Deutscher Fleischer-Verband Fleischer pflegen US-Freundschaft

Donnerstag, 08. August 2019
Besucher der „Annual Convention“ der AAMP, dem amerikanischen Verbandstag der Fleischer. Das Interesse der Amerikaner am deutschen Fleischerhandwerk ist groß.
Foto: DFV
Besucher der „Annual Convention“ der AAMP, dem amerikanischen Verbandstag der Fleischer. Das Interesse der Amerikaner am deutschen Fleischerhandwerk ist groß.

Eine DFV-Delegation besucht die Verbandstagung der Berufskollegen in den Vereinigten Staaten. Interesse an deutscher Wurstkultur. Übergabe der IFFA-Pokale.
Die American Association of Meat Processors (AAMP) lässt sich am besten als der nordamerikanische Fleischerverband beschreiben, quasi das Gegenstück des Deutschen Fleischer-Verbands in den Vereinigten Staaten. Zwischen DFV und AAMP besteht schon seit einigen Jahren eine informelle Partnerschaft. Im Mai war eine große Delegation amerikanischer Verbandsmitglieder zur IFFA nach Deutschland gereist. Unter anderem, um die Auszeichnungen des gemeinsamen Qualitätswettbewerbes entgegenzunehmen, der im Januar im US-Bundesstaat Wisconsin stattgefunden hatte. Die Amerikaner hatten aber auch Fachleute mit nach Frankfurt am Main gebracht, die den Standbesuchern des DFV während der gesamten IFFA die neuesten US-Steakschnitte und die handwerkliche Herstellung von haltbaren Rindfleisch-Snacks, sogenanntem Beef-Jerky und Snack-Sticks, nahebrachten.
Qualitätsprüfung DFV Eckhart Neun
(Bild: DFV)

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Nun war eine Abordnung des DFV auf der „Annual Convention“, dem Verbandstag der AAMP, zu Gast, um dort deutsches Fleischer-Fachwissen zu vermitteln. Auf der mehrtägigen Veranstaltung, die in Mobile im Bundesstaat Alabama stattfand, zeigten die Deutschen nicht nur praktische Arbeiten, sondern ermöglichten auch Einblicke in die Organisation, den Tagesablauf oder die Ausbildung in deutschen Handwerksbetrieben.

DFV-Vizepräsident Eckhart Neun fesselte die rund hundert Besucher mit seinem Vortrag über die bewegte Entstehungsgeschichte seines Familienbetriebs, insbesondere aber mit dem Thema mobiler Verkauf, auf den er sich schon früh nach der Übernahme des Unternehmens von seinem Vater spezialisiert hatte. Neun zeichnete den Strukturwandel im ländlichen Raum und im Fleischerhandwerk am Beispiel seines eigenen Betriebs ausführlich nach. Gleichzeitig gab er den Anwesenden viele wertvolle Hinweise für die Umsetzung einer Unternehmensstrategie, die einerseits mit starker Urbanisierung und Landflucht zu kämpfen hat und andererseits aber auch vom aufkommenden Interesse wohlhabender städtischer Kundschaft an hochwertigen und handwerklich hergestellten Lebensmitteln profitiert.

