Betriebskosten: Helft mit beim sparsamen Umga...
Betriebskosten

Helft mit beim sparsamen Umgang mit Energie!

imago / Frank Müller
Nicht gedankenlos laufen lassen: Auch bei der Arbeit am Kutter kann Energie gespart werden.
Nicht gedankenlos laufen lassen: Auch bei der Arbeit am Kutter kann Energie gespart werden.

FRANKFURT In vielen Betrieben wird derzeit der Gewinn von den steigenden Energiekosten aufgefressen. Der Appell der afz: Reduziert den Energieverbrauch!

In den meisten Fleisch verarbeitenden Unternehmen, die der Autor dieses Beitrags kennt, werden im Jahr 2022 geringere Mengen produziert und verkauft. Die wirtschaftliche Situation wird durch die Kaufzurückhaltung infolge der Inflation weiter verschärft. Und jetzt verteuert sich auch noch Energie drastisch.


Wie ernst die Situation ist, zeigen Produktionsbetriebe, die jetzt Kurzarbeit anmelden. Manche legen sogar einen produktionsfreien Tag pro Woche ein. Es gibt Filialisten, welche die Häufigkeit der Belieferung ihrer Standorte reduzieren, weil das Geld an den Rädern kleben bleibt.

Wenn Strom plötzlich das Doppelte, Dreifache oder Vierfache kostet, trifft das Fleischer-Fachgeschäfte besonders hart. Das „Energieeffizienz-Beraternetzwerk“ beschreibt, warum: „In einer Metzgerei werden die Energiekosten zu 70 Prozent von elektrischer Energie verursacht.“ Dieser Wert erscheint logisch, wenn wir betrachten, wofür die Energie gebraucht wird: Die Hälfte der gesamten Energie benötigt eine Metzgerei für Garvorgänge (Kochschränke, Kessel, Öfen) und das Kühlen und Gefrieren. Weitere 30 Prozent werden für Heizung und Warmwasser benötigt. Die restlichen 20 Prozent erfordern Maschinen und Beleuchtung. Entsprechend heißen die wichtigsten Energiespar-Möglichkeiten in einem Fleischer-Fachgeschäft: Beleuchtung, Kühlung/Klima, Heizung, Warmwasser.

Viele vorausschauende Unternehmen haben bereits in den letzten Jahren in energiesparende Technologien investiert: Sie haben Fotovoltaikanlagen auf dem Dach, Wärmerückgewinnungs-Anlagen im Keller und Spitzenlastbegrenzer installiert. Solche Maßnahmen rechnen sich jetzt: Allein die Umstellung auf LED-Beleuchtung reduziert die hierfür anfallenden Stromkosten um etwa 75 Prozent. Doch es bleibt für jeden einzelnen Mitarbeitenden viel zu tun. Dabei geht es um Energiesparmaßnahmen, die sich aus dem disziplinierten Arbeiten des Einzelnen ergeben.

Führungskräfte in Produktion und Verkauf müssen jetzt alle Mitarbeitenden ansprechen und für das Thema Energiesparen sensibilisieren. Das braucht viel intensive Motivation. Denn Sparen generell und Energiesparen insbesondere macht nun mal keinen Spaß. Und wer Energie verschwendende Gewohnheiten ändern will, bekommt zu hören: „Das machen wir doch schon immer so.“ Schließlich gilt für alle Chefinnen und Chefs: Auch beim Energiesparen ist die Vorbildfunktion des Vorgesetzten erforderlich. Hier ein paar Tipps.

