Bayern „Metzger sind wichtige Partner“

Dienstag, 17. Juli 2018
Michaela Kaniber ist seit März 2018 Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
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Michaela Kaniber ist seit März 2018 Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
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Michaela Kaniber


Seit gut 100 Tagen leitet Michaela Kaniber das bayerische Landwirtschaftsministerium. Die gelernte Steuerfachangestellte aus dem Berchtesgadener Land gehört seit 2013 dem Landtag an.

Ihr Terrain war bislang die Sozial- und Wissenschaftspolitik. Aber die 40-jährige CSU-Politikerin schätzt die Handwerkskunst und die regionalen Spezialitäten der Metzger im Freistaat. Dass es ihr damit ernst ist, zeigt die Förderzusage, die sie nach intensiver Lobbyarbeit des Fleischerverbands Bayern für Investitionen in den Tierschutz gab. Was dabei ihr Ziel ist, verrät die Ministerin im Gespräch mit der afz - allgemeine fleischer zeitung und fleischwirtschaft.de.

Frau Kaniber, in Ihrem Amt machen Sie sich insbesondere für regionale Spezialitäten, handwerkliche Herstellung und gelebten Genuss stark. Wo kaufen Sie Ihr Fleisch?

Michaela Kaniber: Natürlich kaufe ich bei unserem handwerklichen Metzger bei mir zu Hause ein, den ich kenne und dem ich vertraue. Ihm durfte ich auch schon beim Wurstmachen und Fleischzerlegen über die Schulter schauen.

Und welchen Stellenwert haben regionale Lebensmittel, ihre Erzeuger und Vermarkter in Ihrem politischen Handeln?

Kaniber: Einen sehr großen. Ich will den Absatz regionaler Lebensmittel und unserer bayerischen Premiumprodukte weiter voranbringen. Denn das ist eine große Chance für unseren ländlichen Raum, für die bäuerlichen Familienbetriebe ebenso wie für das regionale Genusshandwerk und die Gastronomie. Die Verbraucher wollen zunehmend wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie sie erzeugt wurden. Sie wissen den Mehrwert regionaler Produkte wie Frische, kurze Transportwege, hohe Qualität und Transparenz immer mehr zu schätzen. Wenn wir jetzt noch mehr Verbraucher dazu bringen, das auch finanziell entsprechend zu honorieren, dann profitieren davon alle. Und um speziell das regionale Handwerk zu stärken, habe ich auch die Initiative ‚HeimatUnternehmen‘ gestartet.

Für Investitionen in den Tierschutz bekommen Metzger künftig einen Zuschuss aus dem Programm VuV. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Kaniber: Kleinere handwerkliche Betriebe können bei technischen Neuerungen gegenüber den größeren Konkurrenten häufig nur schwer mithalten. Sie werden bei den Kosten oft überproportional belastet. Ein Beispiel ist die Betäubung von Tieren mit modernsten Geräten bei der Schlachtung. Mit der Förderung möchte ich die regionalen Metzger im ländlichen Raum unterstützen und als wichtigen Partner der Landwirtschaft erhalten.

Bei welchen Themen können die Fleischer außerdem auf Ihre Unterstützung zählen?

Kaniber: Seit heuer profitieren die Metzger im Freistaat neben dem VuV-Programm auch von unserer Marktstrukturförderung. Damit können wir erstmals Investitionen kleiner regionaler Metzgereien unterstützen. Darüber hinaus setzt sich mein Haus seit vielen Jahren mit Nachdruck dafür ein, die Rahmenbedingungen für das Lebensmittelhandwerk zu verbessern. Mit der Imagekampagne ‚Ihre Regionalen Genusshandwerke‘ informieren wir beispielsweise über die Vorteile handwerklich hergestellter Lebensmittel und die Attraktivität einer Ausbildung.

Umgekehrt: Welche Hausaufgaben haben die Handwerksmetzger Ihrer Meinung nach dafür zu erledigen?

