EU-Schlachtschweinemärkte: Lage entspannt sic...
EU-Schlachtschweinemärkte

Lage entspannt sich weiter

IMAGO / teutopress
In Deutschland ist der Lebensmitteleinzelhandel weiter der wichtigste Absatzweg für Schweinefleisch, das Exporte in die meisten Drittstaaten wegen der ASP-Fälle bei Wildschweinen nicht möglich sind.
In Deutschland ist der Lebensmitteleinzelhandel weiter der wichtigste Absatzweg für Schweinefleisch, das Exporte in die meisten Drittstaaten wegen der ASP-Fälle bei Wildschweinen nicht möglich sind.

BONN Der Vermarktungsdruck für Schlachtschweine wird kleiner. Große Überhänge gibt es in Süddeutschland. In Italien und Spanien steigen die Preise.

Die Vermarktungssituation für Schlachtschweine hat sich in einigen Regionen Deutschlands, beispielsweise dem Nordwesten, etwas entspannt. Im Süden und ganz im Norden des Landes soll Marktbeobachtern zufolge das Angebot hingegen noch drückend ausfallen. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) stellte fest, dass sich die Überhänge am Lebendmarkt durch erhöhte Schlachtungen sowie ein nicht zu umfangreiches Angebot aus der laufenden Mast weiter abbauen. Spielraum für Preisbefestigungen bestehe in der neuen Schlachtwoche aber noch nicht. Die VEZG ließ deshalb ihre Leitnotierung am vergangenen Mittwoch mit 1,19 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) unverändert.

Nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) hat der Schweinestau zuletzt mit schnellerem Tempo abgenommen. ISN-Schätzungen zufolge hat er sich in der vierten Kalenderwoche um rund 120.000 Tiere auf 760.000 Stück verringert. Zusammen mit den 180.000 Schweinen der ersten drei Januarwochen sei der Schweineüberhang um fast ein Drittel kleiner geworden. Neben den höheren Schlachtungen liege das auch an den Anpassungsreaktionen der Erzeuger; so seien seit September 2020 wöchentlich zwischen 35.000 und 45.000 weniger Ferkel importiert worden, und auch die heimische Ferkelerzeugung sei rückläufig. „Dass sich der Abbau von 760.000 Schweinen im Überhang noch einige Wochen hinziehen wird, kann sich jeder leicht ausrechnen, aber wir sind mittlerweile auf einem sehr guten Weg“, erklärte ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergehe oder sich das Tempo sogar noch erhöhe, sei ein Ende dieser monatelangen katastrophalen Ausnahmesituation in Sicht. Wenig erfreut dürften die Schweinemäster jedoch die Meldung aufgenommen haben, dass der Discounter Lidl seinen Solidarzuschlag für die Bauern ab sofort nicht mehr zahlt. Der Markt sei dem Preissignal nicht gefolgt, und allein könne man die Preise nicht auf dem höheren Niveau halten, rechtfertigte Lidl seine Entscheidung.

Überhänge in Österreich abgebaut

In Österreich ist man beim Abbau der nach dem Jahreswechsel entstandenen Überhänge am Schlachtschweinemarkt schon sehr viel weiter. Der wochenlange Rückstau sei gänzlich aufgelöst, erläuterte der Verband landwirtschaftlicher Veredlungsproduzenten (VLV). Maßgeblich dazu beigetragen habe der florierende Export Richtung Asien sowie die anhaltend überdurchschnittlich gute Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel. Der VLV ließ aufgrund der insgesamt ausgewogenen Marktverhältnisse seine Leitnotierung mit 1,32 Euro je Kilo SG ebenfalls stabil. Unverändertes Geld - und das seit Mitte Dezember - werden zudem die französischen Mäster erhalten, und auch in den Niederlanden und Dänemark änderten sich die Auszahlungspreise der Schlachtereien nicht. Laut Danish Crown bewegt sich der europäische Markt für frisches Schweinefleisch weiterhin seitwärts, ohne dass sich wesentliche Änderungen in beide Richtungen ergeben. Angesichts der immer noch zahlreich vorhandenen Schweine sei diese Stabilität aber positiv zu werten. In Belgien kam es im Zuge einer Angleichung der Ankaufspreise für Schlachtschweine zu einem Notierungsanstieg von 1 Cent je Kilo Lebendgewicht (LG) bei der Danis-Gruppe. Westvlees ließ seinen Preis stabil.

Steigende Notierungen im Süden

In Italien setzte sich unterdessen der Anfang 2021 begonnene Anstieg der Schlachtschweinenotierung fort. In der vergangenen Woche wurde der Leitpreis um weitere 4,5 Cent je Kilo Lebendgewicht (LG) angehoben; der Gesamtzuwachs belief sich damit auf 13,5 Cent je Kilo LG. Dortigen Analysten zufolge wurde das eher knappe Angebot schlachtreifer Tiere von den Fleischherstellern bisher gerne geordert. Allerdings habe der deutliche Anstieg der Schlachtschweinepreise die Marge der Schlachtbetriebe spürbar gesenkt, die nun ins Minus gerutscht sei. Dies könne eine Drosselung der Schlachtungen zur Folge haben. In Spanien sind schlachtreife Schweine für den Bedarf der Schlachtbetriebe, die ihre Kapazitäten spürbar ausgebaut haben, ebenfalls eher knapp bemessen. Analysten zufolge sorgen die immer noch umfangreichen Schweinefleischlieferungen nach China für gute Verdienstmöglichkeiten, die beim Absatz auf dem umkämpften EU-Binnenmarkt nicht bestehen. Nach dem ersten kleinen Preisplus für die Mäster Ende Januar ging es mit der Notierung am Mercolleida am vergangenen Donnerstag um 1,7 Cent auf 1,117 Euro je Kilo LG nach oben.

Wenig Bewegung bei EU-Durchschnittpreis

In der gesamten Europäischen Union traten die Schlachtschweinepreise in der Woche zum 31. Januar meist auf der Stelle. Nach Angaben der EU-Kommission wurden für Tiere der Handelsklasse E im Mittel aller 27 Mitgliedstaaten 127,85 Euro pro 100 Kilo SG gezahlt; das waren 0,15 Euro oder 0,1 Prozent weniger als in der Vorwoche. Dabei gaben die Preise in Irland, der Slowakei und Ungarn zwischen 1,0 Prozent und 1,5 Prozent nach. In den Schweinehochburgen Deutschland, Spanien, Frankreich, Dänemark und den Niederlanden lagen sie - abgesehen von minimalen Abweichungen - auf dem Vorwochenniveau. Über leichte Erlösverbesserungen konnten sich hingegen die Erzeuger in Polen, Kroatien, Bulgarien und Slowenien mit Zuschlägen zwischen 0,6 Prozent und 0,9 Prozent freuen. In Italien machte sich der Notierungsanstieg mit einem Preisplus von 2,2 Prozent bemerkbar. Im Vergleich zur letzten Januarwoche 2020 erhielten die Mäster in der Gemeinschaft für ihre Tiere um rund 30 Prozent weniger.
Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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