Kommentar von
Jörg Schiffeler

Organisationsreform Nicht abwarten, sondern selbst die Weichen auf Zukunft stellen

Dienstag, 23. Oktober 2018
Wie sieht die Organisationsstruktur des Fleischerhandwerks in Zukunft aus? Das ist die Gretchenfrage, auf die wir – so ehrlich sind wir – auch keine Lösung haben. Ideen werfen wir dagegen gern in den Ring, auch wenn nicht alle Leser begeistert sein werden. Vielleicht regt das zur Diskussion an.
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DFV Organisationsreform


Vor gut einem Jahr ebnete der Perspektivbeschluss des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) einen ersten Schritt zur Zukunftssicherung der Interessenvertretung des Fleischerhandwerks. Immer weniger Unternehmen müssen steigende Beiträge in Kauf nehmen, wenn die Leistungen des Bundesverbands nicht eingeschränkt werden sollen. Der im Oktober 2017 mit großer Mehrheit verabschiedete Potsdamer Entschluss machte den Weg frei für eine Satzungsänderung, die unter anderem die Direktmitgliedschaft von Betrieben im DFV ermöglicht. In der Folge bedeutete das für die diesjährige Mitgliederversammlung die Einführung einer neuen Beitragsordnung. Daran entfachte sich eine lebhafte Diskussion – ein Zeichen für basisdemokratische Kultur. 

Die Fleischer hatten umfangreichen Redebedarf, bei dem oft die Stichworte Finanzen und Organisationsstruktur fielen. Beispielhaft seien hier Schlagworte wie Beitragsdynamisierung, Personalstärke, Transparenz des Rechnungswesens, Änderung des Kammerwesens und Zwangsmitgliedschaft genannt. Nach der Weichenstellung im Vorjahr muss der Perspektivbeschluss nun zwingend weitergedacht werden.

DFV-Tag 2018 - MV
(Bild: jus)

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Und das ist dringlicher denn je. DFV-Vizepräsident Michael Durst forderte von seinen Kollegen in der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung, endlich ernsthaft zu diskutieren. Vielen Fleischermeistern ist klar, dass die Beitragsstruktur zeitgemäß gestaltet werden muss. Dabei Rücklagen anzutasten oder Eigentum zu veräußern, halte ich für nicht zukunftsorientiert. Was weg ist, ist für immer fort. Für Präsident Herbert Dohrmann ist mit der Beitragsgestaltung die künftige Aufstellung des Fleischerhandwerks eng verknüpft.

Über Reformen mögen Metzger noch sprechen. Die anstehenden Veränderungen anzunehmen, Ideen zu entwickeln und die Umsetzung anzupacken, gleicht vielen Meistern einem Dolchstoß, den man sich selbst zufügt. Das muss sich ändern. Die Finanzierung der Interessenvertretung darf nicht zur Zerreißprobe werden. Die politische Vertretung des Fleischerhandwerks sowie Fachwissen der Organisation im Detail ist bei der Lobbyarbeit mit Geld nicht aufzurechnen. Dieses Investment mildert Gesetzesvorhaben für jeden einzelnen Handwerksbetrieb im Wettbewerb mit weiteren Wirtschaftszweigen und Interessenlagen – nicht nur im Lager der Ernährungswirtschaft.
„Die dreistufige Organisation des Fleischerhandwerks muss in Frage gestellt werden. Doppelstrukturen verschlingen viel Geld und sind im digitalen Wandel nicht mehr zeitgemäß.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Das Zusammenspiel von Finanzen und Organisation spiegelt die beiden Seiten einer wertvollen Medaille wider. Welche Lösungsansätze es gibt, ging in Hamburg leider unter. Die Landesverbände Hamburg, Niedersachsen-Bremen und Schleswig-Holstein kooperieren nicht nur, sondern sie stellen sich gemeinsam unter das Dach „Fleischer Nord“. Mit diesem Schulterschluss einigten sich die beteiligten Partner auf eine gemeinsame Geschäftsführung und eine zentrale Geschäftsstelle in Hamburg. Parallelstrukturen entfallen damit ab Januar 2019.

Die dreistufige Gliederung der organisierten Betriebe – Innungen, Landesverbände und DFV – muss in Frage gestellt werden. Sie verschlingt Gelder, bearbeitet Sachthemen doppelt und dreifach. Dabei betreut jeder regionale Fleischerverband immer weniger Unternehmen. Die Interessenvertretung vor Ort kann ebenfalls gebündelt werden. Hier gibt es zahlreiche Beispiele im ganzen Land. Die Verankerung in der Region ist und bleibt wichtig. Die Innung ist das Bindeglied zu den heimischen Entscheidungsträgern, mitunter auch das Schwächste. Hier kommt es auf jeden Einzelnen an – mit einem starken Bundesverband im Rücken.

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