Kommentar von
Jörg Schiffeler

Umweltschutz Mit Freude gestalten, statt im Zorn zu erstarren

Donnerstag, 26. September 2019
In diesen Tagen kreist alles ums Klima: im Bundeskabinett, beim UN-Gipfel, während der Umweltwoche. Und „Die Zeit“ widmete sich dem „richtig essen“.

Vieles ist zum Thema gesagt und vor zwei Wochen forderten wir an dieser Stelle eine Versachlichung der Debatte um Umweltbilanzen, Fußabdrücke und Treibhausgase. Mit vielen kleinen Schritten kann man sich als nachhaltig wirtschaftender Betrieb darstellen, war in der vergangenen Ausgabe das Credo. Es scheint, als müssten wir uns einmal mehr Gedanken um eine der größten Krise für den Erdball machen. Nicht weniger als die Zukunft der Geschöpfe von Mensch und Tier sowie Pflanzen stehen auf dem Spiel – und damit die Ernährungssicherheit.

So gut es ist, dass uns eine 16-Jährige dieser Welt die Leviten liest endlich zu handeln, um so mehr braucht es Aufklärung und Forschung. Vor allem aber benötigen wir beim Tagwerk mehr Freude, damit Herausforderungen angenommen und gelöst werden können. Warum? Weil mit der Schwarz-Weiß-Malerei Schluss sein muss. Beispielsweise sind weder Landwirte noch Metzgermeister böse Menschen, ebenso wie die Verbraucher nicht per se ausschließlich die Guten sind. Dem Bild vom Idyll auf dem Bauernhof steht die Massentierhaltung in den Agrarfabriken gegenüber. Welche Betriebsform am Ende des Tages auf einen niedrigeren CO2-Ausstoß verweisen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Ein Grund, weshalb die Bundesregierung zurückhaltend auf die Forderung des Bundesrats nach stärkerer Unterstützung von Weidetierhaltern reagiert.

„Die Klimadebatte zeigt einen Grundkonflikt zwischen Tierhaltung, Tierwohl und Ernährungssicherheit auf.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Der dringend gewünschte Konsens über eine grundlegende Neuausrichtung der Tierhaltung zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ist in der aktuellen Klimadebatte ein kaum zu lösender Grundkonflikt. So wünscht sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner „eine moderne Nutztierhaltung, die gesellschaftlich akzeptiert ist und einen Fokus auf das Wohl der Tiere legt. Gleichzeitig muss sie wirtschaftlich tragfähig sein, damit unsere Lebensmittel auch zukünftig in Deutschland produziert werden können. Beides gilt es in Balance zu bringen“, erklärte die CDU-Politikerin beim Fachgespräch der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz für die Weiterentwicklung der Schweinehaltung in Bonn.

Neue Stallbauten, die ein Mehr an Tierwohl versprechen, sollen gleichzeitig klimafreundlicher sein. Ein Problem stellt jedoch die Genehmigungspraxis dar. Bundesweit berichten immer mehr Landwirte, dass sie geplante Investitionen nur mit Hindernissen realisieren können. Und weil der Fleischkonsum von immer mehr Bürgern kritisch hinterfragt wird, gibt es inzwischen auch regionale Schlachtstätten, die nicht ausgebaut und modernisiert werden können. Das erzürnt auch Metzgermeister im ganzen Land, die den Verbraucherwillen nach regionalen Erzeugnissen bedienen wollen und überdies durch immer neue bürokratische Hürden die Lust am Unternehmerdasein verlieren.
BMEL - Klöckner
(Bild: CDU Rheinland-Pfalz)

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Nutztierstrategie Klöckner will Balance

Jungen Menschen, die Handwerk und Industrie so dringend benötigen, sollten wir Appetit auf einen wunderbaren Beruf machen. afz-Redakteurin Monika Mathes kehrte nach einem Besuch der Fleischmanufaktur Ahsenmacher mit Begeisterung in den Verlag zurück. Im Beitrag „Drei Mann für alle Feiern“ (afz 49 / Seiten 14 und 15) erfahren Sie mehr über die Neuerfindung eines fleischerhandwerklichen Familienbetriebs.

Fleischer sind gefragt, denn die Menschen wollen genießen. Magazine wie „Beef“ setzen Special Cuts und Grillrezepte in Szene, weil sich das verkaufen lässt. Zur Bundesgartenschau in Heilbronn schlossen sich die jungen Meister Christian Geiger, Dominik Hohl und Tizian Reinwald zusammen und organisierten ein BBQ-Seminar. Für die Teilnahme bewarben sich knapp 200 Leser einer Regionalzeitung. Und Uwe Klare ist erfolgreich mit Fertiggerichten und Konserven, wie afz-Autor Rainer Heck für Sie eingefangen hat. Lassen Sie sich nicht verunsichern.

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