Wilke-Wurst Zu wenig Kontrollen

Montag, 18. November 2019
Der Fleischverarbeiter Wilke wurde laut Abschlussbericht des hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nur alle drei Monate überprüft.
Foto: uk
Der Fleischverarbeiter Wilke wurde laut Abschlussbericht des hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nur alle drei Monate überprüft.

Im Abschlussbericht des hessischen Verbraucherschutzministeriums kommen die Behörden vor Ort nicht gut weg. Das am Montag in Wiesbaden vorgestellte Papier vermittelt den Eindruck, dass der Landkreis mit den Gegebenheiten beim Wursthersteller Wilke überfordert war, zu falschen Einschätzungen kam und die angeordneten Maßnahmen nicht mit dem gebotenen Nachdruck durchsetzte.
An den Beginn ihres Berichts stellte Ministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) allerdings die Vermutung, dass der Lebensmittelunternehmer seiner Verantwortung nicht nachgekommen ist und sogar mit krimineller Energie gehandelt habe. Die mangelnde Vernetzung zwischen den einzelnen Ebenen der Überwachung vom Kreis bis zum Bund hatte wohl ebenfalls ihren Anteil daran, dass die Missstände in dem Produktionsbetrieb und deren Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit nicht früher ans Licht kamen. Inzwischen werden mit dem Listerienfund bei Wilke mehr als 30 Krankheits- und Todesfälle in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel prüft derzeit diese Zusammenhänge.

Frühzeitig erkennen, konsequent handeln

Um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden, hat das hessische Ministerium einige Punkte identifiziert, bei denen es nachbessern will. Diese fußen auf den Berichten des zuständigen Landkreises Waldeck-Frankenberg, des Regierungspräsidiums Kassel sowie einer Prüfung der Vorgänge im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klima, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. „Die Auswertung der Unterlagen zum Fall Wilke zeigen, dass eine gut aufgestellte kommunale Lebensmittelüberwachungsbehörde, eine Stärkung der Fachaufsicht, eine Stärkung des landesweiten Expertenpools zu speziellen Fragestellungen (Task-Force Lebensmittelsicherheit), sowie eine umfassende Kommunikation der Behörden untereinander der Schlüssel sind für eine starke und erfolgreiche Lebensmittelüberwachung“, kommentiert Priska Hinz die Ergebnisse.
Wilke
(Bild: imago)

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Unter anderem soll die Fachaufsicht ein uneingeschränktes Weisungsrecht erhalten und personell verstärkt werden. Die Frequenz für Kontrollen der Zulassungsbehörde soll auf mindestens eine unangemeldete Prüfung pro Jahr festgesetzt werden und bei Verdachtskontrollen das Vier-Augen-Prinzip von Landkreis und übergeordneten Behörden gelten. Außerdem sollen Leitfäden die Beurteilung der Eigenkontrollen, die angemessene Nachverfolgung angeordneter Maßnahmen sowie die Berichterstattung der Kreise erleichtern und sicherstellen. Auf Bundesebene regt Hinz die Schaffung einer zentralen Datenbank für die Ergebnisse der Genomsequenzierung von Erregern aus Lebensmitteln und von erkrankten Menschen an. Gleichzeitig hält die Ministerin die Landkreise an, ihrerseits für ausreichend Personal in der Lebensmittelüberwachung zu sorgen.

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