Fachkräftesicherung: Scharfes Profil schafft ...
Jörg Schiffeler
Fachkräftesicherung

Scharfes Profil schafft Kräfte ran

Dienstag, 06. September 2016

FRANKFURT Der Mangel an Fachkräften und Auszubildenden treibt uns alle an. Die Situation am Arbeitsmarkt ist in allen Branchen angespannt, da bleiben Medienhäuser ebenso wenig verschont wie fleischerhandwerkliche Betriebe oder Schlacht- und Zerlegeunternehmen.

Meisterbetriebe, Innungen und Verbände stellen allerorts die gleiche Frage: Was ist zu tun? Antworten gibt es viele und daraus ergeben sich eine Menge Hausaufgaben, die überzeugt erledigt werden müssen. Aber die eine optimale Lösung gibt es nicht aus dem Baukasten. Helfen kann neben der persönlichen Einsicht die professionelle Nutzung von Marketinginstrumenten. Nun werden Sie denken: Was soll das dann wieder kosten? Nein, erstens zählt die Idee und zweitens Pragmatismus. Dazu später mehr.


Die afz greif diese Woche das Thema Fachkräftesicherung auf. Da gibt es Metzgereien, die etwas ausprobieren. Mitarbeiter sprechen Bekannte und Freunde an, die bei der Berufswahl noch unentschlossen sind, und überzeugen zu einem Betriebspraktikum. Das ist nicht neu. Anders ist, dass nicht abgewartet wird, bis sich ein interessierter junger Mensch meldet.

Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) zeichnet mit dem Rudolf-Kunze-PR-Preis – benannt nach dem ehemaligen Präsidenten – Betriebe und Innungen für vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit aus. Kunze erkannte schon früher als andere die enorme Bedeutung von Werbung und PR – nicht nur für das Fleischerhandwerk. Wer diese Instrumente beherrscht, wird seine Produkte und Dienstleistungen gut vermarkten können. Das ist nicht nur Marketingtheorie, sondern erlebbare Praxis. Heute müssen die Unternehmen der Fleischwirtschaft – ausnahmslos alle, vom Handwerksbetrieb bis zum Großkonzern– die Öffentlichkeitsarbeit in Richtung Arbeitgebermarke ausbauen. Der Wettbewerb um die besten Köpfe im Land verführt nicht dazu, er fordert das geradezu heraus. Es wird Zeit zu begreifen, dass in den Augen junger Menschen ebenso wie unter den bestens Qualifizierten die Attraktivität des Arbeitgeberprofils ausschlaggebend für Bewerbung und Zusage für eine Zusammenarbeit ist.

Ein guten Einblick in das Selbstverständnis von Chefs und Unternehmenslenkern geben Stellenmärkte – unabhängig davon, ob Mitarbeiter im Web, in (Fach-)Zeitungen oder per Aushang gesucht werden. Vielfach überwiegen die Forderungen deutlich gegenüber dem, was das Unternehmen seinen Angestellten zu bieten hat.

Der zitierte PR-Preis des DFV würdigt aktuell die Arbeit der nordhessischen Innungen, die ihren Wettbewerb um ein regionales Produkt perfekt in Szene setzten. Ebenso brachte die Innung Ahrweiler sich aktiv in die Jubiläums-Feierlichkeiten des Landkreises ein. Das ist identitätsstiftend und bringt dem Berufsbild emotional besetzte positive Schlagzeilen. Das gelingt allerdings nicht per se durch jede Aktion. So sorgte der längste Fleischkäse der Welt, gebacken von der Innung Ulm-Alb-Donau, für großen Wirbel, weil Aktivisten Lebensmittelverschwendung witterten. Doch am Ende punkteten die Fleischer mit den Erlösen durch den Imbissverkauf zugunsten des Wahrzeichens ihrer Stadt, dem Ulmer Münster.

Der afz-Aktionspreis geht an Michael Moser. Der Metzgermeister überzeugte die Jury mit einer ideenreichen und emotionalisierten Broschüre rund um die Fußball-EM. Ideen muss man haben, und diese müssen Sympathien wecken. Genau das zeigte die afz in der vergangenen Ausgabe am Beispiel von Steffen Schütze aus Freising. Er landete mit seiner originellen Nachwuchs-Kampagne bundesweit einen Hit. Und das ganz ohne große Werbeagentur und mit kleinem Etat.

Was den Fachkräftemangel weiter antreiben wird, sind zukunftsorientierte Tarifverhandlungen. Wer will den Job schon machen, wenn die Vergütung nicht mit anderen Berufen mithalten kann? Als Fleischer trägt man große Verantwortung für die Ernährung, und die gibt es nicht zum Discountpreis.

Quelle: afz 36/2016
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