Ökolandbau: Plagge drängt auf Ausbau
Bioland / Freiraumfoto.de
Auf Schloss Kirchberg trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Verband, Politik und Handel zu einer politischen Matinee anlässlich des Bioland-Jubiläums.
Auf Schloss Kirchberg trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Verband, Politik und Handel zu einer politischen Matinee anlässlich des Bioland-Jubiläums.

KIRCHBERG Für Bioland-Präsident Jan Plagge führt angesichts der bestehenden und künftigen Herausforderungen beim Klima- und Umweltschutz kein Weg an einem weitergehenden Ausbau des Ökolandbaus vorbei.

„Wenn wir den ökologischen Weg nicht schnell genug weitergehen, werden wir es nicht schaffen, den Fortbestand der Menschheit auf unserem Planeten zu sichern“, mahnte Plagge bei einer politischen Matinee zum 50. Geburtstag von Bioland im baden-württembergischen Kirchberg an der Jagst. Die politische Führung müsse anerkennen, dass „Bio“ das Leitbild sei und keine Bedrohung für den konventionellen Food-Sektor bedeute.

Plagge vermisst allerdings in Deutschland ein Ministerium, „das eine stimmige Vorstellung für die gesamte Landwirtschaft im Blick hat und nicht weiterhin glaubt, dass eine Transformation ohne Bio möglich ist“. Allerdings könne man nicht immer nur auf die richtigen Rahmenbedingungen warten, konstatierte der Bioland-Präsident. Bio müsse deshalb weiter vorweggehen, ein Treiber für die gesamte Landwirtschaft sein und als solcher auch anerkannt werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann gratulierte Bioland in einer Videobotschaft „zu einer wahren Erfolgsgeschichte“. Die „Bioländer“ zeigten, dass Landwirtschaft möglich sei und das ohne Gentechnik, ohne Massentierhaltung, ohne chemisch-synthetische Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel, im Einklang mit der Natur, mit gesunden Böden und sauberem Grundwasser, mit artgerechter Tierhaltung, einer intelligenten Kreislaufwirtschaft und strengen Richtlinien und Kontrollverfahren, die weit über den gesetzlichen Mindeststandard für Biolebensmittel hinausgingen. „Wo Bioland draufsteht, ist auch Bio drin“, betonte Kretschmann.

Gesellschaftliche Debatte zum Fleischverzehr

Die grüne Bundestagsabgeordnete Renate Künast warnte davor, die bestehende Agrarpolitik und Wirtschaftsweise trotz des voranschreitenden Klimawandels in weitgehend unveränderter Weise fortzusetzen. Die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin forderte einen „grünen“ Umbau der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und konkrete Maßnahmen, so etwa den Mehreinsatz von Bioprodukten in der Außer-Haus-Verpflegung. „Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser müssen anders einkaufen“, so Künast, die davon ausgeht, dass auch die gesellschaftliche Debatte über die Ernährung mit Fleisch Fahrt aufnehmen wird. Einigkeit zeigten Künast und Plagge beim Thema Gentechnikfreiheit.

Fleisch in der Bedientheke mit Bioland-Auszeichnung.
Sonja Herpich / Bioland
Fleisch in der Bedientheke mit Bioland-Auszeichnung.
Plagge bekräftigte die Bioland-Forderung nach einer Wahlfreiheit für die Verbraucher beim Kauf gentechnikfreier Lebensmittel und unterstrich, dass sich der Verband weiterhin dafür einsetzen werde. „Die Deregulierung der neuen Gentechniken muss verhindert werden“, betonte Plagge mit Blick auf die Vorstellung einer Studie der EU-Kommission zu den Verfahren der neuen Gentechniken.

Aus Sicht von Künast endet der Einsatz der neuen Gentechniken in der Sackgasse. Die Bündnisgrüne warf die Frage auf, warum sich die Landwirtschaft weiter in die Abhängigkeit weniger, großer Unternehmen begeben sollte. Der Grünen-Politikerin zufolge wird Deutschland das in Europa nicht unterstützen, sollte ihre Partei nach der Bundestagswahl in der Regierung sein.

Dynamik setzt sich fort

Der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied, gratulierte zu „50 Jahren erfolgreicher Arbeit“. Er sieht den Ökolandbau nicht als Konkurrenz zur konventionellen Landwirtschaft. „Bio“ sei mittlerweile ein unverzichtbarer Teil der Landwirtschaft mit ständig steigendem Marktanteil. „Diese Dynamik wird sich fortsetzen“, prognostizierte auch Rukwied, der die Veränderungsbereitschaft des Bauernverbandes nochmals bekräftigte. Alle Seiten müssten miteinander über den besten Weg nach vorn diskutieren und gemeinsam die Landwirtschaft weiterentwickeln.

Rukwied verwies auf das „schwierige“ Volksbegehren „Pro Biene“ in Baden-Württemberg, wo man sich an einen Tisch gesetzt, um gemeinsame Lösungen gerungen und mit einer gemeinsamen Position auf die Landesregierung zugegangen sei. „Wir haben hier Beispiellösungen nicht nur für Deutschland, sondern für Europa auf den Tisch gelegt“, betonte Rukwied. Das mache zuversichtlich. Er nannte viele gemeinsame künftige Herausforderungen wie den Klimawandel, die Ernährungssicherung, die Biodiversität und die Nachhaltigkeit.

Der Bauernpräsident zeigte sich zuversichtlich, dass man am Ende des Transformationsprozesses in der Gesellschaft, „der uns Landwirte ganz stark betrifft“, gemeinsam an einem Tisch sitze und nach Lösungen suche. Der DBV-Präsident sieht allerdings die Politik in der Pflicht, diesen Transformationsprozess zu begleiten.

Vorbildfunktion für Europa

Nach Einschätzung der Vorsitzenden des Jungen Biolands, Theresia Kübler, nimmt Deutschland in Europa eine Vorbildfunktion bei der Transformation der Landwirtschaft ein, der man auch gerecht werden müsse. Die Politik müsse dazu „den richtigen Boden bereiten“. Kübler forderte, den Rahmenlehrplan in der Ausbildung der Bauern und Gärtner „Richtung Zukunft“ anzupassen. Daneben seien auch in der Beratung neue Rahmenbedingungen erforderlich.

Laut dem Geschäftsführer der Edeka-Handelsgesellschaft Südwest, Klaus Fickert, gewinnen die Aspekte Nachhaltigkeit und Bioqualität stetig an Bedeutung. Das zeigten auch die Wachstumsraten. „Aber wir glauben: Da geht noch was“, erklärte Fickert. Der Bioland-Landesvorstand Baden-Württemberg, Marcus Arzt, erklärte im Hinblick auf weiter steigende Absatzzahlen für Bioprodukte, dass eine Umstellung allein auf dem Acker nicht ausreiche. Der Bauer müsse sich auch selbst um die Inwertsetzung seiner Arbeit kümmern. Nach seinen Worten tragen neben den Erzeugern bei Bioland mittlerweile mehr als 1.300 Partner aus Herstellung und Handel eine große Verantwortung.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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