Reduktionsstrategie: Branche hält ihr Verspre...
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"Viel erreicht“, sagt Julia Klöckner. Bei Fleischwaren sieht sie aber noch „Luft nach oben“.
"Viel erreicht“, sagt Julia Klöckner. Bei Fleischwaren sieht sie aber noch „Luft nach oben“.

BERLIN Die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten zeigt Erfolge, es gibt aber weiteren Handlungsbedarf. Dieses Fazit hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) heute bei der Vorstellung der Ergebnisse eines neuen Produktmonitorings gezogen, das vom Max Rubner-Institut (MRI) 2020 in insgesamt vier Produktgruppen durchgeführt worden war.

Mit der auf Selbstverpflichtungen der Hersteller basierenden Reduktionsstrategie sei in „kurzer Zeit viel erreicht“ worden, so die Ministerin. Die Unternehmen müssten bei einigen Produktgruppen aber noch nachbessern. „Zur Not“ müsse der Staat künftig auch regulierend eingreifen.


Mit Blick auf verpackte Wurstwaren und weiteren Fleischerzeugnissen sprach Klöckner von einem „durchwachsenen Ergebnis“. Nur bei vereinzelten Produktuntergruppen wie zum Beispiel Snack-Salamis habe das MRI signifikante Reduktionen der Gehalte an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz festgestellt, so die Ministerin. Insgesamt gebe es noch „Luft nach oben“. Zugleich verwies Klöckner darauf, dass Salz bei Fleischerzeugnissen nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Haltbarkeit relevant sei. MRI-Präsident Pablo Steinberg unterstrich darüber hinaus die Bedeutung des Fettgehalts für den mikrobiologischen Zustand von Fleischwaren. Hier gebe es noch großen Forschungsbedarf. Es bestehe die Möglichkeit, völlig neue Produkte auf den Markt zu bringen.
In Reaktion auf die heutige Vorstellung der Monitoring-Ergebnisse begrüßte der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V. (BVDF) den engen Austausch mit der Branche. BVDF-Präsidentin Sarah Dhem: „Wir freuen uns, dass Frau Bundesministerin Klöckner und das BMEL bei dem Thema in engem Kontakt mit uns als Branchenexperten stehen. Die Unternehmen der Fleischwarenindustrie fühlen sich der Verbrauchergesundheit verpflichtet und sind offen für die weitere Reduzierung von Salz in Fleischerzeugnissen. Dabei suchen wir den engen Schulterschluss mit der Politik, Wissenschaft und Forschung, um so gemeinsam wirksame, praktikable Handlungsempfehlungen zur Salzreduktion zu erarbeiten.“

Die Branche hält ihr Versprechen, befindet auch der Lebensmittelverband Deutschland e. V. Der Monitoringbericht zeige, dass nicht nur die Unternehmen der beteiligten Wirtschaftsverbände intensiv daran arbeiten, die Prozess- und Zielvereinbarungen zur Reduktion von Zucker und Salz umzusetzen, sondern zusätzlich auch Hersteller anderer Lebensmittelkategorien ihre Produkte stetig entsprechend der sich ständig ändernden Wünsche Verbraucher optimierten. Dies beinhalte auch die Weiterentwicklung der Rezepturen auf freiwilliger Basis, einschließlich der Fortentwicklung der Produktzusammensetzung hinsichtlich des Salz-, Fett-, Zucker- oder Energiegehalts, wo dies sinnvoll und technologisch möglich ist.
„Die Reduktions- und Innovationsstrategie ist eine gemeinsame Initiative von Wirtschaft und Politik und zeigt, wie konstruktiv und erfolgreich ein Dialog auf Augenhöhe sein kann“, kommentiert Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschland. Die Gesundheitsvorsorge der Menschen zu stärken sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Wirtschaft rede dabei nicht nur und stelle Forderungen auf „wie manch andere am Runden Tisch“, sondern sie handele.

„Aber es gibt eben auch Grenzen des Machbaren“, stellte auch der Hauptgeschäftsführer klar. Die Reduktionsstrategie dürfe nicht die Lebensmittelsicherheit aushebeln. Minhoff: „Die Salzreduktion bei Fleisch hat beispielsweise direkten Einfluss auf die Haltbarkeit und Sicherheit des Produkts und damit auf die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher.“

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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