Interessenvertretung Hoher Besuch an der Theke

Mittwoch, 26. Februar 2020
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretzschmer nahm sich Zeit für den Gedankenautausch mit Nora Seitz, DFV-Vizepräsidentin und Landesinnungsmeisterin des SFIV im Freistaat Sachsen.
Foto: Seitz
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretzschmer nahm sich Zeit für den Gedankenautausch mit Nora Seitz, DFV-Vizepräsidentin und Landesinnungsmeisterin des SFIV im Freistaat Sachsen.

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer kommt zum Erfahrungsaustausch in die Fleischerei Thiele.

Wer Nora Seitz kennt, kann sich nur schwer vorstellen, dass die couragierte wie engagierte Fleischermeisterin allzu schnell weiche Knie bekommt. Spätestens seitdem die Chemnitzerin 2016 zur Vizepräsidentin des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) gewählt wurde, ist sie bundesweit in der Branche ein Begriff. Obwohl sie für gewöhnlich entschlossen ihre Meinung in der Öffentlichkeit vertritt, war ihr unlängst nach einer Wortmeldung bei einer Veranstaltung in der Chemnitzer Stadthalle plötzlich flau im Magen. Schließlich hatte ihr eher zufälliger Beitrag zur Folge, dass kurz darauf Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer für einen ausgiebigen Plausch in ihrem Chemnitzer Betrieb vorbeischaute. Wie es genau dazu kam, solch hohen Besuch hinter der Theke zu empfangen, verriet Seitz, frisch gebackener Landesinnungsmeister des Sächsischen Fleischer-Innungs-Verbands (SFIV), am Rande des zweiten Mitteldeutschen Verbandstag im thüringischen Eisenach. 

„Es war ein Adventssamstag und ich wollte gerade auf den Weihnachtsmarkt gehen, als mich eine Freundin ansprach, doch stattdessen mit in die Stadthalle zu kommen. Dort sollte Ministerpräsident Kretschmer den neu ausgearbeiteten Koalitionsvertrag vorstellen“, erinnert sich Seitz. Gesagt, getan. Von dem, was sie dort zu hören bekam, war die Fleischermeisterin nur sehr wenig angetan: „Um nur ein Beispiel zu nennen: Ein Meisterbonus in Höhe von 2.500 Euro stellt heutzutage offen gesagt keinen ernsthaften Anreiz dar.“ So begannen, wie üblich in solchen Situationen, ihre Gedanken zu kreisen. „Mir wird immer wieder gesagt, dass man mir deutlich ansieht, wenn es in mir rumort“, erklärt sie mit einem Lächeln. Und so wurde sie letztlich aufgefordert, ihre Meinung in der Runde kund zu tun.

Ihre Worte hinterließen augenscheinlich Eindruck beim Landesvater. So kam der CDU-Politiker unmittelbar nach der Veranstaltung auf Seitz zu. „In dem Moment war mir kurzzeitig etwas komisch zu Mute und ich dachte, was habe ich nur gesagt“, gesteht sie. Kretschmer suchte den Kontakt zur Fleischerin, um einen gemeinsamen Termin zu vereinbaren, bei dem sie das Thema weiter vertiefen könnten. „Direkt am nächsten Montag rief mich sein Büro an und wir verständigten uns auf ein Gespräch bei mir im Geschäft“, so Seitz. Da alles so überraschend gekommen sei, habe sie den Termin im Vorfeld nicht publik machen wollen, für den Fall, dass er kurzfristig abgesagt werde.

Am 20. Januar war es letztlich soweit. Ministerpräsident Kretschmer bevorzugte seinerseits ebenfalls einen kleinen, intimen Rahmen und kam lediglich in Gesellschaft des Chemnitzer Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich. Gut anderthalb Stunden nahm er sich Zeit für das Gespräch in unserer Fleischerei Thiele. „Ich war wirklich überrascht, wie ausführlich wir über die Spannungspunkte der Fleischerbranche sprechen konnten“, zeigt sich Seitz beeindruckt. Im Zuge des Treffens lud Kretschmer überdies die sächsischen Obermeister für eine offene Gesprächsrunde zu sich in die Staatskanzlei ein. „Es ist wichtig, dass wir uns als Branche direkt an die Politik wenden. Allerdings reicht das inzwischen nicht immer aus. Wir müssen das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen und sollten uns dabei ein Beispiel an den Bauern nehmen“, resümiert die DFV-Vizepräsidentin. Schließlich genüge es nicht, nur über Veränderungen zu diskutieren, das Handwerk müsse sie auch spüren.

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