Fachkräftesicherung: Volle Kraft für unsere A...
Fachkräftesicherung

Volle Kraft für unsere Azubis!

imago / Panthermedia
Es lohnt sich auf jedem Fall, sein Wissen und Können und seine Erfahrung an den Berufsnachwuchs weiterzugeben.
Es lohnt sich auf jedem Fall, sein Wissen und Können und seine Erfahrung an den Berufsnachwuchs weiterzugeben.

FRANKFURT Es gibt keine besseren Lehrlinge als die, die wir schon haben. Daher lohnt es in jedem Fall, unser Wissen und Können an den Berufsnachwuchs weiterzugeben.

Die Zahl der Menschen im ausbildungsrelevanten Alter wird in Deutschland immer geringer. Denn wir schrumpfen zahlenmäßig, bekommen weniger Kinder und werden immer älter. Daher gibt es nicht mehr so viele Lehrlinge. Um diese wenigen Auszubildenden konkurrieren und werben aber gleich viele Unternehmen wie früher. Nehmen wir also den Wettbewerb auf. Beweisen wir als Ausbilder oder als die etwas älteren und erfahreneren Kollegen, dass wir Meister in Sachen Wissensvermittlung sind. Befolgen wir dabei diese Regeln.

Regel Nummer 1: Geduld

Ausbilder kennen das: Dem Auszubildenden etwas erklären, dann vormachen, dann nachmachen lassen, dann in der Sache kritisieren und verbessern. Es ist normal, dass bei jeder Arbeit, die gelernt werden soll, diese Schleife einige Male wiederholt werden muss. Jedem Menschen müssen neue Aufgaben mehrmals erklärt und vorgemacht werden. Und jeder Arbeiter muss mehrmals nachmachen dürfen und Verbesserungsvorschläge erhalten, bis er die Arbeit fehlerfrei erledigen kann.

Bedenken Sie: Wenn Ihnen mal die Geduld ausgeht, weil Sie etwas zum x-ten Mal erklärt und vorgemacht haben, überlegen Sie: Was haben Sie selbst einmal gelernt, was man Ihnen sehr lange und oft erklären musste. Viele erfahrene „Helden“, auch der Autor dieses Beitrags, haben da gute Beispiele aus der eigenen Lebenserinnerung. Wenn wir dann wieder ausreichend Geduld haben, überlegen wir: Wie könnte ich es anders vormachen, anders erklären?

Regel Nr. 2: Sachlich kritisieren

Unsere Auszubildenden haben Anspruch auf Kritik. Aber Kritik muss immer in der Sache gegeben werden. Wir dürfen, ja, wir müssen als Ausbilder benennen, wie eine Arbeit richtig und gut gemacht werden soll, worauf es ankommt, was bisher falsch gemacht wurde. Das heißt, wir kritisieren, wo die Theke unordentlich eingeräumt oder die Rinderschulter schlampig ausgebeint wurde. Auf keinem Fall aber kritisieren wir die Person. Kritik in der Sache, das hört sich etwa so an: „Diese Arbeit ist nicht richtig gemacht. Die Fehler sind erstens …, zweitens …. Ich erkläre es dir jetzt nochmal und erwarte deine volle Konzentration auf die Sache.”

Bedenken Sie: Ein Ausbilder, der Kritik persönlich oder gar verletzend äußert, disqualifiziert sich selbst. Wer sagt „Du bist ein besonders unfähiger Lehrling“, hat – ohne es zu wollen – auch eingeräumt, selbst ein unfähiger Ausbilder zu sein. Denn es ist ihm bisher offensichtlich nicht gelungen, eine Arbeit so zu erklären, dass dieser Auszubildende sie verstehen konnte.

Regel Nr. 3: Frühzeitig ranlassen

Es gibt keinen sachlichen Grund, warum ein junger Fleischer nicht im ersten Lehrjahr das Kuttern lernen sollte. Oder warum eine künftige Fleischerei-Fachverkäuferin nicht am Anfang ihrer Ausbildung schon die Verwendungsmöglichkeiten der Rindfleisch-Teilstücke lernt. Zu diesem „Ranlassen“ gehören auch fachliche Erlebnisse, etwa Besuche auf dem Bauernhof, auf der Weide oder auf dem Schlachthof. Wenn uns als Ausbilder manchmal die Motivation fehlt, 100 Prozent unserer Energie in diese Lehrlinge zu stecken: Stellen wir uns einfach vor, das wäre unser Sohn oder unsere Tochter. Was würden wir dann alles erklären und zeigen? Wohin würden wir diesen Auszubildenden dann überall mit hinnehmen?

Bedenken Sie: Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen – und in vielen Fällen haben einstige Lehrlinge den Betrieb übernommen und so existenziell gerettet. Warum sollten unsere Wettbewerber die Fachkräfte für uns ausbilden? Wir müssen diesen Job schon selbst machen.

Regel Nr. 4: Lust auf Karriere machen

Das Ziel einer Ausbildung ist nicht nur der Gesellenbrief. Die Ausbildung soll motivieren, eine lebenslange Karriere zu starten. Als Ausbilder sind wir die Begleiter und Förderer für diese ersten Karrierejahre. Hier zwei Anregungen, die einem Auszubildenden diese Karrierechancen aufzeigen: Beispielsweise eine in Aussicht gestellte Lehrzeitverkürzung um ein halbes Jahr auf Basis einer sehr guten Zwischenprüfung. Ebenso ist die Unterstützung des Ausbildungsbetriebs beim Leistungswettbewerb der Handwerksjugend, eine Auszeichnung für Ausbilder und Auszubildenden.

Bedenken wir: Wenn wir als Ausbilder nicht nur „unseren Job“ erledigen, sondern mit Hartnäckigkeit und Geduld aus dem Lehrling einen künftigen Karriere-Metzger oder eine sehr erfolgreiche Fleischerei-Fachverkäuferin machen, dann machen wir es richtig!

Regel Nr. 5: Auszubildende finden

„Es will doch niemand mehr Metzger lernen“ – haben Sie beim Lesen auch schon an diesen Einwand gedacht? Ein Stück weit ist dieser Einwand richtig. Sobald wir aber breiter suchen, erhöhen wir die Trefferquote: Metzger und Fleischerei-Fachverkäuferin, das können junge Frauen oder junge Männer lernen, das kann die erste oder die zweite Ausbildung sein.

Bedenken Sie: Akzeptanz von Vielfalt ist ein gutes Prinzip für die Mitarbeiterführung in allen Unternehmen. Das Prinzip ist nicht nur gut, weil wir gute Menschen sind – sondern weil es unternehmerisch klug ist. Also: Die junge Muslima, die den Beruf der Fleischerei-Fachverkäuferin lernt, muss selbst kein Schweinefleisch essen – sondern nur gut verkaufen! Die Vielfalt unter den Mitarbeitern erhöht automatisch die Vielfalt unter den Kunden. Manchmal geht der Deal auch so: Der Ausbilder hilft auch beim Erlernen der deutschen Sprache und erhält dafür einen engagierten Auszubildenden.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 15/2022

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