Schweinehaltung: Grüne fordern Exit-Plan
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Miriam Staudte ist im Niedersächsischen Landtag stellvertretede Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Miriam Staudte ist im Niedersächsischen Landtag stellvertretede Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

HANNOVER In Niedersachsen hat die Landtagsfraktion der Grünen Ende März die Landesregierung im Rahmen eines Entschließungsantrags aufgefordert, schweinehaltende Betriebe beim Umstieg auf landwirtschaftliche Alternativen finanziell zu unterstützen.

Wie die Oppositionspartei in Hannover erklärte, sollen die Schweinebestände damit nachhaltig abgebaut und die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe erhalten werden. Damit solle auf die veränderte Marktsituation reagiert werden. Wegen des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Wildschweinbeständen in Brandenburg und Sachsen im Spätsommer 2020 hätten viele Nicht-EU-Länder Importbeschränkungen für deutsches Schweinefleisch erlassen, so die Grünen. Außerdem hätten die Coronavirus-Infektionen von Mitarbeitern deutscher Schlachthöfe einen zeitweise rund eine Million Tiere umfassenden „Schweinestau“ zur Folge gehabt, der auf die Schlachtschweinepreise gedrückt habe.

Darüber hinaus erlebe Deutschland zurzeit den stärksten inländischen Nachfragerückgang nach Schweinefleisch seit Beginn der Aufzeichnung vor mehr als 30 Jahren. Der Pro-Kopf-Verbrauch sei 2020 im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Kilogramm auf 32,8 Kilo Schweinefleisch gesunken. Laut der agrarpolitischen Sprecherin der Grünen, Miriam Staudte, kehren im Zuge dieses „beispiellosen Strukturbruchs“ vor allem die kleinen Betriebe der Landwirtschaft dauerhaft den Rücken. „Dies befördert nicht nur Fehlentwicklungen in der Agrarstruktur, sondern ist häufig auch mit großen persönlichen Schicksalen verbunden“, erläuterte Staudte. Vor diesem Hintergrund sei ein sozialverträglicher Abbau der Schweinebestände vonnöten.
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) kritisierte den Entschließungsantrag der Grünen als „Effekthascherei“. Die Bundestagsparteien hätten sich bereits im Sommer vergangenen Jahres einhellig zu einer nationalen Nutztierstrategie bekannt, dem sogenannten Borchert-Plan. Auf Länderebene gebe es längst entsprechende Pendants wie die niedersächsische Nutztierstrategie. „Wer es ehrlich mit der Weiterentwicklung der Betriebe meint, der setzt alles daran, die Probleme zu lösen und richtet den Fokus auf die aktiven Betriebe. Alle anderen denken laut über Exitstrategien für heimische Betriebe nach und sorgen so dafür, dass das Fleisch künftig - zu welchen Standards auch immer - aus dem Ausland kommt“, stellte ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack klar.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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