Karriere im Fleischerhandwerk: Vom Tier zur f...
Karriere im Fleischerhandwerk

Vom Tier zur fertigen Wurst

Metzgerei Leipold
Ausbeinen und Zerlegen macht Hannes Maisel (vorn) am meisten Spaß. Sein Kollege Damian Piórkowski hat im Juni seine Gesellenprüfung abgelegt.
Ausbeinen und Zerlegen macht Hannes Maisel (vorn) am meisten Spaß. Sein Kollege Damian Piórkowski hat im Juni seine Gesellenprüfung abgelegt.

BAD BERNECK Hannes Maisel aus Bad Berneck legt nächstes Jahr seine Gesellenprüfung ab, hat schon die Meisterprüfung im Visier und ein Herzensziel: Er will den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen.

Die Begleitung vom lebenden Tier zum selbst hergestellten Lebensmittel: Das war für Hannes Maisel der entscheidende Grund für seine Ausbildung zum Metzgergesellen. „Ich will genau wissen, wo Rind oder Schwein herkommen und wie beide verarbeitet werden“, erklärt der junge Mann im Gespräch mit der afz - allgemeine fleischer zeitung.

Natürlich spielt bei dem 17-Jährigen aus Bad Berneck im oberfränkischen Landkreis Bayreuth die familiäre „Prägung“ eine große Rolle. Hannes Maisel stammt aus einer traditionellen Handwerkerfamilie. Seine Eltern sind Fleischermeister Rainer Maisel (47) und Verkaufsleiterin Jeannette Maisel (45), die ebenfalls aus einer Metzgerei im benachbarten Marktschorgast stammt. „Meine Eltern haben unsere Metzgerei Leipold am 1. Januar 2017 von meinen Großeltern Gudrun und Wolfgang Maisel übernommen“, berichtet Hannes Maisel. Sein Großvater und seine Großmutter waren 1985 in das von Fritz Leipold 1952 gegründete Unternehmen eingestiegen, hatten den Betrieb 1988 in der Bahnhofstraße neu gebaut und auf den neuesten Stand der Technik und der Hygienevorschriften gebracht. Heute arbeitet Rainer Maisel mit zwei Gesellen in der Produktion, im Verkauf wird Jeannette Maisel von zwei Fachverkäuferinnen unterstützt. Hinzu kommt noch je eine Kraft für Vorbereitungen und Auslieferung.

„Mein Plan ist es, den Sprung in die Nationalmannschaft zu schaffen. Es wäre total cool, wenn das funktionieren würde.“
Hannes Maisel

Beim Programmieren kommt das Handwerk zu kurz

Nach dem Besuch der Bad Bernecker Grundschule wechselte Hannes Maisel auf das wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium in Bayreuth. „Weil ich sowieso nicht studieren wollte, habe ich in der zehnten Klasse meine Mittlere Reife erworben.“ Mit mehreren Praktika lotete er zunächst einmal aus, welche berufliche Richtung für ihn in Frage kommen würde. Bei einem Computerspezialisten sagte ihm zwar das sehr gute und familiäre Betriebsklima zu. „Aber es war viel zu viel Programmierarbeit. Das Handwerkliche kam mir dabei zu kurz“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Als Kontrastprogramm erlebte Maisel seine Praktikumswoche im örtlichen Kindergarten. „Wenn die Kinder munter werden, wird es laut und sehr anstrengend.“

Obwohl ihm die Abläufe in der Metzgerei von Kind auf vertraut sind, sicherte Maisel seinen Berufswunsch durch Praktika im elterlichen Fachgeschäft und in den Kollegenbetrieben Gareiß in Bayreuth und der Hausmetzgerei Lindner in Weidenberg ab. Bei letzterer unterschrieb er schließlich auch seinen Ausbildungsvertrag. Am 1. September 2021 startete er seine Lehre. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, schon immer zum Team dazuzugehören. Mir gefällt bei Lindner die familiäre Atmosphäre und dass fast alles mit Ausnahme einiger Feinkostsalate aus eigener Herstellung kommt. Hauseigene Spezialitäten sind beispielsweise – wie bei uns im Fränkischen üblich – Bratwürste und weißer Presssack“, sagt er. Seine Wahl fiel auch auf Lindner, weil der Berufsalltag reichlich Abwechslung versprach. Ein Großbetrieb, „wo man einen Monat lang das und im nächsten Monat etwas anderes macht“, wäre für ihn nicht in Frage gekommen.

