EU-Schlachtschweinemärkte: Notierungen in der...
EU-Schlachtschweinemärkte

Notierungen in der Winterstarre

Jörg Schiffeler, jus
Schweinehälften im Kühlraum.
Schweinehälften im Kühlraum.

BONN Das Angebot an Schlachtschweinen fällt in Europa vielerorts groß aus. Auch die Schlachtgewichte sind hoch. Der Fleischabsatz in Richtung China läuft flott. Die Überhange am Schlachtschweinemarkt bauen sich in Deutschland nur langsam ab. Die VEZG belässt ihre Leitnotierung mit 1,19 Euro unverändert. Aufschläge können italienische Erzeuger realisieren.

Am Schlachtschweinemarkt in der Europäischen Union hat sich in der Kalenderwoche 3 wenig geändert. Meist übertraf das Angebot an Schlachtschweinen den Bedarf, da der Fleischmarkt Mitte Januar nicht so aufnahmefähig ist, und Ware wanderte ins Kühlhaus. Lediglich der Export nach Asien brachte zuletzt eine größere Entlastung. Die Preise für Schlachtschweine blieben in der EU überwiegend stabil, nur in Italien tendierten sie erneut fester.

In Deutschland sprach die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) von fortgesetzten Angebotsüberhängen. Ihre Leitnotierung blieb mit 1,19 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) erwartungsgemäß unverändert. Der Schweinestau scheint sich nur langsam abzubauen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) kamen in der zweiten vollen Januarwoche bundesweit 740.500 klassifizierte Schweine in den meldepflichtigen Betrieben an die Haken. Ein Jahr zuvor waren es in der vergleichbaren Woche 937.550 Stück gewesen, in den beiden Jahren zuvor jeweils mehr als eine Million Tiere. Zwar dürfte das Gesamtangebot an schlachtreifen Tieren langsam zurückgehen, aber auch die coronabedingten Kapazitätseinschränkungen bleiben ein Thema.

Analysten zufolge muss ebenfalls angenommen werden, dass die derzeit eingeschränkten Möglichkeiten in der Fleischvermarktung die Schlachtaktivitäten auch nicht in die Höhe treiben. „Unsere Einschätzung ist, dass einige unserer Kollegen in ganz Europa die Schlachtung an die Menge an Fleisch anpassen, die sie auf dem Markt verkaufen können“, berichtete Danish Crown (DC). Aus Belgien war zu hören, dass jede Ausweitung der Schlachtungen sinkende Preise im schleppenden Fleischverkauf und damit Margenverluste mit sich bringe. In Dänemark und Belgien blieben die Notierungen für Schlachtschweine ebenso unverändert wie in Frankreich. Dort hat der Bedarf der Schlachtbetriebe nach dem Auslaufen der Schweinefleischpromotionen im Einzelhandel nachgelassen; die Schlachtungen lagen dem Marché du Porc Breton zufolge aber weiter auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Warten auf Preisanstieg in Spanien

In Österreich arbeitete die Schlachtbranche laut dem Verband landwirtschaftlicher Veredlungsproduzenten (VLV) zuletzt unter Volllast, wodurch die Überhänge rückläufig sind. Auch die Schlachtgewichte sinken und dürften bald wieder unter der 100-kg-Marke liegen. Vor allem die kleinen und mittleren Fleischbetriebe würden unter dem Absatzausfall in den Wintersportorten leiden, während Großschlachter dies durch Exporte nach China ausgleichen könnten, berichtete der Verband. Sein Leitpreis blieb mit 1,32 Euro je Kilo SG stabil.

In Spanien hat sich die von Erzeugern erhoffte Befestigung der Schlachtschweinepreise noch nicht eingestellt; die Notierung am Mercolleida blieb mit 1,096 Euro je Kilo Lebendgewicht (LG) unverändert. Zwar sei die Nachfrage nach schlachtreifen Tieren für den China-Export weiter groß, doch hätten sich zuletzt die Schlachtgewichte erhöht, was auch auf die Vermarktungsstörungen wegen des kürzlich erfolgten Wintereinbruchs zurückzuführen sei. Immerhin bleibe in diesem Jahr der sonst im Januar oft zu beobachtende Preisverfall aus, merkte der Mercolleida an.

In Italien konnten sich die Mäster dagegen über einen weiteren Anstieg der Notierung freuen, der sich auf 3,5 Cent je Kilo LG belief. Das kontraktgebundene Schweineangebot sei gegen Monatsende immer etwas kleiner und werde gut nachgefragt, zumal die Schlachtbetriebe mit einer positiven Marge von rund acht Euro pro Schwein arbeiten würden, berichteten italienische Marktbeobachter.

EU-Kurse mit Fragezeichen

Schon in der Woche zum 17. Januar waren die Schlachtschweinepreise in der EU überwiegend stabil geblieben. Nach Angaben der Brüsseler Kommission wurden für Tiere der Handelsklasse E im Mittel der 27 Mitgliedstaaten 127,95 Euro pro 100 Kilo SG gezahlt; das waren 0,30 Euro oder 0,2 Prozent mehr als in der Vorwoche. Darin enthalten ist allerdings ein fälschlicherweise für Belgien ausgewiesener Preisanstieg von mehr als 17 Prozent, der nach Angaben von dortigen Marktkexperten so nicht stattgefunden hat. Für Polen wies die Kommission eine gegenüber der Vorwoche um 1,6 Prozent höhere Auszahlungsleistung aus.

In den Niederlanden und Deutschland sollen die durchschnittlichen Preise für Schlachtschweine um 0,4 Prozent gestiegen sein. Neben einer möglichen Verbesserung der Teilstückbewertung bei der Abrechnung nach AutoFOM könnten in Deutschland auch die vom Lebensmitteleinzelhandel bereitgestellten Sonderzahlungen für notleidende Schweinemäster zu dem leichten Preisplus bei eigentlich unveränderter VEZG-Notierung geführt haben. In Dänemark, Italien und Frankreich blieben die Kurse unverändert. Für Österreich wurde in der Berichtswoche überraschend ein Minus von 1,1 Prozent bei der Auszahlungsleistung der Schlachtereien gemeldet, obwohl auch dort die maßgebliche VLV-Notierung für diesen Zeitraum stabil war. Den größten Preisabschlag in der EU mussten den Daten der Kommission zufolge die Mäster in Rumänien mit 8,1 Prozent hinnehmen.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
stats