EU-Schlachtschweinemärkte: Kurse ziehen an
EU-Schlachtschweinemärkte

Kurse ziehen an

Jörg Schiffeler, jus
Schweinehälften im Kühlraum.
Schweinehälften im Kühlraum.

BONN Die Ankaufspreise für den Rohstoff Schweinefleisch steigen in den wichtigsten Erzeugerländern. In Spanien und Österreich werden schlachtreife Tiere bereits gesucht. Die Angebotsüberhänge nehmen in Europa ab.

Erstmals seit langem gibt es wieder etwas Licht am Ende des Tunnels für die Schweinemäster in Deutschland. Auf der anderen Seite müssen Schlachter, Zerleger und Verarbeiter hierzulande nun wieder etwas tiefer ins Portemonnaie für den wertvollen Rohstoff Schweinefleisch greifen. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) hob am 17. Februar ihre Notierung für Schlachtschweine um zwei Cent auf 1,21 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) an.
Es war die erste Anpassung nach oben seit Mai 2020; danach ist die Notierung wegen der Corona-Pandemie und des Nachweises der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen in Deutschland bis November 2020 auf das tiefste Niveau seit Januar 2004 gefallen. Zwar sei der moderate Anstieg angesichts des immer noch sehr niedrigen und nicht kostendeckenden Schlachtschweinepreises nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“, doch sei er ein „ermutigendes Signal“, dass sich die Lage allmählich bessere, stellte ein Marktexperte fest.

Das Heraufsetzen des oberen Spannenwerts auf 1,25 Euro je Kilo zeige, dass einige Vermarktungsorganisationen sogar einen stärkeren Preisanstieg für möglich hielten. Der VEZG zufolge schmelzen die Angebotsüberhänge und Schlachtgewichte in Deutschland weiter ab. Regional verlaufe die Vermarktung schlachtreifer Tiere wieder zeitnah und problemlos; anderenorts würden aber noch Überhänge bestehen. „Insgesamt zeigt sich die Marktlage aber etwas freundlicher, so dass die Preise leicht ansteigen“, erklärte die Vereinigung.
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) merkte an, dass „der Schweinestau nun - wie der Schnee - sehr schnell schmilzt“. Obwohl in der zweiten Februarwoche deutschlandweit witterungsbedingt rund 60.000 Schweine weniger geschlachtet worden seien, habe der Angebotsüberhang um weitere 90.000 Tiere auf 530.000 Stück abgenommen. Auch die Schlachtgewichte seien erneut rückläufig gewesen. Da Corona-Restriktionen und Exportbeschränkungen in Drittländer fortbestünden, sei der Absatz von Schweinefleisch im Lebensmitteleinzelhandel besonders wichtig. Als Positivbeispiel nannte die ISN die Werbeaktion des Discounters Lidl für XXL-Schweinefleischpakete aus deutscher Herkunft, die auch nicht zu absoluten „Ramschpreisen“ angeboten würden.

EU-Notierungen im Aufwind

In anderen Ländern der Europäischen Union hat die Befestigung der Preise für Schlachtschweine bereits früher eingesetzt und sich in der vergangenen Woche fortgesetzt. So waren schlachtreife Schweine in Spanien weiter stark gesucht, vor allen von den nach Asien exportierenden Schlachtunternehmen. Teilweise wurden sogar Zuschläge auf den üblichen Marktpreis gezahlt, weshalb die Notierung am Mercolleida recht deutlich, nämlich um 3,7 Cent auf 1,178 Euro je Kilo Lebendgewicht (LG) stieg. Auch in Italien setzte sich der Preisauftrieb fort; dort legte die nationale Notierung im Mittel um 2,9 Cent je Kilo LG zu. In Belgien sind die Schweineüberhänge verschwunden, und der Markt hat sich gedreht. Die Ankaufspreise stiegen bei Westvlees um drei Cent je Kilo LG und bei der Danis-Gruppe um fünf Cent je Kilo LG.

In Österreich ist das Lebendangebot nach Angaben des Verbands landwirtschaftlicher Veredlungsproduzenten (VLV) auf 93 Prozent gesunken; schlachtreife Tiere waren auch dort gesucht. Die Notierung stieg um zwei Cent auf 1,37 Euro je Kilo SG an. Verhaltender war der Anstieg in Frankreich mit 1,5 Cent auf 1,216 Euro je Kilo SG, da dort in der vergangenen Woche noch überhängige Schweine des Wintereinbruchs das Angebot vergrößert hatten. Danish Crown ließ seinen Ankaufspreis für Schlachtschweine dagegen unverändert und sprach von einem stabilen Schweinefleischabsatz am EU-Binnenmarkt. Doch mit dem rückläufigen Schweineangebot beginne „der Kampf um höhere Verkaufspreise“ bei den Teilstücken.

Kaum noch Preisabschläge

Im Mittel der EU-Mitgliedsländer hatten die Schlachtschweinepreise bereits in der Woche zum 14. Februar fester tendiert. Nach Kommissionsangaben zahlten die Schlachtbetriebe für Tiere der Handelsklasse E im Schnitt 129,45 Euro pro 100 Kilogramm SG; das waren 1,02 Euro oder 0,8 Prozent mehr als in der Vorwoche. Dazu trug wesentlich bei, dass sich die Mäster in Italien und Polen über Aufschläge von 4,9 Prozent beziehungsweise 3,3 Prozent freuen konnten. In Spanien und Portugal verteuerten sich Schlachtschweine um jeweils rund zwei Prozent. In Belgien stiegen die Ankaufspreise für schlachtreife Tiere im Mittel um 1,5 Prozent. Weitgehend auf dem Vorwochenniveau wurden die Tiere noch in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Frankreich und Österreich bezahlt. Zu moderaten Preiseinbußen zwischen 0,3 Prozent und 0,6 Prozent kam es hingegen in Ungarn, der Slowakei und Estland. Der stärkste Abschlag wurde mit 1,3 Prozent aus Tschechien gemeldet.

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Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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