Lebensmittelverluste: Fast die Hälfte fällt i...

BERLIN Fast die Hälfte der globalen Lebensmittelverluste fällt bereits auf der Ebene der Landwirtschaft an.

Das ist ein Ergebnis der Studie „Driven to Waste“, die heute von der Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) und dem britischen Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen Tesco vorgelegt wurde. Demnach werden weltweit jedes Jahr schätzungsweise 2,5 Mrd. t Lebensmittel verschwendet, anstatt verzehrt zu werden. In der Landwirtschaft gehen der Studie zufolge vor, während und direkt nach der Ernte 1,2 Mrd. t der Nahrungsmittel verloren. Insgesamt erreichten etwa 40 Prozent der globalen Lebensmittelproduktion keinen Menschen; die für diesen Anteil der Erzeugung verwendete Fläche entspricht nach Angaben der Umweltorganisation mit rund 4,5 Mio km2 dem Gebiet der Europäischen Union.
Bislang wurde die weltweite Lebensmittelverschwendung laut WWF von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf 1,2 Mrd. t geschätzt. Der jetzt ermittelte Anstieg resultiere aus erstmals vorgenommenen Schätzungen für die Verluste vor und während der Ernte beziehungsweise vor der Schlachtung. Zudem sei das Volumen der Lebensmittelproduktion seit 2011 deutlich angestiegen.

Verluste auf Ebene der landwirtschaftlichen Produktion sind nach Angaben des WWF in vielen Ländern oft nicht als Lebensmittelabfälle definiert. Gemäß der EU-Abfallrahmenrichtlinie gälten Verluste vor und während der Ernte sowie bei der Aufzucht von Tieren nicht als Lebensmittelabfälle; auch die deutsche Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelabfälle richte sich danach. „Die Ergebnisse des Berichtes zeigen, dass wir die gesamte Lebensmittelversorgungskette in die Pflicht nehmen müssen, damit bereits im ersten Glied der Nahrungskette weniger verloren geht“, so die WWF-Ernährungsreferentin Tanja Dräger de Teran.

Dem WWF zufolge blendet die Politik derzeit „per Definition“ Verluste aus, die rein systembedingt sind und unabhängig von Wetter oder Schädlingen entstehen. Dazu gehörten beispielsweise Überschüsse, die daraus resultierten, dass Vertragslieferanten ausreichend Qualitätsware garantieren müssten. Preisschwankungen könnten etwa dazu führen, dass es bei gefallenen Erzeugerpreise kostengünstiger sei, die Ernte unterzupflügen anstatt einzubringen.

Ebenfalls nicht erfasst werden von der EU-Richtlinie nach Angaben des WWF Lebensmittel, die noch als Tierfutter oder für die industrielle Nutzung verwendet werden. „Mit Blick auf den Energieaufwand gehören tausende Tonnen von Toastbrot-Endscheiben von frisch gebackenem Brot mit in den Verkauf, anstatt dass sie im Tierfutter landen“, so Dräger de Teran. Nach ihrer Ansicht wird nach der Bundestagswahl dringend eine systematische, regelmäßige und vergleichbare Erfassung der Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Versorgungskette gebraucht. Gemeinsamer Anspruch im Kampf gegen die Klimakrise und für einen besseren Schutz von Boden und Gewässern müsse es sein, jede Ernte optimal zu nutzen.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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