Großes Interesse an Wurstkultur

Fachwissen aus erster Hand vermittelten die beiden Teammitglieder der Nationalmannschaft, Hannah Gehring und Franz Gawalski, die – unterstützt von Eckhart Neun und DFV-Technologen Axel J. Nolden – deutsche Fleischerzeugnisse vor Publikum herstellten. Besonderen Wert legten die deutschen Experten dabei auf die Vermittlung der traditionellen Produktionstechnologie, insbesondere der fachgerechten Brätherstellung, die vielen amerikanischen Fleischern bisher weitgehend unbekannt war. Einfach nachvollziehbare Produkte und Rezepturen sollten die US-Kollegen zudem zum Nachmachen anregen.
Die Delegation des DFV (von links): Pressesprecher Gero Jentzsch, Technologieberater Axel J. Nolden, Franz Gawalski, Carolin Gericke, Hannah Gehring und Vizepräsident Eckhart Neun.
Foto: DFV
Die Delegation des DFV (von links): Pressesprecher Gero Jentzsch, Technologieberater Axel J. Nolden, Franz Gawalski, Carolin Gericke, Hannah Gehring und Vizepräsident Eckhart Neun.
Alle im Rahmen dieses Programmpunkts hergestellten Produkte – klassische Thüringer Rostbratwurst, Münchner Weißwurst, Fleischkäse und zwei Arten gefüllter Braten – wurden anschließend zubereitet und vom Publikum verkostet. Als besonderen Höhepunkt zauberte Hannah Gehring zum Abschluss verschiedene Kanapees und originelle Wraps. Auch der Vortrag der jungen Fleischermeisterin aus der Nationalmannschaft über die wichtigsten Regeln der Thekengestaltung brachte den US-Fleischern wertvolle Informationen, die sie in ihren Betrieben praktisch umsetzen können.

Das große Interesse der anwesenden Fleischer äußerte sich in den zahlreichen Gesprächen und Rückfragen während der und nach den einzelnen Programmpunkten sowie während des gesamten AAMP-Verbandstags. DFV-Pressesprecher Gero Jentzsch, der die Veranstaltungen moderierte, gab den zahlreichen Gästen einen umfassenden Überblick über die deutsche Wurstkultur im Allgemeinen, ihre typischen und ausgefallenen Produkte, die duale Ausbildung und den Weg zum Fleischermeister, aber auch über die Schwierigkeiten, mit denen die Handwerksbetriebe hierzulande zu kämpfen haben.

Dabei zeigte sich, dass Bürokratie und Fachkräftemangel auf beiden Seiten des großen Teichs existieren und vor allem den kleinen und mittleren Betrieben zu schaffen machen. Ein Beispiel, wie man in Deutschland den gesetzlichen Anforderungen genügen und zudem einen Mehrwert für die Verbandsmitglieder schaffen kann, dokumentierte DFV-Mitarbeiterin Carolin Gericke. Sie berichtete ausführlich über die hessische Qualitätsprüfung und die damit verbundene Selbstkontrolle der fleischerhandwerklichen Betriebe. Gericke, die beim DFV für die Organisation und Auswertung aller Arten von Produktwettbewerben zuständig ist, brachte den Zuschauern die einfache und praxisorientierte Methode der „Hessenprüfung“ nahe und regte ihr Publikum ausdrücklich zum Nachahmen an.

IFFA-Pokale überreicht

Außerdem nutzten die Vertreter von DFV und AAMP die dem Verbandstag angeschlossene Fachausstellung zur Übergabe von Pokalen, Medaillen und Urkunden, die amerikanische Mitgliedsbetriebe bei den IFFA-Qualitätsprüfungen erworben hatten, im Mai in Frankfurt aber nicht überreicht wurden. Vizepräsident Eckhart Neun ehrte zusammen mit dem scheidenden AAMP-Präsidenten Chad Lottman eine Reihe von Betrieben für ihre herausragenden Produkte.

Die amerikanisch-deutsche Fleischerfreundschaft soll nach den Vorstellungen von DFV-Vize Neun, dem neugewählten AAMP-Präsidenten Rick Reams sowie dessen Hauptgeschäftsführer Chris Young weiter gepflegt werden. Fest geplant sind eine weitere gemeinsame Qualitätsprüfung sowie ein Deutschlandbesuch im IFFA-Jahr 2021. Vorher sollen kleinere Austausche stattfinden. Auch der Juniorenverband des deutschen Fleischerhandwerks hat schon Kontakt zu den US-Kollegen aufgenommen. Eine Fachexkursion wird die Junioren im Jahr 2020 ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ führen.
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