Verschärfter Lockdown: Gründonnerstag ist zu
IMAGO / agrarmotive
Bund und Länder haben eine Verlängerung des Lockdowns und einen fast völligen Stillstand des öffentlichen Lebens über Ostern beschlossen.
Bund und Länder haben eine Verlängerung des Lockdowns und einen fast völligen Stillstand des öffentlichen Lebens über Ostern beschlossen.

BERLIN Wenn Deutschland über Ostern runterfährt, muss auch der Lebensmittelhandel schließen. Und das ausgerechnet an Gründonnerstag, einem der umsatzstärksten Tage im Fleischerhandwerk. Für Ostersamstag soll es Ausnahmen geben.

Nach mehr als elfstündigen Beratungen haben Bund und Länder eine Verlängerung des Corona-Lockdowns und einen fast völligen Stillstand des öffentlichen Lebens über Ostern beschlossen. "Wir sind in einer sehr, sehr ernsten Lage", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen Dienstagmorgen nach Abschluss der Beratungen mit den 16 Ministerpräsidenten.

Vom 1. bis zum 5. April soll es nun eine "erweiterte Ruhezeit zu Ostern" geben, in der etwa am Gründonnerstag auch die Lebensmittelgeschäfte schließen sollen. Das öffentliche Leben soll weitgehend ruhen, die Kontakte beschränkt werden. Ausnahmen soll es allerdings für Lebensmittelgeschäfte am Karsamstag geben.
Letztlich obliegt die Entscheidung über die konkreten Regelungen aber wieder den einzelnen Bundesländern. "Erst wenn dort Beschlüsse gefasst sind, sind die tatsächlichen Einschränkungen klar", verdeutlicht der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) in einer ersten Stellungnahme die Lage am Dienstagmorgen. Es sei also denkbar bis wahrscheinlich, dass einzelne Regelungen von den vereinbarten Maßnahmen abweichen.

Der DFV erwartet schon jetzt erheblichen Widerstand gegen die Schließung am Gründonnerstag. Schließlich sei durch den Wegfall eines Einkaufstags in der Karwoche eine Komprimierung der Kundenströme zu erwarten. "Diese Maßnahme ist auch nach Auffassung des DFV nicht im Sinne einer Minimierung von Kontakten, sondern wird das Gegenteil bewirken", mutmaßt der Verband. Der Fleischer-Verband will sich deshalb im Verbund mit anderen Verbänden entschieden gegen diese Maßnahme wenden. Über die konkreten Regelungen der Bundesländer hält der DFV seine Mitglieder über seine DFV-App auf dem Laufenden.

Mit scharfer Kritik reagierte auch der Handelsverband Deutschland (HDE) auf die Corona-Beschlüsse des Bund-Länder-Gipfels. Die Schließung auch der Lebensmittelhändler an Gründonnerstag hält er ebenfalls für kontraproduktiv. Das führe zu erhöhtem Kundenandrang am vorhergehenden Mittwoch und dem folgenden Ostersamstag. "Den Lebensmittelhandel mit seinen nachweislich hervorragend funktionierenden Hygienekonzepten symbolisch für einen Tag zuzumachen, hilft im Kampf gegen die Pandemie nicht weiter", sagte Genth.
Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sparte nicht mit Kritik. ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer warnte angesichts des erneut verlängerten Lockdowns, ein breitflächiger Kollaps der Firmen werde immer wahrscheinlicher. "Angesichts eines weiterhin fehlenden Planungshorizonts, dazu auch noch stockender oder unzureichender Überbrückungshilfen, werden viele Betriebe nicht überleben können."

Mit Material von Reuters.

Quelle: fleischwirtschaft.de; Reuters, DFV
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