Prof. Folkhard Isermeyer: Debatte über Strukt...
Thünen-Institut
Prof. Folkhard Isermeyer
Prof. Folkhard Isermeyer

BERLIN In der Diskusion über die Zukunft der Tierhaltung vermisst der Wissenschaftler eine Debatte über die Tierzahlen und die Größe der Tierbestände. Die Belastung der Verbraucher hält er für vertretbar.

Die Klärung offener Fragen bei der Umsetzung des Borchert-Konzepts zum Umbau der Tierhaltung hat der Präsident des Thünen-Instituts, Prof. Folkhard Isermeyer, angemahnt. „Die Landwirte brauchen eine klare Orientierung“, sagte Isermeyer bei der gestrigen Jahrestagung des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Für den Thünen-Präsident zählt dazu eine Ausrichtung der Stallbauinvestitionen auf die im Borchert-Konzept vorgesehenen Tierwohlstufen 2 und 3, und zwar möglichst ab sofort. Er äußerte die Sorge, dass sich viele zunächst an der Stufe 1 ausrichten könnten und weitergehende Maßnahmen scheuen. Dies werde jedoch nicht dem Ziel der Borchert-Kommission gerecht, die Tierhaltung in Deutschland insgesamt auf ein höheres Niveau zu heben.
„Die Landwirte brauchen eine klare Orientierung“
Prof. Folkhard Isermeyer

Neben einer politischen Entscheidung über die Finanzarchitektur hält Isermeyer eine Diskussion über den künftigen Umfang der Tierhaltung und Bestandsgrößen für erforderlich: „Wir müssen dringend über Strukturen der Tierhaltung nachdenken“, so der Wissenschaftler. Zur Finanzierung der Umbaukosten von 3 bis 4 Mrd. Euro im Jahr ist nach Ansicht Isermeyers neben der Bereitstellung von Haushaltsmitteln eine zusätzliche Belastung der Verbraucher vertretbar. Dabei gehe es um eine Größenordnung von 5 bis 10 Cent pro Mahlzeit.

Das BÖLW-Vorstandsmitglied Dr. Alexander Gerber forderte ebenfalls verlässliche Perspektiven für die Tierhalter. „Die Transformation braucht klare Vorgaben“, bekräftigte er. Für das Borchert-Konzept müsse ein konkreter Umsetzungsplan vorgelegt werden. Die Agrarreferentin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Reinhild Benning, hält angesichts der verschärften Klimaschutzvorgaben eine deutliche Reduzierung der Tierzahlen in Deutschland für unerlässlich.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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