Deutscher Fleischer-Verbandstag Auf Augenhöhe mehr erreichen

Dienstag, 23. Oktober 2018
Starke Beteiligung: 175 Teilnehmer zählte die Mitgliederversammlung des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) in Hamburg.
Foto: jus
Starke Beteiligung: 175 Teilnehmer zählte die Mitgliederversammlung des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) in Hamburg.

DFV-Mitgliederversammlung in Hamburg. Delegierte diskutieren das Beitragswesen.

von Jörg Schiffeler und Sandra Sieler

Präsident Herbert Dohrmann eröffnete die Mitgliederversammlung des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) mit einem kurzen Rückblick. In vielen Themenfeldern hat das Fleischerhandwerk seine Interessen gegenüber Behörden, Politik und weiteren Wirtschaftspartnern mit Erfolg platzieren können.

Dohrmann verwies hierbei insbesondere auf das Zusammenrücken mit der Spitze des Deutschen Bauernverbands (DBV). „Hier haben wir echte Erfolge vorzuweisen“, bekannte Dohrmann. Beispielhaft nannte er den Leitsatz für vegane und vegetarische Fleischersatzprodukte im Deutschen Lebensmittelbuch. Die von DFV und DBV eingeleitete Initiative führte schließlich zu einem zufriedenstellenden Ergebnis für die Metzger hierzulande. Ebenfalls an einem Strang ziehen die Fleischer mit der Landwirtschaft, um eine Fristverlängerung bei der betäubungslosen Kastration von Ferkeln zu erreichen.

Einmischen und fordern

Die guten Kontakte zum Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft will der DFV nutzen, um die öffentliche Darstellung einer gesunden Ernährung mit Nachdruck zu verbessern. Bundesbehörden wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) und das ihr zugeordnete Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) hätten die Pflicht über eine ausgewogene Ernährung zu informieren. Stattdessen sei eine gewisse Einseitigkeit festzustellen, beklagte der Präsident. An der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Reduktionsstrategie für Fett, Salz und Zucker beteiligen sich die Fleischer, verkündete Dohrmann.

Es sei wichtig die Themen der Zeit sowohl mit politischen als auch mit gesellschaftlichen Interessensgruppen auf Augenhöhe zu diskutieren und praxisnahe Lösungen für die Fleischer zu erzielen. Das gelte auch für den viel beschworenen Abbau der Bürokratie. Hier beteiligt sich der DFV an einem im Kanzleramt zugeordneten Pilotprojekt. Es sieht vor, alle bürokratischen Abläufe einer Metzgerei zu erfassen und die Summe der Belastungen zu bewerten.
DFV-Tag 2018 - Dohrmann Fuchtel Fuchs
(Bild: si)

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Fleischerhandwerk Politisches Schwergewicht

Kritik an Dynamisierung

Der vor einem Jahr gefasste Perspektivbeschluss ist auch aktuell ein großes Thema für die in Innungen organisierten Fleischer. Das seinerzeit starke Votum für einen ersten Schritt zur Zukunftssicherung stärkte Präsident Herbert Dohrmann und seine Vizepräsidenten Ammon, Durst, Neun und Seitz sowie der Geschäftsstelle in Frankfurt den Rücken. Die Möglichkeit der Direktmitgliedschaft beim Bundesverband erforderte nun eine neue Beitragsordnung.

Das sorgte für umfangreichen Redebedarf. Hierzu lagen gleich vier Anträge zur Abstimmung vor. Der Landesinnungsverband Sachsen hatte gemeinsam mit Sachsen-Anhalt und Thüringen drei davon eingereicht, die Sachsens Landesinnungsmeister Thomas Keller den Kollegen erläuterte.

  • Erstens: Der DFV solle sich beim ZDH dafür einsetzen, dass auch die Mitgliedschaft in den Fachverbänden zur Pflicht erklärt wird.
  • Zweitens: Die wesentlichen Kosten der Kreishandwerkerschaften sollten künftig von den Kammern finanziert werden, nicht mehr durch Mitgliedsbeiträge.
  • Drittens: Für den Fall, dass die ersten beiden Ziele erreicht sind, sollte die Dynamisierung der DFV-Beiträge, die sich an der Inflation und dem Mitgliederschwund orientiert, ausgesetzt werden.



Das forderte auch der vierte Antrag, den die Innung Rhein-Erft eingereicht hatte. Das Instrument sei vor dem Hintergrund anhaltender Betriebsschließungen eingeführt worden. Inzwischen habe man aber die Austritte ganzer Innungen finanziell abzufedern. Das übersteige die Kapazität seiner Mitglieder, unterstrich Obermeister Wolfgang Axer. Die Anträge wurden nach Beratungen der Landesverbände abgelehnt.

„Ich weiß, dass wir etwas an unseren Strukturen ändern müssen. “
Herbert Dohrmann, DFV-Präsident
Von der Mitgliederversammlung nahm Präsident Dohrmann den Auftrag an, die breite Kritik an der Dynamisierung der Beiträge ernst zu nehmen und nach Lösungen zu suchen. Dohrmann erinnerte daran, dass die Potsdamer Beschlüsse nur ein Anfang waren, den DFV fit für die Zukunft zu machen. Der gastgebende Obermeister, DFV-Vizepräsident Michael Durst, ermutigte die Delegierten, die Themen Finanzen und Organisationsstrukturreform anzunehmen und Verantwortung zu zeigen. „Hier müssen wir in die Puschen kommen und ernsthafter miteinander kommunizieren“, forderte der Hamburger Innungschef mit Blick auf den Zusammenschluss der Landesverbände Hamburg, Niedersachsen-Bremen und Schleswig-Holstein.

Die politische Interessenvertretung des Fleischerhandwerks sei nicht mit Geld aufzurechnen, ergänzte Dohrmann. Er appellierte an die Kollegen zusammenzustehen, denn niemand außer dem Verband finde politisches Gehör – nicht in Berlin und nicht in Brüssel. Die Jahresrechnung 2017 sowie den Haushaltsplan 2019 nahmen die Delegierten schließlich an. Letzterer erwartet für das kommende Jahr 5.300 Mitglieder. Unter Berücksichtigung des Abschmelzungsprozesses und der Inflationsrate steigen die Beiträge auf jährlich 281 Euro.
Die Versammlung wählte den Thüringer Landesinnungsmeister Thomas Hönnger in den Gesamtvorstand des DFV. Das Votum war erforderlich geworden, weil der Fleischerverband Thüringen im Januar diesen Jahres einen Wechsel an der Spitze vollzogen hatte.

Der Deutsche Fleischer-Verbandstag 2019 findet am 13. und 14. Oktober in München statt.

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