt ist Schluss. Das Fleischerhandwerk sieht sich ständig mit neuen gesetzlichen Pflichten und Zwängen konfrontiert. Und das, obwohl Politiker in ihren Sonntagsreden immer wieder das Loblied auf die kleinen Handwerksstrukturen und regionalen Wirtschaftskreisläufe singen. Die Metzger wollen Taten sehen. In dieser Hinsicht ging von den Obermeistertagungen in Hannover und Würzburg ein starkes Signal aus.

Das Einfordern von handwerksfreundlichen Entscheidungen allein wird allerdings nicht ausreichen. Darüber muss sich jeder in der Branche klar sein. Dass die vollmundigen Zusagen aus den Sonntagsansprachen keine blanken Floskeln bleiben, sondern sich tatsächlich zu spürbaren Erleichterungen für die kleinen Betriebe auswirken, ist eine Herkulesaufgabe. Aber es lohnt sich, sie anzupacken – vorausgesetzt, alle ziehen mit. Denn die politische Einflussnahme wird nur gelingen, wenn die Fleischer den Hebel auf allen Ebenen ansetzen.

Von Brüssel über Berlin bis in die Landeshauptstädte ist das Fleischerhandwerk gut vertreten, verfügt über einflussreiche Kontakte, findet Gehör. Nur ist es damit nicht getan, dass die Verbände ihre Forderungen an die Politik adressieren – selbst wenn das fortan mit noch mehr Nachdruck geschieht. Die Druckwelle muss sich weiter pressen, bis hinab in die Stadträte und Gemeindeparlamente: mitmachen und Einfluss nehmen. Hier ist die Basis gefragt und damit jedes einzelne Mitglied in seinem direkten Umfeld.

Schlüssige Argumentationen zu den verschiedenen für das Fleischerhandwerk relevanten Themen geben die Verbände gern vor. In ihrer Stärke voll ausspielen lassen sich diese dann im persönlichen Kontakt vor Ort, zum Landtags- oder Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises beispielsweise. Da lassen sich in heißen Wahlkampfzeiten vielleicht beständige Kontakte aufbauen, die im Idealfall über mehrere Legislaturperioden hinweg halten und immer wieder von Nutzen sind. Manchmal dürfte es sogar ausreichen, dem Politiker schlicht den Alltag in einem Handwerksbetrieb vorzuführen, ihm zu zeigen, was mancher Auswuchs an Regelungswahn für einen Familienbetrieb und seine Mitarbeiter bedeutet. Da ist dann nichts weiter gefragt, als authentisch zu sein. Allein den Anfang muss der Unternehmer selbst machen. Er darf sich nicht länger auf das Engagement der berufsständischen Vertretung verlassen, sondern sollte nach jeder Gelegenheit suchen, das Bemühen der Verbände tatkräftig zu unterstützen.

Der Appell gilt gleichermaßen für die Innungsebene. Immer wenn die Metzger eine öffentlichkeitswirksame Aktion planen, gehören die Kommunalpolitiker mit auf die Einladungsliste. Hat man die Mandatsträger dann tatsächlich vor Ort, ergibt sich sicher der passende Moment, um noch einmal an die Anliegen des Berufsstands zu erinnern – tausend kleine Nadelstiche.

In der politischen Landschaft ist heute nicht mehr ausschlaggebend, von welcher Couleur man einen Vertreter einlädt. Bei allen größeren Parteien des demokratischen Spektrums finden sich Anknüpfungspunkte für die Fleischer und ihre Anliegen, von schwarz bis grün. Alle singen sie zurzeit das hohe Lied auf die kleinen Strukturen. Zeit sie in die Pflicht zu nehmen, an allen Fronten. Denn DFV-Präsident Heinz-Werner Süss hat recht mit seiner Vision: „Je stärker und geschlossener wir auftreten, desto mehr können wir erreichen.“

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