Zukunftskommission Landwirtschaft: Umbau mit ...
Spiller
Prof. Dr. Achim Spiller
Prof. Dr. Achim Spiller

BERLIN Auf fünf bis acht Mrd. Euro pro Jahr schätzen die an der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Mehrkosten, die zur Finanzierung des vorgeschlagen Umbaus der Land- und Ernährungswirtschaft von Steuerzahlern und Verbrauchern aufgebracht werden müssen. Dieser Betrag werde sich bei der geplanten Umwandlung der EU-Direktzahlungen in die Honorierung öffentlicher Leistungen jedoch schrittweise verringern.

Den Forscherinnen und Forschern zufolge wird die Hälfte dieses Mittelbedarfs für ein höheres Tierwohl benötigt, die andere Hälfte für einen verbesserten Schutz von Biodiversität, Natur und Klima. Das seien anfänglich bis zu 100 Euro im Jahr für jeden Bürger. „Den meisten Menschen sind Tierwohl und eine intakte Natur diese Summe auch wert“, erklärte Prof. Achim Spiller von der Georg-August-Universität Göttingen. Einkommensschwache Haushalte würden allerdings kompensiert werden müssen, etwa durch eine Erhöhung von Hartz-IV-Sätzen oder direkte Transfers. Mittel- bis langfristig werde sich das volkswirtschaftlich rechnen, da viele Umwelt- und Gesundheitsbelastungen, die heute anfallen würden, durch die konsequente Transformation des Landwirtschafts- und Ernährungssystems vermieden werden könnten. 
„Den meisten Menschen sind Tierwohl und eine intakte Natur diese Summe auch wert.“
Prof. Dr. Achim Spiller
Ausdrücklich begrüßen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die nach langen Verhandlungen erreichte Bereitschaft der Landwirtschaftsseite in der ZKL, die Direktzahlungen innerhalb der nächsten beiden EU-Förderperioden vollständig umzubauen. An die Stelle der Direktzahlungen sollten betriebswirtschaftlich attraktive Zahlungen für Umwelt- und Tierschutzleistungen der Landwirtschaft treten. Diese Empfehlung der ZKL sei wegweisend, weil sie den Landwirten neue Geschäftsmodelle ermögliche und sie wirtschaftlich absichern könne.
Für Spiller war die Zukunftskommission Landwirtschaft „ein Schritt aus den Wagenburgen“ heraus. „Hoffentlich nutzt die Politik diese Steilvorlage besser als die Fußballnationalmannschaft“, so der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundeslandwirtschaftsministerium. Neben Spiller ist die Wissenschaftsseite imit Prof. Vera Bitsch von der Technische Universität München (TUM), Prof. Ute Knierim von der Universität Kassel, Prof. Hiltrud Nieberg vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Prof. Manfred Niekisch von der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. Ramona Teuber von der Justus-Liebig-Universität Gießen in der ZKL vertreten.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE

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