Tierschutz: Neuseeland verbietet Lebendexport...
IMAGO / Westend61
Zuchtrinder aus Neuseeland sind auf dem Weltmarkt gefragt, dürfen künftig aber nicht mehr exportiert werden.
Zuchtrinder aus Neuseeland sind auf dem Weltmarkt gefragt, dürfen künftig aber nicht mehr exportiert werden.

WELLINGTON Schlachttiere dürfen schon jetzt nicht mehr ins Ausland geliefert werden. Ab 2023 ist auch der Export von Zuchttieren untersagt.

Nach einer Übergangszeit von zwei Jahren wird Neuseeland den Lebendexport von Nutztieren per Schiff ab 2023 komplett verbieten. „Im Mittelpunkt unserer Entscheidung steht die Wahrung des Rufs Neuseelands als Nation für hohe Tierschutzstandards. Wir müssen in einer Welt, in der der Tierschutz zunehmend unter die Lupe genommen wird, immer einen Schritt voraus sein“, erklärte Landwirtschaftsminister Damien O’Connor gestern in Wellington. Nach dem Untergang des Tiertransportschiffes „Gulf Livestock 1“ auf dem Weg nach China im September 2020, bei dem rund 5.800 Kühe und 41 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen, wurde eine Überprüfung der Lebendausfuhr eingeleitet, die nun Auslaufen soll. Betroffen davon sind die Exporte von Zucht- und Nutzkühen, die vor allem nach China geliefert werden. Die Lebendausfuhr von Schafen, Ziegen und Schlachtrindern ist bereits untersagt. O’Connor betonte, dass in den letzten Jahren Tierschutzverbesserungen beim Seetransport erreicht worden seien, doch blieben die langen Reisezeiten und die mangelnde Kontrolle des Tierwohls im Zielland ein Problem.
„Diese Entscheidung wird einige Landwirte, Exporteure und Importeure hart treffen.“
Landwirtschaftsminister Damien O’Connor
„Diese Entscheidung wird einige Landwirte, Exporteure und Importeure hart treffen“, räumte der Minister ein. Doch machten die Lebendexporte nur 0,2 Prozent der neuseeländischen Agrarexporterlöse aus. Der seit 2015 laufende Export von Kühen war im vergangenen Jahr auf einen Höchststand von 113.000 Tieren gestiegen und brachte dem nationalen Bauernverband zufolge Ausfuhrerlöse von 250 Mio. NZD (148 Mio. Euro). Der Pressesprecher der Federated Farmers, Wayne Langford, zeigte sich überrascht von dem Exportverbot, denn die Landwirte legten großen Wert auf das Wohlergehen der Tiere. „Der Bauernverband hat keine Informationen über Verstöße gegen die hohen Standards beim Lebendexport“, so der Sprecher.

Andere Vertreter des Berufsstandes wiesen auf die niedrigen Verlustraten beim Transport hin und bemängelten, dass die Lebendausfuhren aus Neuseeland nun durch Exporte aus Ländern mit niedrigeren Tierschutzstandards ersetzt würden. Tierschutzverbände begrüßten hingegen die Entscheidung der Regierung. „Dies ist ein bedeutender Moment in unserer Geschichte, dem andere Regierungen auf der ganzen Welt, einschließlich Australien, folgen müssen", erklärte die Direktorin World Animal Protection in Neuseeland, Simone Clarke. Der Lebendtierhandel sei „unmoralisch“.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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