Kommentar von
Jörg Schiffeler

Vertrauen In der Wahrheit liegt der Weg zu Glaubwürdigkeit

Dienstag, 12. Juli 2016
In der letzten afz führten unsere exklusiv recherchierten Berichte zu vielen unterschiedlichen Reaktionen. Und die hängen von der Perspektive des Betrachters ab. Wo liegt die Wahrheit? Das zeigen diese Woche zwei aktuelle Ereignisse.

Während Deutschlands Medienlandschaft in einer Krise steckt und Zeitungen, Wochenblätter sowie Radio- und Fernsehstationen Vertrauen verspielt haben – so die aktuelle ARD-Story im Ersten am vergangenen Montagabend – ist die wichtigste Frage für uns als Blattmacher, wie wir Leser gewinnen und begeistern. Zwar werden wir nicht als Lügenpresse angeprangert, verleumdet aber schon. Und nur deswegen, weil das Fleisch unser Hauptthema ist.

Eins vorweg: Die afz ist eine unabhängige Fachzeitung für Handwerk, Industrie und Handel – trotz unserer engen Partnerschaft mit dem Deutschen Fleischer-Verband. Unser Verlagshaus ist ein freies, unabhängiges Wirtschaftsunternehmen.

1. Finanzkontrolle Schwarzarbeit

Die Brandthemen Mindestlohn und illegale Beschäftigung halten Fleischwirtschaft und Fleischerhandwerk gleichermaßen in Atem. Dazu gibt es viel Seemannsgarn von martialischen Kontrollen und geschliffenen Schlachtermessern. Diese Geschichten kenne ich aus Großvaters Zeiten. Sie sind hoffentlich vorbei. Das ist für uns der Grund, von der Oberfläche abzutauchen und in die Recherche einzutauchen. Dass beide Sparten im Fleischsektor unter das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz fallen – im Unterschied zum Bäckerhandwerk und den industriellen Großbäckern – bleibt naturgemäß ein Ärgernis. Das Schäuble-Ressort rückte leider nicht davon ab und bestätigte die strengen Regeln im Zuge des Mindestlohngesetzes.
Schweineschlachtung
(Bild: Ralf Baumgarten / Die Lebensmittelwirtschaft)

Mehr zum Thema

Arbeitsverhältnisse Fleischindustrie unter Druck

Was geben die Bilanzen der Zollbehörden und der Geschäftsbericht des Bundesfinanzministeriums her? Sie verwiesen auf die erfolgreiche Bekämpfung der Schwarzarbeit und nennen zunächst gar keine Zahlen, die diese Aussage belegen. Die Veröffentlichung der Daten über Ermittlungen in der Fleischwirtschaft durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit erregte höchste Aufmerksamkeit. Obwohl die Antworten der Bundesregierung belegen, dass es in der Branche deutlich weniger Missstände gibt als angenommen. Dafür sind nach Expertenmeinung die Einführung des Mindestlohn-Tarifvertrags sowie die freiwillige Selbstverpflichtung und ein Verhaltenskodex verantwortlich.
Zollamt
(Bild: H.D.Volz / pixelio.de)

Mehr zum Thema

Finanzkontrolle Schwarzarbeit Zoll spürt Missstände auf

Das sehen Gewerkschaftsvertreter völlig anders – und das müssen sie vielleicht auch. Unverantwortlich erscheint aber der Bericht des Europäischen Gewerkschaftsbunds, den der DGB sogleich weiterverbreitete. Danach werden Beschäftigte in der Fleischindustrie bei der Entsendung und Überlassung an Subunternehmen ausgebeutet. In diesem Punkt ist nun wieder die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage sehr eindeutig: Wegen Nichtgewährung des Mindestlohns nach Arbeitnehmer-Entsendegesetz sowie Mindestlohn- und Arbeitnehmerüberlassungsgesetz gab es im letzten Jahr 25 Verstöße, die mit insgesamt 13.900 Euro geahndet wurden. Probleme gab es bei der Anmeldung und Versicherung sowie bei den Aufzeichnungen im Rahmen der Dokumentationspflichten. Hierfür wurden Verwarn- und Bußgelder in Höhe von 35.100 Euro fällig. Ist das verhältnismäßig?

2. Fleischerverband Bayern

Im bayerischen Fleischerhandwerk rumort es. Das ist keine neue Beobachtung. Doch seit dem überraschenden Rücktritt des Landesinnungsmeisters schlagen die Wogen wieder höher.
Zollamt
(Bild: H.D.Volz / pixelio.de)

Mehr zum Thema

Finanzkontrolle Schwarzarbeit Zoll spürt Missstände auf

Uns bleibt der Appell, die außerordentliche Mitgliederversammlung zu nutzen, um die Reihen zu schließen. Das ist für das Fleischerhandwerk in der ganzen Republik von hohem Interesse. Jetzt kommt es darauf an, dass Mitglieder und Delegierte an einem Strang ziehen. Sie haben es in der Hand, durch gegenseitiges Vertrauen verlorene Glaubwürdigkeit zurückzuerobern.

Das könnte Sie auch interessieren
stats