Kommentar von
Jürgen Richter

Organisationsreform Mehr gemeinsam erschließen

Donnerstag, 08. September 2016
Es macht sicher Sinn, Fusionen in der Berufsorganisation an den bestehenden oder kommenden Gebietskörperschaften zu orientieren. Schließlich sollte es auf Kommunal-, Kreis- und Landesebene immer eine Instanz als Verhandlungs- und Kooperationspartner mit den zuständigen Behörden geben. Das ist selbstverständlich, aber durchaus nicht überall in der Realität umgesetzt.

Da ist es gut, dass beim Fleischerverband Thüringen vor den eigenen Initiativen zur Strukturreform erst einmal die Ergebnisse der kommenden Gebietsreform auf Kommunal- und Kreisebene abgewartet werden sollen. Handlungsbedarf besteht unbestreitbar, denn die Mitgliedszahlen unterliegen einem Abschmelzungsprozess, der auf absehbarer Zeit nicht zum Stillstand kommen dürfte. Da ist der Handlungsfähigkeit der einen oder anderen Kleininnung auf Dauer eine natürliche Grenze gesetzt.

Man kann also nicht so lange warten, bis eine Innung auf eine Stammtischrunde geschrumpft ist und bei einer Versammlung die Vorstandsmitglieder und die Gäste in der Überzahl sind. Referenten oder Sponsoren zu finden, wird dann völlig aussichtslos. Vergrößerte Innungen in größeren Kreisen sind allerdings nicht das letzte Wort. Den Organisationen des Handwerks fehlen nicht nur immer mehr Mitglieder, auch das Reservoir für die Führungspositionen wird kleiner.

LIV Thüringen - Arbeitstagung 2016
(Bild: jus)

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Es lohnt sich der Blick zu den Kollegen, die ihre Innungen zusammengeführt haben – oft erst nach einer Vorlaufphase gemeinsamer Aktionen und Veranstaltungen. Hier beeindrucken immer wieder Impulse – sie resultieren nicht allein aus der das Selbstbewusstsein stärkenden Zahl der Mitstreiter. Sie sind auch Ergebnis eines Erfahrungsaustauschs, vielleicht auch eines unterbewussten Wettbewerbsverhaltens.

Es soll nicht unterschlagen werden, dass auch kleinere Innungen oder Landesinnungsverbände zu eindrucksvollen Leistungen und Auftritten in der Öffentlichkeit fähig sind. Gerade der Thüringer Fleischerverband, nicht gerade mit Mitliedermassen gesegnet, stellt das alljährlich mit dem Wursttag auf der Erfurter Messe und der Mitwirkung an der Angrillaktion auf dem Domplatz der Landeshauptstadt nachdrücklich unter Beweis. Die Medien wissen diese Mischungen aus fachlicher Arbeit und Unterhaltung ebenso zu schätzen wie die Politiker die damit verbundene Bühne. Das wird immer wieder möglich durch professionelle Organisation, engagierte Partner und der Beteiligung der motivierten Basis. Andere Veranstaltungen von der Freisprechungsfeier bis zum Fortbildungsangebot lassen sich sinnvoll oft nur noch im – meist nachbarschaftlichen – Verbund auf die Beine stellen. Was da beim ersten Mal funktioniert hat, erweist sich in der Folge bald als Rezept gegenseitiger Ressourcenhebung. Und es liefert den Beweis, dass hier zwei oder mehr Beteiligte auch auf anderen Wegen zusammengehen können.

Die Probleme von Innungen und Verbänden fangen bei der Mitgliederzahl an und hören bei den Finanzen noch lange nicht auf. Eines der drängendsten ist die Besetzung des Vorstands. Nicht jeder fühlt sich geeignet, kaum einer ist als Redner ein Naturtalent, und wirklich keiner hat Zeit. Trotzdem entfallen möglicherweise alle Einwände, wenn die nötige Motivation gegeben ist. Und die ist sicher größer, wenn ein Obermeister mehr als eine bessere Skatbrüderschaft vertreten darf. Und wenn ein Landesinnungsmeister wenigstens für eine Handvoll Hundertschaften steht und eintritt. Die Gemeinschaft der Fleischer wird kleiner. Da soll es nicht schwerfallen, enger zusammenzurücken.

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