Kommentar von
Fritz Gempel

Pro Mit Steuern lenken?

Dienstag, 13. August 2019
Die Forderung nach einer Steuer auf Fleisch ist nicht neu. Die Bewegung „Fridays for Future“, Politik und Weltklimarat blicken auf die Tierhaltung und mahnen eine Reduzierung des Fleischverzehrs an. Weniger Fleisch, aber Gutes. Der Standpunkt von Fritz Gempel.

Für höhere Steuern zu sein, ist dumm. Jeder will so wenig Steuern wie möglich bezahlen. Denken wir aber das mögliche Szenario einer erhöhten Mehrwertsteuer auf Fleisch zu Ende: Der Staat verwendet die Milliarden an Mehreinnahmen für die Förderung von Stroh- und Auslaufställen, Offenstall-Anlagen und Weidehaltung.

Er fördert die bäuerliche Landwirtschaft, stärkt regionale Waren- und Wirtschaftskreisläufe, in denen Bauern und Metzger wieder enger kooperieren. Dazu unterstützt er den Bau neuer regionaler und besonders tierschonende Schlachtanlagen. Das Geld für all das wäre da! Die höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch könnte schließlich begleitet sein von einer verpflichtenden staatlichen Kennzeichnung der Haltungsform.

Was würde dann wirtschaftlich passieren? Das Kilo Fleisch würde mehr kosten. Es würde in der Folge weniger Fleisch gegessen. Mengenmäßig gäbe es einen Rückgang. Und das Fleisch aus den tierfreundlichen Haltungsformen könnte schnell so normal werden wie das Ei aus Freilandhaltung. Die wirtschaftliche Chance der Veränderung heißt also: Mehr Euro ans Kilo!

SB-Theke
(Bild: New Africa / Adobe Stock)

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Fleischkonsum Hitzige Debatte um Steuer

Heute haben nur noch Atomkraftwerke ein schlechteres Image als Intensiv-Tiermastanlagen. Wir alle leiden unter dem schlechten Ansehen von billig produziertem Fleisch. Das neue und bessere Fleisch, das sich staatlich gefördert durchsetzen würde, brächte eine neue und sichere Existenzgrundlage für Bauern und Metzger. Wir würden zu den Guten gehören – wie die Anbieter von Sonnen- und Windenergie. Es hätten wieder mehr junge Menschen Lust auf die Berufe des Fleischerhandwerks.

Bei dieser Veränderung müssen alle Beteiligten mitgenommen werden – auch die Landwirte, die mit „Wachsen oder Weichen“ falsch beraten waren. Das Fleischerhandwerk gehörte zu den Gewinnern einer solchen Veränderung. Denn keine andere Vertriebsform für Fleisch und Wurst ist auf hochwertige Qualitäten so gut vorbereitet. Diese hochwertige Qualität ist künftig immer mehr auch Tierschutz-Niveau und Klima-Korrektheit.

Fleischer-Fachgeschäfte würden sich im Markt komplett neu positionieren. Die neue Parole: Esst weniger Fleisch, aber gutes! Die neue Position: An der Spitze der Bewegung! Daher bin ich in der Frage der höheren Mehrwertsteuer für Fleisch eher dafür als dagegen.

Lesen Sie auch die Gegenposition „Veränderung durch Überzeugung“ von Chefredakteur Jörg Schiffeler.

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