Tiergesundheit: Wenig über Arzneieinsatz beka...
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Über den Nutzen des Einsatzes von Tierarzneimitteln gibt es laut einer Befragung Wissenslücken.
Über den Nutzen des Einsatzes von Tierarzneimitteln gibt es laut einer Befragung Wissenslücken.

BONN Den Bürgern in Europa fehlt zum Teil in wichtigen Bereichen das Wissen über die Regeln und Vorschriften zur Verwendung von Arzneimitteln in der Tierhaltung.

Andererseits wird der Nutzen des Einsatzes von Tierarzneimitteln zunehmend anerkannt. Das hat nach Angaben des Bundesverbands für Tiergesundheit (BfT) eine aktuelle Umfrage gezeigt, die der europäische Verband der Tiergesundheitsindustrie (AnimalHealthEurope) durchgeführt hat. Befragt wurden rund 6.000 Bürger aus Schweden, Norwegen, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Ein Anteil von 40 Prozent der Befragten denke beispielsweise, dass Biobetriebe keine Antibiotika zur Therapie einsetzen dürften, berichtete der BfT am Montag in Bonn. Außerdem hätten 59 Prozent nicht gewusst, dass der Einsatz von Hormonen als Wachstumsförderer in der Landwirtschaft in Europa nicht erlaubt sei, und 62 Prozent sei nicht bekannt, dass die Verwendung von Antibiotika als Wachstumsförderer in der Nutztierhaltung ebenfalls verboten sei.

Zudem hätten einige Befragte Bedenken über den Einsatz bestimmter Medikamente geäußert. Andererseits habe die Befragung ergeben, dass bei den Befragten das Bewusstsein für die Bedeutung der Gesundheit bei Tieren und den Nutzen von Tierarzneimitteln bei der Behandlung von Krankheiten sowie für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion gut ausgeprägt sei, hob der Bundesverband hervor.

In Bezug auf Nutztiere sei sich die Mehrheit der Umfrageteilnehmer über die Wichtigkeit von Impfungen einig. So hätten 69 Prozent zugestimmt, dass Nutztiere regelmäßig geimpft werden sollten. Insgesamt 74 Prozent hätten darin übereingestimmt, dass es bei Nutztieren besser sei, Krankheiten vorzubeugen als sie zu heilen. Und 61 Prozent der Befragten seien der Meinung gewesen, dass regelmäßige Impfungen dazu beitragen könnten, die Notwendigkeit antibiotischer Therapien durch den Tierarzt in landwirtschaftlichen Betrieben zu verringern.

Tierarzneimittel wichtig im Krankheitsfall

Hinsichtlich des Nutzens von Tierarzneimitteln glaubten ebenfalls 61 Prozent der befragten Bürger, dass Tierarzneimittel im Krankheitsfall für das Wohlergehen der Nutztiere wichtig seien, berichtete der BfT weiter. Aus Sicht von 68 Prozent der Umfrageteilnehmer trage die Impfung von Nutztieren dazu bei, die Übertragung von Krankheiten auf den Menschen zu verhindern. Insgesamt 77 Prozent hätten die Auffassung vertreten, dass gesunde Nutztiere es Landwirten ermöglichten, Lebensmittel auf nachhaltige Weise zu produzieren, und 80 Prozent hätten angegeben, dass mit gesunden Nutztieren qualitativ bessere Produkte erzeugt würden.

Nach Einschätzung der Generalsekretärin von AnimalHealthEurope, Roxane Feller, ist das Bewusstsein für den Nutzen von Tierarzneimitteln ermutigend. Sorge bereitet ihr allerdings das mangelnde Wissen über die Anwendungsregeln, insbesondere in Bezug auf Antibiotika. Dies führe oft zu Fehlinformationen, die sich in den Ansichten und Meinungen der Menschen und sogar in Nachrichten oder Berichten niederschlügen.

Aufklärung gewünscht

Auf Deutschland bezogen hat die Umfrage laut BfT gezeigt, dass sich die Bürger im Vergleich zu den Teilnehmern aus den anderen europäischen Ländern insgesamt etwas besorgter und kritischer geäußert haben. Das Vertrauen der Bundesbürger in Impfungen, Landwirte und vor allem die Anwendung von Antibiotika sei im europäischen Vergleich geringer. Außerdem fühle sich mehr als die Hälfte der Befragten nicht ausreichend durch die Medien über den Einsatz von Tierarzneimitteln informiert. Die Deutschen hätten sich beispielsweise zum Tierschutz sowie zu neu auftretenden Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden könnten, mehr Aufklärung gewünscht.

„Die Umfrage hat erfreulicherweise gezeigt, dass Befragte hier in Deutschland um den Nutzen von Tierarzneimitteln wissen und den notwendigen Einsatz befürworten“, erklärte BfT-Geschäftsführerin Dr. Sabine Schüller. Sie sieht gerade in der Anwendung von Antibiotika bei Nutztieren viel Informationsbedarf. Schüller wies darauf hin, dass etwa nur 58 Prozent der Befragten wüssten, dass die Anwendung von Antibiotika bei Nutztieren streng durch staatliche Behörden geregelt und kontrolliert werde. Die BfT-Geschäftsführerin zeigte sich überzeugt, dass ein breites Wissen auf diesem Gebiet manche Sorgen der Menschen gerade zur Nutztierhaltung und zu Lebensmitteln zerstreuen könnte.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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