Kommentar von
Jörg Schiffeler

Organisationsstrukturen Nur Relevanz und Nützlichkeit sind überzeugende Argumente

Dienstag, 12. Februar 2019
Was für starke Signale! In die Selbstorganisation des Fleischerhandwerks kommt Bewegung.

Am vergangenen Wochenende trafen in Leipzig erstmals Innungsmitglieder aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zum mitteldeutschen Verbandstag zusammen. Ein echtes Novum im Osten der Republik, die noch die Auflösung des Fleischerverbands Berlin-Brandenburg zu verdauen hat. Und dann zeigt sich Mecklenburg-Vorpommern noch unentschlossen, sich dem Nordverbund aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen anzuschließen. Das ist das zweite Novum: Fleischerkollegen aus vier Bundesländern bündeln seit diesem Januar ihre Kompetenzen und ihre Interessenvertretung.

Es ist höchste Zeit, die Organisationsstrukturen im Fleischerhandwerk zu straffen, zu bündeln und – verzeihen Sie mir – zu professionalisieren. In einer Zeit, in der Vieles komplexer wird und die Anforderungen an Familienunternehmen steigen, braucht es Experten, die die Belange der Meisterbetriebe durch und durch kennen und gegenüber Politik, Gesellschaft und Medien vertreten. Das Herunterbeten aller Anliegen der Metzger muss im Schlaf sitzen. Unvorbereitet sein, nur den Kirchensprengel im Blick haben, abgedroschene Redewendungen und das Verweisen auf Andere sind nicht mehr die Methoden der zeitgemäßen Vertretung. So findet man kein Gehör. 

„Es ist richtig, dass sich die Fleischer im Norden neu formiert haben und im Osten erste Weichen für mehr Gemeinsamkeit gestellt werden. “
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Deshalb ist es folgerichtig, dass sich die Fleischer im Norden neu formiert haben und im Osten erste Weichen für mehr Gemeinsamkeit gestellt wurden. Zwischen Dresden und Nohra findet traditionell ein besonders enger Austausch statt: Man stimmt sich ab, zuweilen auch mit Sachsen-Anhalt. Die Landesinnungsverbände Sachsen und Thüringen haben sich dafür die Rückendeckung nicht nur der Obermeister, sondern auch der Mitglieder eingeholt – mit dem Ergebnis eines breiten Konsenses. So wird es auch 2020 einen mitteldeutschen Verbandstag geben, der dann von den Thüringer Fleischern federführend organisiert werden wird. 
Mitteldeutscher Verbandstag
(Bild: jus)

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Die Leipziger Tagung im Westin Hotel brachte auch die Sorgen der Fleischer sehr deutlich ans Licht. Jedem Meister und jeder Meisterin ist klar, dass die Interessenvertretung stärker denn je aufgestellt sein muss und Kompetenzen gebündelt werden müssen. Wer aber stellt bei möglichen Zusammenschlüssen die regionalen Kontakte sicher? Wo bleibt die regionale Verwurzelung der Fleischer? Was bedeutet das für die Identität und Orientierung der Mitgliedsbetriebe?
„Die Skepsis vor Kollegen aus anderen Regionen muss überwunden werden. Es geht darum, neue Kooperationsformen zu finden.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Es kommt nun darauf an, die Zukunft endlich gemeinsam zu meistern und nicht aus dem Auge zu verlieren. Die Skepsis gegenüber Kollegen aus anderen Regionen und Bundesländern muss überwunden werden. Schließlich sitzen alle Metzgermeister in einem Boot. Es geht darum, neue Kooperationsformen zu finden, damit die Fleischer auch künftig als ein starkes Handwerk an den Schaltstellen der Macht gehört werden. Das ist mal im Landratsamt oder im Landtag, mal im Bund oder in Brüssel. Wenn die Metzger es ernst meinen mit dem Zusammenstehen, dann vertreten sie derzeit rund 12.300 Unternehmen, die den Kontakt auf unterster Ebene sicherstellen. Für die übergeordnete Verbandsarbeit wird die politische Arbeit zum entscheidenden Moment. Sie wird umso schlagkräftiger, je mehr Mitglieder die Selbstorganisation hinter sich weiß.

In Ostdeutschland setzen drei Landesverbände als Lösung für den Mitgliederschwund und die damit diffiziler werdende Finanzierung ihrer Arbeit auf eine Änderung der Handwerksordnung. Ziel der Sachsen, Sachsen-Anhaltiner und Thüringer ist es, die Mitgliedschaft zu einer Innung verpflichtend zu machen. Das halte ich nicht für zielführend. Bei der Interessenvertretung kann es nicht darum gehen, den Bestand an Mitgliedern zu zementieren. Vielmehr muss Innungs- und Verbandsarbeit einen Unternehmer durch Relevanz und Nützlichkeit ihrer Tätigkeit überzeugen.

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