Kommentar von
Gerd Abeln

Umweltschutz Offensive Öffentlichkeit

Freitag, 15. Februar 2019
Je mehr Fakten zu Grenzwerten und Klimazielen, desto besser das Verständnis.

Feinstaub schädigt die Atemwege – aber das Stickoxid aus dem Dieselmotor nicht so sehr wie bislang gedacht. Über 100 Lungenfachärzte in Deutschland relativieren die Feinstaubgefahr durch Dieselmotoren, was Verkehrsminister Andreas Scheuer und die Autolobby freut. Die Ärzte wenden sich gegen eine ihrer Meinung nach ideologisch gesteuerte Hysterie um die Diesel-Grenzwerte bei Stickoxid.

Ideologisch versuchen viele Menschen auch, das Klima durch Fleischverzicht zu retten. Dabei würde die Halbierung des Fleischkonsums die Deutschen dem Klimaziel nur ein Hundertstel näher bringen, errechnete im letzten Jahr Ansgar Lasar von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Selbst Björn Lombort vom „Copenhagen Consensus Center“, als Statistiker und Vegetarier eher unverdächtig, spart durch seinen Fleischverzicht nach eigener Berechnung allenfalls rund 250 kg CO2 im Jahr und damit etwa zwei Prozent des Jahresausstoßes eines Westeuropäers. „Das ist nicht nichts, aber die Welt retten Sie so nicht“, zitiert ihn die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Mitte Januar. Lombort rät, die Entwicklung der erneuerbaren Energien deutlich zu steigern.

Nun sollte weder die Land- noch die Fleischwirtschaft mit dem Finger auf andere zeigen, wenn es gilt, die Probleme innerhalb der eigenen Branche zu lösen. Aber sie sollte sich gegen überspitzte Vorwürfe und Forderungen von NGOs ebenso zur Wehr setzen wie gegen unrealistische Vorgaben der Politik. Aufklärung tut dabei Not, gute Ansätze gab es anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin zu Hauf.

Ob zum Beispiel Reinert die antibiotikafreie Aufzucht von Schweinen vorantreibt, Tönnies den Nachhaltigkeitsdialog stärkt oder die Putenhalter authentische Einblicke in die Haltung ihrer Tiere geben – sie alle gehen in die Öffentlichkeit und treten offensiv an den Verbraucher heran. Je mehr Fakten sie bringen, desto besser werden die Verbraucher – hoffentlich – die Erzeugung von Fleisch sowie die Produktion von Fleischwaren und Wurst verstehen. Wenn sie dann auch noch bereit sind, Daten und Fakten für sich zu bewerten, rückt die Fleischerzeugung in ein helleres Licht.

Wenn man den von Menschen verursachten Feinstaub betrachtet, dann stehen weit vor allem die Wirtschaft mit über 70.000 t und der Verkehr mit über 60.000 t. Aus der Tierhaltung sollen 7.500 t, aus einem Silvesterfeuerwerk laut Umweltbundesamt 4.500 t stammen. Eine Nacht macht danach rund 15,5 Prozent des jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubs aus. Und nicht vergessen, die Halbierung des Fleischkonsums bringt die Deutschen dem Klimaziel nur ein Hundertstel näher.
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