Seine Eltern waren über die Entscheidung ihres Sohnes, die Familientradition weiterzuführen, sehr glücklich. „Und auch meine Freunde hat meine Berufswahl nicht abgeschreckt“, fügt Hannes Maisel hinzu. „Sie haben sich gefreut, dass es in der Metzgerei weitergeht.“ In einigen Jahren wird Hannes das Fachgeschäft übernehmen.

Bis es soweit ist, sind noch einige Etappen zu bewältigen. Für seine Ende Juli 2023 anstehende Gesellenprüfung – er verkürzt die Ausbildung um ein Jahr – übt Maisel schon eifrig und erhält vom Ausbildungsbetrieb tatkräftige Unterstützung: „Sie ist einfach topp. Ich bekomme ausreichend Zeit. Es wird mir alles ausführlich erklärt.“ Besonderen Spaß macht ihm das Ausbeinen, auch wenn es eine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit ist.

Welche Fertigkeiten Maisel in den ersten Monaten seiner Ausbildung schon gelernt hat, zeigte er auf der IFFA 2022. Dort fertigte er im Wettbewerb „Fleischerklassen zeigen ihr Können“ einen Rollbraten mit Semmelkloßherz als Füllung und ummantelte das Ganze mit Speck und Lauch. Für die kreative Grillplatte und weitere Arbeiten fuhren er und seine Teampartnerin Anina Wunderlich aus Kirchenlamitz den Einzelsieg ein und feierten auch noch mit der Kulmbacher Hans-Wilsdorf-Berufsschule den Sieg in der Schulwertung.

Nach der Gesellenprüfung geht es für Maisel weiter auf der Karriereleiter: Zum September 2023 fasst er die Anmeldung zum Meisterkurs in Augsburg ins Auge. Auch damit folgt er der Familientradition: „Papa und Mama waren auch dort.“ Danach möchte er eventuell in anderen Kollegenbetrieben Erfahrungen sammeln. „Und dann ist mein Plan, den Sprung in die Nationalmannschaft zu schaffen. Es wäre total cool, wenn das funktionieren würde“, sagt er.

IFFA-Sieg drang bis zum regionalen Radiosender durch

Vielleicht gelingt es ihm gemeinsam mit diesem tollen Team, noch mehr junge Leute für das Fleischerhandwerk zu begeistern. Seine erste Berufsschulklasse zählte lediglich zwölf angehende Metzgergesellen und 14 Fachverkäuferinnen – für ganz Oberfranken. Das findet er erschreckend – im Vergleich zu den Berichten von Vater und Großvater. „Manche Gleichaltrige denken immer noch an den Metzger mit der blutigen Schürze und harte Arbeit. Sie wissen gar nicht, dass unser Handwerk mittlerweile mit so viel spannender Technik zu tun hat“, lautet Hannes‘ Erfahrung.

Mit der bayerischen Nachwuchskampagne „Butchers‘ Tale“ hole man die Jugendlichen ganz gut aus ihrer Videospielewelt ab. „Sie ist ein guter Weg“, lobt er. Als „Mensch des Tages“ – einer Aktion des Lokalsenders „Radio Mainwelle“ für den Landkreis Bayreuth – ermöglichte er den Zuhörern bereits einen kleinen Einblick ins und eine prima Werbung fürs Metzgerhandwerk: „Hierbei kommen Leute zu Wort, die etwas Besonderes geleistet haben“, erklärt Maisel. In seinem Fall war das der Sieg beim IFFA-Wettbewerb, durch den der Sender auf ihn aufmerksam geworden war. Zunächst stellte sich Maisel in einem Video kurz vor, berichtete über seine Hobbys und gab einen kleinen Einblick in die Wurstküche.

Auch nach der Arbeit findet Hannes Maisel genügend Zeit für Hobbys: „Ich gehe gern angeln und spiele Basketball.“ Von sich selbst denkt er, ein sehr humorvoller Mensch zu sein. „Ich kann mich über alles Mögliche amüsieren – auch auf der Arbeit lachen wir gern und oft“, resümiert er. Aber wenn es um Wettbewerbe und Prüfungen geht, wird es ernst: „Da bin ich recht ehrgeizig und möchte immer das Beste herausholen.“ Was ihm auf der IFFA ja auch gelungen ist.

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Informationen zu den Fleischerberufen sind hier abrufbar.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 43/2022
Themen
IFFA

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