Kaniber: Bayern ist mit rund 3.400 Betrieben und etwa 2.000 Filialen bundesweit das Land mit den meisten Metzgern. Damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen die regionalen Metzgerbetriebe weiterhin auf ihre individuellen Stärken setzen und sich mit ihren Produkten klar von der industriellen Konkurrenz abheben. Der Trend zu Frische, Qualität und kurzen Wegen ist hier eine große Chance. Denn mit ihrer Handwerkskunst und den regionalen Spezialitäten bieten sie genau das, was der Verbraucher wünscht. Insofern sehe ich optimistisch in die Zukunft.

„Der Trend zu Frische, Qualität und kurzen Wegen ist eine große Chance. “
Die Premiumstrategie für Lebensmittel soll den Absatz hochwertiger Spezialitäten aus dem Freistaat ankurbeln. Wie wollen Sie diese Strategie vorantreiben?

Kaniber: Unsere Premiumstrategie kommt ausgesprochen gut an – sowohl in der Fläche als auch bei den beteiligten Partnern. Eindrucksvoller Beleg ist die positive Resonanz und das große Engagement der Akteure in den 100 Genussorten. Diese erfolgreichen Ansätze werden wir gezielt aufgreifen, unterstützen und weiterentwickeln. Ziel ist es, das Bewusstsein der Verbraucher dafür noch stärker zu schärfen. Auch das Kursangebot der Genussakademie wollen wir ausweiten. Und Ende des Jahres wird ein Kulinarischer Genussführer zu den 100 bayerischen Genussorten erscheinen.

Apropos Strategie: Die großen Vieherzeugerländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen feilen derzeit an Tierhaltungsstrategien. Wäre das für den Freistaat ebenfalls sinnvoll?

Kaniber: Mit unserer Initiative für tiergerechte Haltungsbedingungen gehen wir einen eigenen Weg. Unter anderem haben wir einen ‚Runden Tisch für tiergerechte Nutztierhaltung‘ mit Vertretern verschiedener Verbände und Organisationen etabliert und die Investitionsförderung gezielt auf das Tierwohl ausgerichtet. Und auch bei Forschung und Bildung legen wir den Fokus verstärkt auf das Thema.

Ab 2019 ist bei der chirurgischen Kastration von Ferkeln eine Betäubung zwingend vorgeschrieben. Noch ringt die Wirtschaft um den richtigen Weg. Ohne das ‚schwedische Modell‘ der lokalen Betäubung scheint der Ausstieg kaum machbar – zumindest nicht, ohne einen Strukturbruch in der kleinteiligen Landwirtschaft Süddeutschlands zu riskieren. Sie hatten sich schon frühzeitig für den ‚vierten Weg‘ stark gemacht. Wird der kommen?

Kaniber: Das hoffe ich sehr. Wir brauchen jetzt rasch ein Verfahren, das den Interessen von Landwirten, Verbrauchern und Tierschutz gleichermaßen gerecht wird und auch umsetzbar ist. Der sogenannte vierte Weg wäre gerade für kleinere Ferkelerzeugerbetriebe eine praktikable, tierschutzgerechte und bezahlbare Lösung. Teure Verfahren unter Vollnarkose sind für kleine Betriebe einfach nicht wirtschaftlich. In Süddeutschland wären viele Betriebe damit gezwungen, die Ferkelerzeugung aufzugeben. Das liegt weder im Interesse der Landwirte, noch der Verbraucher.

Eckpunkte des Förderprogramms VuVregio/VuVöko

Beginn erst nach Bewilligung

Mindestinvestitionsvolumen (netto) für Elektro-Betäubungszangen: 5.000 Euro

Mindestinvestitionsvolumen (netto) für anderes: 25.000 Euro

Fördersatz konventionell: 20%

Fördersatz bei 100% Öko: 30%

Max. förderfähige Ausgaben (netto): 250.000 Euro

Zahlungsantrag nach

Inbetriebnahme möglich

Inbetriebnahme der Betäubungszangen vor Dez. 2019
Weitere Informationen auf der Webseite des Landwirtschaftsministeriums.

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