  1. Schnelles Schließen von Kühlraum- und Ofentüren. Durch eine offenstehende Kühlraumtür gelangt Wärme und Feuchtigkeit in den Kühlraum. Das erhöht die Energiekosten und reduziert die Haltbarkeit und Qualität der Waren im Kühlraum.
  2. Nur abgekühlte Waren in den Kühlraum. Die Regel: Nichts Warmes in den Kühlraum stellen. Selbst ein kleiner Topf mit heißem Inhalt kann im Kühlraum die gesamten dort lagernden Produkte schädigen.
  3. Verdampfer frei machen. Vereiste Verdampfer in den Kühl- und Gefrierräumen dürfte es eigentlich gar nicht geben. Es kommt aber doch immer wieder vor – weil die Geräte falsch eingestellt sind oder weil die Anlagen falsch genutzt werden. Metzger wissen beispielsweise aus der Schlachtung: Ein Abkühlraum kühlt anders als ein regulärer Kühlraum. Daher gilt: Manchmal muss manuell abgetaut werden, damit die Verdampfer wieder frei werden.
  4. Anlagen voll nutzen. Ein Brühkessel, eine Räucher- und Kochanlage oder auch ein Heißluftofen verbrauchen halbvoll genauso viel Energie wie voll. Daher der Grundsatz: Volle Anlagen fahren! Umgekehrt ist das auch die Aufforderung zur Vermeidung von Kleinstmengen-Produktionen.
  5. Spitzenlasten bei Strom vermeiden. Vermeidet diesen typischen Fehler: Nach der Arbeitspause kommen die Produktionskräfte zurück, jeder geht an seine Maschine und fährt diese gleichzeitig an. Dann werden Spitzenverbräuche beim Strom erreicht, die der Betrieb teuer bezahlt. Überall, wo keine automatischen Spitzenlastbegrenzer eingebaut sind, ist hierfür Disziplin erforderlich.
  6. Restwärme nutzen. Bei Garvorgängen kann Restwärme genutzt werden, um zur gewünschten Kerntemperatur zu gelangen oder auch um Waren warm zu halten.
  7. Kein Übergaren. Wenn Fleischerzeugnisse auf eine höhere Kerntemperatur gegart werden als erforderlich, dann ist das von den Produktionskräften meist gut gemeint, aber schlecht gemacht. Denn übergarte Wurst verliert mehr Gewicht und verbraucht mehr Energie.
  8. Warmwasserverbrauch reduzieren. Der Dampfstrahler und der Schlauch mit dem warmen Wasser sollte zur Reinigung nur so lang wie nötig eingesetzt werden. Jeder Metzgerlehrling hat einmal gelernt, dass Dampfstrahler keine Spielzeuge zum Wasserverspritzen sind.
  9. Gedankenloses Laufenlassen von Maschinen. Das kann man in vielen Produktionen immer wieder beobachten. Ein Beispiel dafür ist der Fleischwolf. Ebenso kann in Filialen das unnötige Laufenlassen von Aufschnitt-Schneidemaschinen wahrgenommen werden. Jede Sekunde unnötige Maschinenlaufzeit erhöht den Verschleiß und den Energieverbrauch. Hier müssen die Mitarbeitenden aufeinander disziplinierend einwirken.
  10. Kutter reinigen. Der Kutter hat in jeder Fleischerei eine zentrale Bedeutung. Wer am Kutter steht, ist in der Produktion meist eine Führungskraft. Und wer den Kutter reinigt, spürt etwas von dieser Wichtigkeit. Deshalb wird gern einmal der Kutter mit warmem Wasser und Reinigungsmittel auf hohen Touren lange laufen gelassen. Dabei wird Energie verschleudert, und es werden die Messer und Lager der Maschine verschlissen.
  11. Diesel sparen. Einen Transporter mit 3,5 t Nutzlast kann man mit neun oder auch 13 Liter Diesel pro 100 Kilometer fahren, ein 7,5 Tonner verbraucht 16 oder auch 20 Liter. Bei einem Dieselpreis von über 2,20 Euro und angenommenen 30.000 km Fahrleistung macht das pro Lieferfahrzeug einen Unterschied von 2.640 Euro pro Jahr. Und dieser Unterschied entsteht allein durch die Fahrweise.
Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 45/2022

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